Einfluss auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs

Wunderwaffe Vollkorn: Schon kleine Mengen können ihr Leben verlängern

Ein leckeres Sandwich aus Vollkornbrot, roter Beete, Avocado und  Rucola.
© svetlana kolpakova (svetlana kolpakova (Photographer) - [None], svetlana kolpakova

24. September 2020 - 9:51 Uhr

Risiko für schwere Erkrankungen lässt sich beeinflussen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs sind die beiden häufigsten Todesursachen weltweit. Allerdings lässt sich das Risiko für diese Erkrankungen stark durch den Lebensstil beeinflussen. So erhöhen wenig Bewegung, Rauchen oder ein hoher Zucker-, Salz- und Fettkonsum die Wahrscheinlichkeit für diese Krankheiten, während eine gesunde Lebensweise dem sogenannten metabolischen Syndrom und dessen Folgen vorbeugt. Forscher aus Großbritannien, Norwegen und den USA haben den Zusammenhang zwischen dem regelmäßigen Verzehr von Vollkornprodukten und dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen analysiert. Dafür haben die Wissenschaftler insgesamt 45 Studien ausgewertet, deren Augenmerk auf der Wirkung von Vollkornprodukten lag – und die Ergebnisse waren durchaus überraschend.

Bereits kleine Mengen Vollkorn können einen großen Effekt haben

Statt zu Weizenprodukte besser zur Vollkorn-Variante greifen.
Statt zu Weizenprodukten sollten Sie besser zur Vollkorn-Variante greifen.
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Die Forscher kamen nach Auswertung der Studien zu dem Ergebnis: Bereits kleine Mengen Vollkorn haben einen großen Effekt. Menschen, die sich normalerweise hauptsächlich von Weißmehlprodukten ernähren, können ihr Risiko für koronare Herzerkrankungen bereits mit 90 Gramm Vollkorn täglich um 19 Prozent senken. Mit der gleichen Menge Vollkorn reduziert sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 22 Prozent und das Risiko an Krebs zu erkranken, um 15 Prozent.

Allerdings sind die Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen: Zwar konnte die Analyse diese Zusammenhänge eindeutig nachweisen. Doch die Frage ist, ob sich Menschen, die mehr Vollkornprodukte essen, auch insgesamt gesünder ernähren und mehr bewegen. Zudem beeinflussen weitere Faktoren wie Rauchen oder Alkoholgenuss die Gesundheit.

Ballaststoffe wirken sich positiv auf den Stoffwechsel aus

Vollkornmüsli mit Haferflocken am Morgen: Guter Start in den Tag .
Ein Vollkornmüsli mit Haferflocken am Morgen sorgt für einen guten Start in den Tag .
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Dass Vollkornprodukte gesund sind, steht außer Frage. Verantwortlich für den positiven Effekt des Vollkorns ist unter anderem der hohe Gehalt an Ballaststoffen. Diese regen die Verdauung an und beugen damit Darmkrebs vor. Zudem binden sie Fette und sorgen für einen konstanten Blutzuckerspiegel. Letzteres beugt Heißhungerattacken und damit Übergewicht, aber auch Diabetes vor. Und die essentiellen Fettsäuren, Vitamine und Mineralstoffe wie Eisen und Magnesium haben ebenfalls einen positiven Einfluss auf den Stoffwechsel.

Lebensmittel dürfen sich dann Vollkornprodukte nennen, wenn sie alle drei Teile des Korns - Schale (Kleie), Keim und Körper – enthalten. Vollkornnudeln, -reis und andere Vollkornlebensmittel müssen mindestens 51 Prozent Vollkorn enthalten, um als solche bezeichnet werden zu dürfen. Das Deutsche Lebensmittelbuch regelt, welches Brot sich Vollkornbrot nennen darf: Nur Brote und Brötchen, die aus mindestens 90 Prozent Roggen- oder Weizenvollkornerzeugnissen hergestellt sind, dürfen als Vollkornbrot oder –brötchen bezeichnet werden.

Mit anderen Worten: 90 Prozent des enthaltenen Getreides muss Vollkornmehl- oder Vollkornschrot sein. Somit genügen schon zwei dicke Scheiben Vollkornbrot, ein Vollkornmüsli mit Haferflocken am Morgen oder etwa 180 Gramm gekochte Vollkornnudeln oder –reis, um die 90 Gramm Vollkorn am Tag zu erreichen.

Das Aussehen des Brotes kann täuschen

Vollkornbrot muss mindestens 90 Prozent Roggen- oder Weizenvollkorn enthalten.
Nur Brot, das aus mindestens 90 Prozent Roggen- oder Weizenvollkorn hergestellt ist, darf als Vollkornbrot bezeichnet werden.
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Eine dunkle Farbe des Brotes oder Körner auf der Brotkruste sind indes kein Zeichen dafür, dass es sich um Vollkornbrot handelt. Viele Bäcker färben das Brot mit Malzextrakt oder Zuckerrübensirup. Umgekehrt bedeutet helles Brot nicht zwangsläufig, dass es sich nicht um Vollkornbrot handelt. Denn viele Getreidekörner werden zu Mehl oder Schrot verarbeitet und sind damit so fein, dass man sie im Brot kaum noch erkennt. Umgekehrt werden viele Roggen- oder auch Weizenbrote mit Körnern bestreut, obwohl es sich eben nicht um Vollkornbrot handelt. Im Zweifel hilft immer der Blick auf die Zutatenliste. Oder Sie fragen direkt in der Bäckerei nach.

Im Alltag können Sie Ihren Vollkornanteil auch dadurch erhöhen, dass Sie Weizenmehl mit hoher Typenzahl verwenden, statt Knuspermüsli oder Cornflakes zu Vollkorn-Fruchtmüsli oder Haferflocken greifen und bei Pasta die Vollkornvariante wählen. Sie werden sehen: Diese machen nicht nur langanhaltend satt, sondern schmecken auch toll.