„Ich kann mich an eine Feier erinnern, da war ich am Tanzen und auf einmal merkte ich so – Ups! Schwallartig kam da was raus, obwohl ich vorher auf Toilette war. Einfach, weil ich Spaß hatte und es nicht halten konnte.“
Solche Momente erlebt Kathleen regelmäßig. Seit der Geburt ihrer drei Kinder, darunter Zwillinge, leidet die 48-Jährige an einem schwachen Beckenboden.
„Ich merkte schon während der Zwillingsschwangerschaft, dass da irgendwie mehr Druck ausgeübt wurde. Und nach den Geburten, also die sind auch spontan gekommen, konnte ich es teilweise gar nicht halten. Und man schiebt das dann so auf die Geburt, das wird schon wieder werden, macht dann so sein Training.“
Von Beckenboden-Workouts bis hin zu diesen Kugeln aus der Drogerie – wirklich geholfen hat ihr bisher nichts – außer: vorbereitet zu sein.
„Also ich muss immer mitdenken, wie ist die Blase gefüllt. Unterwegs trinke ich auch weniger. Aber ist immer ein Thema.“
Diesem Thema will die Dreifach-Mutter nun ein Ende setzen – mit einem EMS-Gerät. 100 Euro kostet es für Selbstzahler. In manchen Fällen kann die Krankenkasse übernehmen.
Die Sonde muss vaginal eingeführt werden, ein Gel soll dabei helfen. Es lassen sich bis zu 99 Intensitätsstufen einstellen.
„Ja, es ist so ein Kribbeln. Aber nicht schlimm. So ein kleiner Widerstand. So bupp, bupp.“
Blasenschwäche kann altersbedingt, durch neurologische Erkrankungen oder eben durch Schwangerschaft so wie bei Kathleen verursacht werden.
Nach einer Schwangerschaft – vor allem nach einer vaginalen Geburt – wird der Beckenboden stark gedehnt. Organe wie Gebärmutter oder Blase können sich absenken, weil die stützende Muskulatur nicht mehr ausreichend hält.
Hier soll das EMS-Gerät ansetzen: Diese Impulse reizen die Nerven, die den Beckenboden versorgen. Dadurch zieht sich die Muskulatur reflexartig zusammen – ähnlich wie bei einer aktiven Anspannung. Das kann helfen, die Muskelkraft zu verbessern und die Haltefunktion zu unterstützen.
„Bin gespannt, wie das Ergebnis ist oder wie man es so empfindet.“ Das wird Kathleen in den kommenden Wochen herausfinden. Sie soll das EMS-Gerät einmal täglich für etwa 20 Minuten nutzen. Ihre Erfahrungen hält sie in einem Videotagebuch fest.
„Ich habe Stufe eins bis 25 ausprobiert, alles andere war mir echt zu intensiv. Es bringt denke ich auf jeden Fall was, weil der Beckenboden tatsächlich arbeiten muss und der Muskel wirklich automatisch anspannt und wieder loslässt.“
Nach etwa vier bis sechs Wochen sollte die Muskelwahrnehmung und die Kontrolle der Blase spürbar besser werden. Kathleen gibt ein Fazit nach fünf Wochen: „Ich merke schon einen Unterschied. Der Beckenboden ist ein bisschen entspannter und kann das besser halten und man hat das Gefühl, dass etwas trainiert ist. Man muss es natürlich regelmäßig machen, jeden Tag. Und ich habe nicht alle Stufen ausprobiert, aber bin recht zufrieden.“
An das Gefühl der Stromimpulse muss man sich erst gewöhnen. Hat man die Muskulatur einmal aufgebaut, muss es nicht mehr jeden Tag sein – ein gelegentliches Training reicht aus, um die spürbaren Ergebnisse langfristig zu erhalten.