Nadja ist nervös wie alle Promis bei ihrer ersten großen Liveshow – aber in ihr überwiegt ein anderes Gefühl: Vertrauen.
„Ich bin schon ein ehrgeiziger Mensch. Aber nicht so, dass ich mich kille mit Ehrgeiz. Ich möchte Spaß haben und ich denke, es kommt alles so, wie es kommen soll.“
Dieser Glaube, dass vieles vorbestimmt ist und am Ende immer alles gut wird, gehört zur Geschichte eines Engels, der schon sehr tief gefallen ist.
Gestern, kurz nach halb neun. Nadja Benaissa zeigt allen, dass sie Cha Cha Cha tanzen kann.
"Ich hatte richtig Spaß auf der Bühne, ich liebe auch die Musik und diese ganze Energie hier im Studio und diese tollen Tänzer und auch meine Kolleginnen Betty und Nancy. Wir hatten so eine tolle Zeit, wir hatten so ein tolles Training und ich finde, wir haben es richtig toll gerockt."
Seit über 25 Jahren ist sie es gewohnt, vor einem Millionenpublikum zu performen.
Ihre Karriere beginnt, als sie im Jahr 2000 zum Casting der ersten „Popstars“-Staffel geht – und Teil der No Angels wird.
"Ich war damals gerade 18 Jahre alt geworden. Ich bin zum Casting gegangen, hatte keine Ahnung, worum es geht und was auf mich zukommt und dann waren wir von heute auf morgen berühmt und haben auch dieses Jahr 25 jähriges Jubiläum. Ja, und seitdem viele Höhen und Tiefen erlebt."
Nadja, Sandy, Lucy, Jessica und Vanessa stürmen die Charts – plötzlich sind sie die deutschen Spice Girls, Idole einer ganzen Generation. Ein Hype der ihr Leben auf links dreht.
Zwischen Glamour, Blitzlicht und Dauerterminen bleibt kaum Luft zum Atmen. Für die 18‑jährige Nadja fühlt sich der Popstar-Traum wie ein Dauer-Spagat an – denn ein Jahr vorher ist sie Mutter einer Tochter geworden.
"Was manchmal wirklich schwierig ist, ist wenn ich mit der Layla unterwegs bin und dann ganz viele Leute mich erkennen und auf mich zukommen und mich ansprechen. Und die Layla versteht das nicht und die Layla möchte mein Mittelpunkt sein und möchte meine ganze Aufmerksamkeit. Und wenn andere Menschen kommen, dann muss ich ihnen meine Aufmerksamkeit schenken und dann wird sie sauer."
Nicht nur um Tochter Layla macht sich die junge Mama damals Gedanken. Auch ihre eigene Vergangenheit, lange vor den No Angels hat sie sehr geprägt.
"Mit 14 Jahren cracksüchtig geworden durch verschiedene Umstände, durch Probleme mit mir selber, durch den falschen Freundeskreis, durch mangelnde Erfahrung. Einfach mit 14 Jahren. Und ich bin immer tiefer reingerutscht."
Mit 16 erfährt Nadja dann, dass sie HIV-positiv ist. Steht an einem Punkt, an dem andere zerbrechen würden – aber sie nimmt ihr Leben in die Hand, wird clean und wenig später dann Teenie-Idol mit den No Angels.
Ihre bewegende Geschichte, die sie 2010 in ihrer Biografie verarbeitet, hat Nadja stark gemacht.
"Früher war ich mit Druck sehr stark überfordert. Heute kann ich mit Druck besser umgehen. Ich denke, das liegt auch daran, weil man einfach schon vieles erlebt hat und es irgendwie funktioniert hat. Und es ist halt immer super stressig und viel, aber am Ende klappt es ja irgendwie immer. Und wenn man diese Erfahrung ein paar Mal gemacht hat, dann kann man sich darauf auch so ein bisschen berufen in solchen Situationen."
Dieses Grundvertrauen spüren wir gestern Abend auch auf dem Tanzprakett.
Sie kann loslassen und fliegt, wie Juror Jorge sagt, wie ein Engel übers Tanzparkett.
"Ich glaube, wenn du achtest auf die Technik, du wirst wie eine Rakete hoch hinauffliegen."
Und zwar zusammen mit ihrem Profitänzer Vadim Garbusow.
"Ich habe das Gefühl, dass sie so eine tiefgründige Persönlichkeit ist und dass es viel aus der Seele noch kommen kann. Und auch körperlich ist sie sehr, sehr beweglich. Ich glaube, da hast du mich ganz gut eingeschätzt."
"Let’s Dance" ist für Nadja Benaissa nicht nur eine Show, sondern der Beweis, dass man mit Narben und Druck trotzdem wieder vertrauen kann – sich selbst, dem Leben und ab jetzt jedem neuen Schritt auf dem Tanzparkett.