„Ich bin mit meiner Freundin einkaufen...Farbe ist schön, ernst? ich bin blind.“
Hunderttausende Menschen sehen Yusuf auf Social Media zu - wie es ist, nichts zu sehen - samt Tücken des Alltags.
"“Ich hab keinen Blindenstock mehr. / Bruder, der ist in die Kanalisation reingefallen.“
Als Kleinkind bekommt der heute 26-Jährige die Diagnose: Retinitis Pigmentosa. Eine unheilbare Netzhaut- Krankheit, bei der die Sehzellen absterben.
„Ich sehe kein klares Bild, sehr verschwommen. Über die Jahre habe ich konstant an Sehstärke verloren.“
Heute bleiben ihm zwei Prozent Sehstärke. Damit gilt er gesetzlich als blind. Deswegen ist er mit 18 Jahren nach Marburg gezogen. Eine Stadt, die es Menschen mit Sehbehinderung leichter macht als andere.
„Hier sieht man nonstop Menschen mit Blindenstock. Ganz normal. Die Busfahrer schreien von selber raus Linie 3,7,8. Die Ampeln sind barrierefrei.“
Da kann man ja auch mal probieren, mit Humor noch ein paar Vorteile rauszuschlagen.
„Ich hab meinen Geldbeutel dabei, aber keine Augen. Kannst du mir helfen? Ich hole bei dir immer Minze, Ingwer, Tomaten, aber ich zahle immer den gleichen Preis. Aber das macht keinen Sinn, weißt du warum? Weil das Auge isst mit, bei anderen, aber bei mir nicht. Ich muss eigentlich die Hälfte zahlen.“
Der 26-Jährige arbeitet Vollzeit im Servicecenter der Agentur für Arbeit. Vorher hat er an der Blindenstudienanstalt, kurz Blista, sein Wirtschaftsabitur gemacht.
Eine Zeit, in der er auch immer wieder mit Depressionen zu kämpfen hatte. Aber seine Familie und auch seine rund 200.000 Social-Media-Follower helfen ihm, nicht aufzugeben. Er hat gelernt, alles so zu nehmen, wie es kommt - und das geht mit Humor eben viiiiel leichter.