Erster öffentlicher Auftritt des früheren Trigema-Chefs Wolfgang Grupp seit seinem Suizid-Versuch Mitte des vergangenen Jahres: Im Neuen Kunstmuseum in Tübingen war er Gast der Talkreihe "Gysis Begegnungen" mit Gregor Gysi (Linke). An seinen Suizidversuch mag er gar nicht denken, sagte Grupp. Er habe danach seinen Jagdschein abgegeben und habe nun neue Prioritäten.
In einem launigen Gespräch verriet Grupp, wie sehr er das Leben gefeiert habe als Jurastudent in Köln. "Ich habe das Leben genossen. Ich war in kaum einer Vorlesung", sagte Grupp und erntete viel Gelächter aus dem Publikum. Weg vom strengen Elternhaus in Burladingen (Zollernalbkreis) und in einer Großstadt. Sein Vater sei großzügig gewesen, habe ihm eine Drei-Zimmer-Wohnung gegönnt - samt eigenem Reitpferd und einem Sportwagen.
So sorglos sei es jedoch nicht immer gewesen, sagte Grupp. "Also, meine Internatszeit in St. Blasien bei den Jesuiten war meine schlimmste Zeit. Ich hatte Heimweh. Ich liebte mein Zuhause und wir durften ja nicht am Wochenende nach Hause. Wir hatten dreimal im Jahr Ferien." Zweimal im Jahr habe er Besuch gehabt von der Familie. "Ich hatte furchtbar darunter gelitten", sagte Grupp.
Er habe viel gelernt fürs Leben im Internat. "Ich musste mich durchsetzen, um nicht unterzugehen. Ich musste mich anpassen, um Freunde zu haben. Ich musste ordentlich sein, um nicht in der Unordnung leben zu müssen. Also, ich habe dort sehr viel für mein späteres Leben automatisch mitbekommen, weil ich selbst verantwortlich war mit elf Jahren", sagte Grupp.
Grupp (83) hatte vor einiger Zeit die Geschäfte an seine beiden Kinder übergeben, aus Steuergründen, sagte Grupp in Tübingen. Wolfgang Grupp Junior (34) und seine Schwester Bonita (36), die Ende des vergangenen Jahres Mutter geworden ist, führen das Familienunternehmen gemeinsam. Sie leitet die Bereiche Onlinehandel, Marketing und Personal. Wolfgang Grupp junior verantwortet Geschäftskunden, IT-Projekte, die Produktion und Finanzen.