Ali A. ist auch heute bei der Urteilsverkündung allein. Keines seiner insgesamt acht Kinder ist gekommen, denn im Raum steht ein Vorwurf, der kaum zu begreifen ist: Hat dieser Vater wirklich versucht, seinen eigenen Sohn zum Auftragskiller zu machen? Auslöser für Ali A. soll der Lebensstil seiner erwachsenen Tochter gewesen sein. Die 19-Jährige soll sich mit Männern getroffen haben, ihnen auch erotische Fotos geschickt haben. Ihr Vater soll davon gewusst haben, angeblich, weil er ihr Handy mit Spionagesoftware überwacht hat. Und es ist wohl nicht das erste Mal, dass die Situation eskaliert.
Sprecher der Polizei Cuxhaven:
„Circa eine Woche vorher gab es schon mal einen Einsatz wegen der häuslichen Gewalt bei der Familie. Dort ging es um massive Beleidigungen und massive Gewaltandrohungen des Vaters gegenüber der Familie.“
Ali A. soll dann seinen 17-jährigen Sohn aufgefordert haben, die eigene Schwester zu töten. Ein sogenannter Ehrenmord, um die Familienehre zu retten. Aber der Plan geht nicht auf. Der Jugendliche entscheidet sich gegen seinen Vater und für seine Schwester. Er geht zur Polizei.
Sprecher der Polizei Cuxhaven:
„Wir müssen wirklich betonen, dass es wirklich absolut bewundernswert und herausragend ist, dass vier Jugendliche den Mut gehabt hat, sich hier der Polizei zu offenbaren und sich damit auch gegen seinen Vater gestellt hat. Das verdient allerhöchste Anerkennung und kann man nicht genug loben. Und gleichzeitig kann man damit der Gesellschaft auch zeigen Wir nehmen das sehr, sehr ernst. Polizei nimmt es ernst. Justiz nimmt das sehr, sehr ernst.“
Kurz darauf klicken die Handschellen. Die Polizei nimmt Aliah im September vergangenen Jahres fest. Vor wenigen Minuten fällt dann das Urteil gegen den 46-jährigen. Wegen Anstiftung zum Mord muss er für fünf Jahre und sechs Monate ins Gefängnis. Und es war wohl der Mut des 17-jährigen Sohnes, Nein zu sagen, der das Leben seiner Schwester gerettet hat.