In Kenia sagt man: „Das Laufen selbst kann als Leben betrachtet werden. Es ginge darum, zu wissen, was man möchte und wohin man geht."
Hier in Kapsabet, 2000 Meter über dem Meeresspiegel, läuft einer, der nach dieser Philosophie lebt, sein Ziel unmissverständlich formulieren kann.
„So schnell laufen wie ich kann!"
Sabastian Sawe. Vier Marathons im eigenen Album, jeweils Siegerfotos. Dabei beginnt er erst nach seinem 20. Lebensjahr mit ernsthaftem Training für die Langdistanz. Spätstarter gegen alle Gesetze, sagt einer der größten aller Zeiten.
„Normal brauchst du 4 bis 5 Marathons, um wirklich gut über diese Distanz zu werden. Aber dieser Typ ist von Anfang an gut. Das ist so speziell, er ist so begnadet."
Mental gilt Sawe als absoluter Ausnahmeathlet, in Interviews kurz angebunden, aber immer unmissverständlich.
Um dem General-Dopingverdacht im kenianischen Laufsport entgegenzuwirken, lässt sich Sawe regelmäßig testen, soll sogar einer der meistgetesteten Marathonläufer sein.
„Es hat sich gezeigt, dass es eine weitverbreitete Kultur des Dopings in Kenia gibt. Nichtsdestotrotz gibt es in diesem Falle bei Marathon Weltrekord bisher gar keinen Beweis für irgendetwas. Es hat sich in den letzten Jahren allerdings auch gezeigt, dass immer wieder hochprominente kenianische Läufer hervorragende Zeiten gelaufen sind und es dann nicht lange gedauert hat. Und sie sind aus dem Verkehr gezogen wegen Dopingverstößen. Aber es gibt keine Vorverurteilung. Bisher gibt es nach dem Kenntnisstand, den wir öffentlich haben, keinen Hinweis darauf, dass er durch Doping zustande gekommen ist."
Und so zählen erst mal andere Begründungen, zum Beispiel Trainingspensum. In der direkten Vorbereitung auf einen Marathon läuft Sawe bis zu 240 Kilometer pro Woche.
„Fühlen Sie sich bereit, die magische Zwei-Stunden-Marke zu knacken?"
„Ja!", sagt der 31-jährige schon im September. Eine Schallmauer, die er in London jetzt durchbricht. Übrigens mit Brot und Honig zum Frühstück. Sebastian Save. Wohin führt sein Weg noch?