„War schon in dieser Sterbebettsituation": Arm seither gelähmt! Anna-Maria Zimmermann spricht über Helikopter-Unfall
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Anna-Maria Zimmermann hat in ihrem Leben schon viel erlebt! 2010 wird sie bei einem Helikopter-Unfall auf dem Weg zu einem Auftritt schwer verletzt. Ihr Arm ist seitdem gelähmt. Im Interview mit Frauke Ludowig spricht die Sängerin über das dunkle Kapitel in ihrem Leben.
„Natürlich habe ich mir danach kurz diese Frage gestellt. Warum ich? Das war mein Tag. Und das war mein Platz.“
Es sind diese Gedanken, die Anna Maria durch den Kopf gehen, wenn sie an diesen Tag zurückdenkt. Von jetzt auf gleich ist nichts mehr, wie es war.
„Du hast dich gefühlt wie ein dreijähriges Kind, wo ich immer gedacht habe, das ist jetzt mein Leben?“
Ein Leben, das die Sängerin seitdem vor großen Herausforderungen stellt, die sie irgendwie meistern muss.
„Ich war jahrelang so an diesem, an diesem Punkt, dass ich gesagt habe: Es muss jetzt aber okay sein. Und im Nachhinein sage ich: Nein, Anna, es ist okay, dass es nicht okay war.“ Denn es gibt diese Zeit, in der sie sich nicht mag, in der sie noch nicht bereit ist, weiterzumachen. Und doch muss sie funktionieren. Für ihre beiden Söhne.
Seit ihrem schweren Helikopterunfall ist ihr linker Arm gelähmt. Etwas, womit sich die 37-Jährige arrangiert hat. „Kannst du eine Flasche aufmachen?“ „Natürlich kann ich eine Flasche. Ganz einfach. Mach ich. Einfach so! So! Oder wenn ich sitze, mach ich das halt so!“
24. Oktober 2010! Zusammen mit ihrem Manager, einem Assistenten und dem Piloten ist Anna Maria per Helikopter auf dem Weg zu einem Auftritt, als die Maschine einen Baum streift und abstürzt.
„Wie ist eigentlich deine Erinnerung noch an diesen Tag? An das Unglück?“
„Ich weiß nichts.“
Obwohl Anna Maria bei vollem Bewusstsein ist, erinnert sie sich kaum an Details. Sie kommt mit schweren inneren Verletzungen und mehreren Knochenbrüchen ins Krankenhaus. Ihre Lage lebensbedrohlich.
„Ich war schon in dieser Sterbebettsituation, wo ich den Krankenschwestern und Ärzten gesagt habe: Macht morgen diese blöde OP und entweder werde ich morgen mittag wach oder ich werde nicht mehr wach.“
„Was waren damals deine Gedanken, Deine letzten Gedanken, bevor dann die Narkose dich in den Tiefschlaf versetzt hat?“
„Ich war ja wirklich ziemlich jung, Anfang 20 und ich hab so gedacht: Hey, Anna. Ganz ehrlich, war doch cool bis jetzt. Krass. Wie gesettelt ich eigentlich schon so war und was für ein Mindset ich schon hatte und gedacht hab: Ja, dann ist das jetzt so.“
Sie übersteht die OP, wird aber für mehr als zwei Wochen ins künstliche Koma versetzt. Schuld am Unfall ist ein Pilotenfehler. Für die Sängerin ist das aber unwichtig. Nur eine Sache beschäftigt sie bis heute.
„Das Einzige, was ich diesen Menschen halt einfach immer noch übelnehme, ist halt einfach, dass er danach nicht da war. Es gab einen Steiff-Teddybären mit einer Entschuldigung, wo ich gesagt habe, danke, sei für meine Eltern da. Nie wieder Kontakt.“
Mit der Unterstützung ihrer Familie muss Anna Maria mit Anfang 20 von vorne anfangen. Lernt alles neu. Sprechen, laufen und sich um sich selbst zu kümmern. Keine einfache Situation.
„Ich werde nie vergessen, wie ich irgendwann so durchgedreht bin. Zu Hause. Ich habe geheult und geschrien. Ich habe 100 Mal versucht, mir meinen blöden BH zuzumachen, aufzumachen, mich anzuziehen.“
Eine Zeit, in der Anna Maria ihr Schicksal nicht annehmen will, auch wenn ihre Eltern alles geben. Richtig verstanden fühlt sie sich nie.
„Im Nachhinein würdest du jetzt sagen, du warst sogar ein böser Mensch. Kann man sich bei dir jetzt gar nicht vorstellen. Ehrlich gesagt.“
„Ich war wirklich böse zu denen. Diese Sprüche der Außenwelt meiner Liebsten, die immer gesagt haben: Aber Anna. Und mit dem Arm. Und es ist doch nicht so schlimm. Wo ich immer gesagt Das ist nicht so schlimm. Ihr habt den Scheiß ja auch nicht wie Das ist nicht so schlimm. Natürlich, Jetzt im Nachhinein sag ich so: Da ist diese Mama, die ihre Tochter fast verloren hat, die jetzt gesagt hat, es ist nur der Arm, du kannst sprechen, du lebst, du bist da, du bist bei Verstand.“
Sechs Jahre dauert es, bis sie sich so akzeptieren kann, wie sie ist. Heute ist sie selbst Mutter und weiß, wie es ist, wenn es jemanden gibt, der einem noch wichtiger ist als man selbst. Mit ihrem Ex-Mann Koch Christian Tegeler bekommt Anna-Maria Matti, acht, und Sepp, fünft. Die beiden sind ihre größte Stütze. Aber auch sie merken irgendwann: Mama ist anders.
„Haben Sie schon mal nachgefragt?“
„Was ist denn mit deinem Arm, Mama? Naja, aber mein Arm ist doch gelähmt. Und dieses kleine Kind guckte mich an und es war so wie der ist gelähmt? Der funktioniert ja nicht. Der kam jeden Mittag nach Hause vom Kindergarten. Mama, ich bin traurig. Aber warum? Weil dein Arm nicht mehr geht.“
Damit umzugehen, lernen die Jungs von klein auf.
„Meine Kinder haben immer auf dem Wickeltisch gelegen. Popo hoch, Pampers drunter, liegen bleiben. Also meine Kinder haben immer gewusst, Ihr müsst liegen bleiben. Von Anfang an.“
Ja. Anna Maria kämpft sich zurück ins Leben und auf die Bühne. Vor zwei Wochen erscheint ihr neuer Song. Nächstes Jahr steht ihre erste Tour an mit einem besonderen Titel. „Deine Tour wird heißen „100 %“. Wie ist bei Anna Maria Zimmermann 100 %.“
„Das bin einfach 100 % ich. Nicht nur dieser Sonnenschein-Stempel mit "das ist immer alles toll bei mir". Nein, auch in meinem Leben gibt es die gescheiterte Ehe, einen Unfall, viele Momente, wo ich nicht gut drauf war.“
Momente, an denen sie bis heute arbeitet. Mit Therapeut Jörn Marc Vogler.
„Ich war lustigerweise gerade vor zwei Wochen in einem Meditationscamp. Drei Tage, 30 Stunden, meditieren. Es sind noch mal so Erinnerungen hochgekommen, aber überhaupt nichts Schlimmes.“
Diese Zeit hilft der 37-Jährigen ganz bei sich selbst anzukommen.
„Hast du Angst davor, dass diese Schublade irgendwann aufgeht? Dass die Erinnerung zurückkommt?“
„Nee, mittlerweile nicht mehr. Ich hab das alles so akzeptiert. Ich fühle mich so wohl mit mir selbst, mit all dem, was ich mache und bin.“
Anna Maria hat abgeschlossen mit dem Unfall und dem Kampf. Sie hat ihn für sich gewonnen.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche
