Schlechteste Platzierung im Medaillenspiegel jemals

Trotz Goldrausch und Freudentränen zum Abschluss: Team D hinkt bei Paralympics hinterher

Johannes Floors sprintete über 400m zu Gold
Johannes Floors sprintete über 400m zu Gold
© dpa, Marcus Brandt, bra fdt cul

05. September 2021 - 16:04 Uhr

Top-Nationen ziehen davon

Zum Abschluss der Paralympics wurde es noch mal richtig emotional. Erst steuerte Edina Müller ihr Kanu vor den Augen ihres kleinen Sohnes Liam und ihrem Lebensgefährten Niko zu Gold, dann sprintete Lindy Ave über 400 Meter völlig überraschend ebenfalls ganz nach oben aufs Treppchen – Weltrekord inklusive. Doch so bewegend die Spiele zu Ende gingen, so ernüchternd lautet das Fazit: So weit unten im Medaillenspiegel wie in diesem Jahr landete das Team Deutschland noch nie.

Zum zweiten Mal nicht in den Top Ten

Der Goldrausch am Schluss – es war nur eine Schönheitskorrektur. Denn der Abwärtstrend setzt sich fort, die Top-Nationen ziehen davon. Mit Rang zwölf gab es im Medaillenspiegel das schlechteste Ergebnis überhaupt.

Mit nur 43 Medaillen ist das Team D mittlerweile meilenweit entfernt von den Top-Nationen, 14 Medaillen weniger als noch in Rio sammelte die deutsche Mannschaft. Die 13 Gold-, 12 Silber- und 18 Bronzemedaillen reichten nicht für die Top 10 in der Nationenwertung, deutlich kleinere Länder wie die Niederlande oder Aserbaidschan sind vorbeigezogen. Zuvor war Rang elf in Peking 2008 die schlechteste deutsche Abschlussplatzierung im Medaillenspiegel gewesen.

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Behindertensport rückt global in den Fokus

DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher zieht dennoch ein positives Fazit. "Ich finde, wir gehen sehr erfolgreich von diesen Spielen weg", sagte der Chef des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) im SID-Interview. "Die paralympische Leistungssportbewegung ist unwahrscheinlich explodiert, die Leistungsbreite ist größer geworden", begründete Beucher den anhaltenden Abwärtstrend, "auf einmal steht ein Land wie Aserbaidschan vor Deutschland im Medaillenspiegel. Mich stört das nicht." Vielmehr zeige das, so der 75-Jährige weiter, "dass die Paralympics ihren Zweck erfüllen. Behindertensport wird auch in Länder getragen, wo früher Menschen mit Behinderung am Rande der Gesellschaft versteckt waren."

Generell war Beucher froh, dass die Paralympics nicht zum "Superspreader-Event" geworden sind. Im deutschen Team gab es keinen einzigen Coronafall. "Die Leistung", sagte der DBS-Präsident, "war im Mittelpunkt und nicht das Virus". (sid/mli)