„Ich habe mich erschrocken bei dem ganzen Blut.
Ich hatte Todesangst.
Mein Wendepunkt war der Moment, als mir die Bootsschraube das Bein abgerissen hat.“
Das Urlaubsparadies Französisch-Polynesien mitten im Südpazifik. Am 5. April dieses Jahres ist Brian Pethke mit seinem besten Freund Mika auf einem geführten Tauchgang. Als die Gruppe wieder an die Oberfläche kommt, wollen sie ihr Boot besteigen, aber plötzlich verliert der Kapitän die Kontrolle. Brian beschreibt den Moment so.
OT: Brian Pethke
„Durch den hohen Wellengang wurde der Bootsführer vom Boot runtergedrückt bzw ist runtergefallen und hat dabei Vollgas gegeben und ist dann durch den Schwung der das Boot dann hatte hinten rüber gefallen. Auf einmal fing das Boot an zu kreisen und da realisierten wir, dass kein Bootsführer auf dem Boot war.“
Andere Taucher filmen, wie das führerlose Boot unkontrolliert durchs Meer kreist. Brian hat keine Chance zu entkommen.
OT Brian Pethke:
„Als mich die Schiffsschraube erwischt hatte: War im ersten Moment sehr schmerzhaft. Es war ein Brennen durch das Meerwasser. Ein Abreißen der Gliedmaßen
Brian ist sich sicher, dass er hier auf dem Meer sterben wird. Innerlich verabschiedet er sich von seiner Familie. Doch er hat unglaubliches Glück. Ein weiteres Boot der Tauchschule eilt zu Hilfe, an Bord sind zufällig drei Ärzte.
OT: Brian Pethke
„Die Ärzte, die auf dem Boot waren, die mich gerettet haben, waren selbst Touristen, die vor Ort waren, die auch nur vor Ort waren, da deren Flug ausgefallen ist und sie noch einen Tag mehr Zeit hatten um auf dieser Insel tauchen zu gehen.“
Mit einem Ambulanzflugzeug wird Brian am Ende nach Tahiti in ein Krankenhaus gebracht. Zwischen Unfall und Not-Operation liegen ganze zehn Stunden.
OT: Brian Pethke:
„Da haben dann die Ärzte raufgeschaut und die Entscheidung, als sie das Bein gesehen haben, war dann innerhalb von Sekunden getroffen. Da wurde mir einfach nur noch gesagt, klipp und klar, dass dieses Bein nicht mehr gerettet werden kann. Im Aufwachraum ich habe einen Blick nach unten geschmissen und habe gesehen: Okay. Auf der rechten Seite ist die Bettdecke einfach nur glatt."
Der junge Mann verliert sein Bein, aber behält sein Leben. Sein Freund Mika ist die ganze Zeit bei ihm. Sonst möchte Brian erstmal niemanden sehen.
OT: Brian
Du hast jetzt die zwei Möglichkeiten, dass du entweder in ein Loch fällst und trauerst um dein Bein. Oder hast du jetzt nach vorne siehst, kämpfst, weiter machst und mit der Prothese irgendwann aufstehst und kannst nur mal wieder durchs Leben läufst? Ich habe mich für diesen Weg entschieden.“
Der 24-jährige kämpft weiter. Nach zwei Operationen auf Tahiti kommt er nach über 3 Wochen INS Unfallkrankenhaus Berlin Marzahn - und sieht das erste Mal seine Familie wieder. Brian filmt diesen Moment.
OT Jaqueline Pethke-Rußack, Mutter von Brian
„Ich habe einfach nur mich gefreut, ihn endlich in den Arm zu nehmen, ihn zu drücken und Tränen sind gelaufen. Natürlich. Und das erste, was er zu mir gesagt hat Er ist so froh, dass er uns wieder sehen kann, weil er hatte eigentlich schon damit gerechnet, dass er uns nicht mehr sieht. Und das war für mich wirklich so schlimm.“
Nach dem Wiedersehen folgen drei weitere Operationen. Nach vier Wochen darf Brian das Krankenhaus ENDLICH verlassen. Wir SIND DABEI; als er von seinen Liebsten abgeholt WIRD und zum ersten Mal nach dem Unfall nach Hause kommt.
OT: Brian Pethke
Für mich gibt es jetzt einmal den Brian vor dem Unfall, der immer sehr wissbegierig war, sehr reiselustig hat es geliebt, wandern zu gehen. Alles, was viel auch mit den Beinen zu tun hatte. Wo auch Bewegung gefordert war. Vor allem das Tauchen, was ich ja für mich neu entdeckt hatte. Und dann gibt es einmal den neuen Brian. Jetzt, nach dem Unfall, der das Ganze gerade in der aktuellen Situation nicht machen kann, der aber umso stärker aus dieser aus diesem Ganzen herausgehen möchte.
Brian blickt nach vorne – auch wenn er erneut einen Rückschlag erlebt. Nach einigen Tagen zu Hause muss er wieder ins Krankenhaus. Aber er gibt nicht auf – schon allein für seinen Traum, trotz allem irgendwann wieder tauchen zu können.