So kommen Kids heil zu Schule, Hobby und Freunden

Die besten Sicherheits-Tipps für Kinder im Straßenverkehr

Der Schulweg ist für die Kinder nicht einfacher geworden mit Elektroautos, E-Bikes und motorisierten Scootern.
Der Schulweg ist für die Kinder nicht einfacher geworden mit Elektroautos, E-Bikes und motorisierten Scootern.
VIKTOR CAP, Viktor Cap 2013 (Viktor Cap 2013 (Photographer) - [None]

Sicher unterwegs: Machen Sie Ihre Kinder fit fürs Verkehrs-Chaos!

Der Verkehr in Deutschland wird immer dichter und immer komplizierter. Immer mehr Fahrzeuge und immer mehr neue Fahrzeugtypen sind unterwegs: schnelle E-Bikes, lautlose E-Autos oder Elektroscooter – dabei sind schon die normalen Kraftfahrzeuge eine echte Herausforderung für Kinder, die allein unterwegs sind. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Ihr Kind fit für den Straßenverkehr machen.

Alle 19 Minuten kommt in Deutschand ein Kind im Verkehr zu Schaden

Die Polizei beschwert sich über sogenannte „Elterntaxis“ – meist große Kraftfahrzeuge, mit denen Eltern ihre Kinder an Kita und Schule abladen – möglichst so, dass ihr Nachwuchs nicht mehr als ein paar Schrittchen laufen muss, in der Hoffnung, so die Unfallgefahr zu minimieren. Das ist im Grunde verständlich. Doch gerade diese motorisierten Kindertransporte machen es den anderen jungen Verkehrsteilnehmern schwer, ihren Schulweg allein zu bewältigen. Sogar, wenn sie nur wenige Meter weit entfernt wohnen.

Den Schulweg mit Erstklässlern immer wieder üben - das sorgt für Sicherheit im Verkehr
Den Schulweg mit Erstklässlern immer wieder üben - das sorgt für Sicherheit im Verkehr.
DANIEL JEDZURA, Daniel Jedzura kontakt@mdfotografia.pl (Daniel Jedzura kontakt@mdfotografia.pl (Photographer) - [None]

Denn es wird immer voller auf den Straßen. Im Jahr 2020 erreichten die Anzahl der zugelassenen Wagen und der ausgestellten Führerscheine in Deutschland laut statista.com ein Rekordhoch. Auch wenn es deutlich weniger Unfalltote als in 20. Jahrhundert gibt, wurden im Jahr 2019 doch 28.000 Kinder unter 15 Jahren bei Verkehrsunfällen verletzt. 55 Kinder starben (Vorjahr: 79) bei Unfällen im Straßenverkehr (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Alle 19 Minuten kommt also auf deutschen Straßen ein Kind zu Schaden. Dabei verunglücken die Kinder nicht nur als Mitfahrer im Auto – schätzungsweise ein Drittel –, sondern auch häufig als Radfahrer, Rollerfahrer oder Fußgänger. In den meisten Fällen sind sie auch gar nicht die Unfallverursacher, sondern einfach das schwächste Glied.

Wie also können wir Kinder fit machen für den Straßenverkehr? Ihnen zeigen, wie sie in der oft unübersichtlichen Situation auf der Straße den Überblick behalten, während aus verschiedenen Richtungen zum Teil ungewohnte Gefährte wie Lastenräder mit Elektroantrieb oder E-Scooter entgegenkommen? Hier sind unsere Tipps:

So machen Sie Ihr Kind fit für den Straßenverkehr

Übung macht den Meister

Trainieren Sie den Schulweg oder den Weg zum Bäcker mit Ihrem Kind und besprechen Sie die Gefahrenstellen ausführlich. Machen Sie vor, wie man sie meistert. Bevor Sie Ihr Kind allein losziehen lassen, können Sie den Spieß umdrehen. Diesmal weist das Kind Sie darauf hin, wo Sie aufpassen müssen und macht es Ihnen hoffentlich richtig vor. Kinder lieben es, in die Rolle von Erwachsenen zu schlüpfen. Aber am Ende das Loben nicht vergessen! Wenn Sie Ihr Kind die ersten Male den Weg allein gehen lassen, können Sie heimlich im Sicherheitsabstand folgen und sich so vergewissern, ob es auch ohne die Hilfe der Großen geht.

Auf Augenhöhe den Verkehr erklären: So sieht man als Eltern, was das Kind sieht
Auf Augenhöhe den Verkehr erklären: So sieht man als Eltern, was das Kind sieht.
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Auf Augenhöhe erklären

Wissen Sie eigentlich, was Ihr Kind sieht, wenn es an der Bordsteinkante wartet? Sicher nicht. Denn seine Augen sind vermutlich auf Ihrer Gürtel- oder Brusthöhe. Und da sieht die Welt ganz anders aus. Deshalb haben Kindergarten- und Grundschulkinder oft keinen Überblick im Verkehr. Hocken Sie sich neben Ihr Kind und helfen Sie ihm, die Lage einzuschätzen – aus seiner Perspektive.

Verstecken ist nicht – die große Gefahr der parkenden Autos

Kindern ist nicht bewusst, wo sie gesehen werden und wo nicht, zum Beispiel wenn sie zwischen parkenden Autos hervorstürmen. Zeigen Sie Ihrem Kind, wo es am besten über die Straße kommt. Tauschen Sie auch hier wieder die Rollen und üben Sie in einer verkehrsberuhigten Zone. Sie verstecken sich zwischen zwei parkenden Autos und springen hervor, wenn Ihr Kind vorbeikommt. So verstehen Kinder besser, wie unsichtbar sie sein können im Verkehr.

Zwischen parkenden Autos werden Kinder am schlechtesten gesehen
Such das Kind: Zwischen parkenden Autos werden Kinder am schlechtesten gesehen.
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Die Nummer mit der Mütze und der Bordsteinkante

Noch eine praktische Übung vom Verkehrspolizisten: Sagen Sie den Kids, sie sollen am Bordstein warten und gucken, ob ein Auto kommt. Höchstwahrscheinlich werden die Kinder alle auf der Kante herumwibbeln und den Kopf weit rausstrecken. Viel zu gefährlich! Wenn sie das Gleichgewicht verlieren oder sich nur einen Zentimeter zu weit vorbeugen, können sie von einem Seitenspiegel umgenietet werden. Der ragt nämlich bei vielen Fahrzeugen über die Bordsteinkante, selbst wenn die Räder vorschriftsmäßig auf der Fahrbahn sind.

Um es den Kids zu verdeutlichen, gehen Sie mit ausgestrecktem Arm mit einer Mütze oder einem weichen Ball in der Hand an den Kindern vorbei – und zwar mit dem Gegenstand genau überder Bordsteinkante. Die Kinder bekommen dann zwar nicht den Außenspiegel ins Gesicht, sondern zum Glück nur etwas Weiches. Aber so bleibt es bei vielen Kindern hängen, dass sie hinterund nicht auf der Bordsteinkante warten müssen.

Einschätzen, wie schnell die Anderen sind

Eine Studie der Royal Holloway University of London hat ergeben, dass Kinder unter elf Jahren bei Fahrzeugen mit mehr als 30 km/h die Geschwindigkeit nicht einschätzen können. Zum Vergleich: Bei Erwachsenen sind es 80 km/h. Erst mit etwa neun Jahren wissen Kinder, dass der Laster nicht näher dran ist, nur weil er größer ist. Das spricht natürlich für Tempo 30 in geschlossenen Ortschaften – und fürs Überqueren der Straße an Ampeln. Doch so sieht es in der Realität leider nicht immer aus.

Da helfen nur kleine Tricks: Den Kids klar machen, dass sie lieber länger warten, bis keiner mehr angesaust kommt. Oder dass es hilft, wenn man sich einen Punkt in der Ferne merkt und langsam zählt, wie lange das Auto braucht, bis es an uns vorbeifährt. Wenn man das mit ein paar Autos gemacht hat, weiß man, wie schnell sie ungefähr auf unserer Höhe sind. Fürs gemütliche Überqueren einer zweispurigen Straße braucht ein Grundschulkind in der Regel sieben Sekunden. Bis dahin können Erstklässler zählen.

Warnweste an und lieber Roller als Fahrrad: So sind kinder unterwegs sicher
Warnweste an und lieber Roller als Fahrrad: So sind Kinder unterwegs sicher.
Dieter Hawlan, Dieter Hawlan (Dieter Hawlan (Photographer) - [None]

Handzeichen am Zebrastreifen

Hat Ihnen schon mal ein kreuzendes Kind am Zebrastreifen fest in die Augen gesehen und ist dann mit Ihnen am entgegen gestrecktem Arm rübergegangen? Dieses Kind war in der Verkehrserziehung und weiß: Viele Autofahrer sehen den gestreiften Übergang höchstens als Empfehlung – und zwar für die anderen. Üben Sie mit den Kindern auf sich aufmerksam zu machen und es den Autofahrern mit Blickkontakt schwer zu machen, jetzt noch aufs Gas zu treten.

Wiederholung macht es Kindern leichter

Gehen Sie am besten immer den gleichen Weg, schleifen Sie Automatismen ein: Immer an der gleichen Stelle über die Straße gehen, am besten an einer Ampel. Machen Sie ein Ritual daraus. Farbe checken. Oh, Rot! Knopf drücken, warten. Wenn’s grün leuchtet, unbedingt schauen, ob die Autos auch wirklich stehen. Sie ahnen gar nicht, wie viele Autofahrer bei Rot noch drüberbrausen, selbst wenn I-Dötzchen an der Ampel warten. Oder bei Rot noch über die Fußgängerampel stapfen. Machen Sie die Kinder auf dieses Fehlverhalten aufmerksam. Immer mit dem Hinweis: bitte nicht nachmachen! So begreifen die Kids, dass auch Große dumm sein können und man besser selbst mit aufpasst. Und Kinder lieben es, wenn sie mal die Erwachsenen belehren können mit Sprüchlein wie „Rotgänger – Totgänger! Grüngänger leben länger!“

Helle Kleidung, Helm, altersgerechtes Fahrzeug

Je sichtbarer Ihr Kind ist, desto besser. Nicht nur, wenn es doch mal zwischen parkenden Fahrzeugen hervorspringt, sondern gerade auch im Winter, wenn die Kinder morgens noch im Dunkeln losmüssen. Also: Warnweste an, Helm auf, am besten mit Blinklicht und auf verkehrssichere Fahrzeuge setzen – kein Scooter oder Rad ohne Licht und Reflektoren.

Und suchen Sie das Gefährt passend zum Alter Ihres Kindes aus! Fahrradfahren ohne Elternbegleitung wird erst ab der 3., besser sogar ab der 4. Klasse empfohlen, weil die Kids auch in diesem Alter komplexe Verkehrssituationen noch nicht einschätzen können. Schon gar nicht, wenn sie selbst „hoch zu Rad“ und mit einer gewissen Geschwindigkeit unterwegs sind. Erstklässler gehen am besten noch zu Fuß, vor allem, wenn sie schon allein unterwegs sind. Etwas erfahrenere kleine Verkehrsteilnehmer dürfen auch rollern – wenn das Gefährt nicht zu schnell und so gebaut ist, dass es gut über Bordsteinkanten kommt. Bei Nässe und Glätte bleibt der Scooter besser daheim!

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Last but not least: Immer mit guten Vorbild vorangehen!

Die beste Verkehrserziehung nutzt nichts, wenn Sie selbst mit dem Auto jede rosafarbene Ampel grillen oder bei dunkelroter Fußgängerampel noch rüberhuschen. Kinder sehen alles und vergessen nichts. Und Siesind Ihr Vorbild. Und wenn Ihre Kinder Sie gerade nicht begleiten oder Sie keine Kinder haben, machen Sie es trotzdem nicht: Sie könnten den Kids der anderen ein schlechtes Vorbild sein.