Größter Teil des Zwischenhirns

Gesundheitslexikon: Thalamus

Der Thalamus ist das zentrale Integrations-, Steuerungs- und Koordinationsorgan
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29. Januar 2020 - 14:12 Uhr

Der Thalamus: der Filter im Gehirn

Der Mensch nimmt unbewusst eine Vielzahl von Informationen über seine Sinnesorgane auf. Damit das komplexe Gehirn nicht überlastet wird, fungiert der Thalamus im Zwischenhirn als eine Art Umschaltzentrale. Er besteht aus vielen kleinen Kerngebieten. Ohne dass es uns wirklich bewusst ist, filtert er in Bruchteilen von Sekunden Unmengen an Datenimpulsen und kategorisiert diese in wichtig und unwichtig. Erst nach diesem selektiven Vorgang werden die wichtigsten Informationen an die Großhirnrinde weitergegeben und verarbeitet. Wir erklären, wo der Thalamus sitzt, wie er aufgebaut ist und wie er genau funktioniert.

Was ist der Thalamus?

Der Name Thalamus kommt aus dem Griechischen und bedeutet Schlafkammer. Er ist der größte Teil des menschlichen Zwischenhirns und in mehrere Kerngebiete, die spezifischen und unspezifischen Thalamuskerne, aufgeteilt. Der Thalamus erstreckt sich über beide Gehirnhälften, wobei er jeweils auf der gegenüberliegenden Seite der Körperhälften liegt, für die er zuständig ist. Seine Hauptaufgabe besteht darin, ankommende Informationen zuerst zu filtern und danach zu entscheiden, welche im Moment wichtig für den menschlichen Organismus sind. Dies betrifft etwa die Nahrungsaufnahme, das Schlafbedürfnis oder die Fortpflanzung. Aufgrund dieser Umschaltfunktion witd der Thalamus auch das "Tor zum Bewusstsein" genannt.

Anatomie des Thalamus

Die beiden Hälften des Thalamus sind in etwa so groß wie Taubeneier, die jeweils bohnenförmig in der Mitte des Zwischenhirns liegen. Sie grenzen sowohl an das dritte Ventrikel als auch an die Capsula interna an. Die spezifischen und unspezifischen Kerngebiete des Thalamus, von denen es etwa 100 gibt, werden auch als Nuclei bezeichnet. Die spezifischen Nuclei sind stark mit der Großhirnrinde verbunden. Sie erhalten Impulse aus den Sinnessystemen und leiten die Informationen an die Großhirnrinde (Cortex) weiter. Die unspezifischen Kerngebiete liegen wie dünne Lamellen im Inneren des Thalamus und sind nicht mit dem Cortex verbunden.

Funktion des Thalamus

Der Thalamus kann als Schaltzentrale für Motorik und Sensorik bezeichnet werden. Bevor Informationen an den Cortex weitergeleitet werden, müssen sie zunächst durch den Thalamus. Die spezifischen Nuclei filtern Informationen von den Sinnessystemen wie den Sehorganen, dem Gehör, der Haut, der Muskeln, der Gelenke und dem Geruchssinn sowie den Geschmacksorganen, die über die Nervenzellen an den Thalamus geschickt werden. Bevor diese Informationen an den Cortex weitergegeben werden, wird entschieden, welche davon am wichtigsten sind. Das Filtern der unwichtigen von den wichtigen Daten wird von den unspezifischen Nuclei übernommen, die mit anderen Hirnbereichen interagieren.

Thalamus: Wichtigste Erkrankungen

Wird die Funktionsweise des Thalamus beeinträchtigt, werden Störungen auf der entgegengesetzten Körperseite wahrgenommen. Dies kann bereits durch eine kleine Läsion geschehen, wobei es zu Problemen bei der Bewegungskoordination kommt (Ataxie). Eine weitere Erkrankung ist die Hemiparese. Die häufigste Ursache für diese Schädigung des Thalamus stellt ein Schlaganfall dar, der zu einer halbseitigen Lähmung führen kann. Zudem kann es zu einem halbseitigen Gesichtsfeldausfall kommen, der zu Störungen des Bewusstseins führt. Gehirntumore, Multiple Sklerose, Schädel-Hirn-Traumata oder Gehirnentzündungen aufgrund von Infektionen durch Bakterien oder Viren können ebenfalls zu einer Beeinträchtigung des Thalamus führen.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.