„M wie Michael.“
Immer leichter geht ihm sein Name über die Lippen. Doch das kostet ihn Überwindung. Michael ist 23 und stottert, seit er 6 Jahre alt ist.
OT Michael Kleid, Patient
„In der Grundschule da wurden die anderen Kinder auch drauf aufmerksam und die haben dann immer wegen meinen Sprechblockaden und Hindernissen angefangen zu kichern.“
Heute ist Michael KFZ-Mechatroniker und gehört zu den 375.000 Menschen in Hessen, die von der Sprechstörung betroffen sind. Dass das Stottern von allein weg geht, also eine so genannte Spontanremission, kommt nur bei Kindern vor - häufiger bei Mädchen. Männer sind fünf Mal öfter vom Stottern betroffen als Frauen, erklärt uns Therapeutin Emilia Rudolph.
OT Emilia Rudolph, Therapeutin
„Es wird ein Teil davon über die Vererbung erklärt, weil das ganze x chromosomal vererbt wird. Aber das erklärt es nur ein Stück weit. So ganz genau weiß man es einfach nicht.“
Neben erblichen Faktoren kann Stottern auch neurologische oder psychosoziale Ursachen haben. Alltagssituationen werden für die Betroffenen zu einer großen Herausforderung.
OT Michael Kleid, Patient
„Wenn ich morgens Brötchen kaufen gehe für mich und meine Freundin, da fällt’s mir manchmal schwer, beim Bäcker genau das zu erwähnen, was ich gerne haben möchte.“
Hier setzt die Kasseler Stottertherapie an. Ihr Ziel: Flüssigeres Sprechen und langfristiger Erfolg, um Alltagssituationen wie beispielsweise die beim Bäcker zu meistern.
OT Therapeutin Emilia Rudolph
„Bei uns lernt man eine neue Sprechweise. Wwwwir nennen das wwweiches und gebundenes Sprechen. Und wwwenn man das benutzt, dann hat man Kontrolle übers Sprechen.“
Dafür absolviert Michael ein zweiwöchiges Intensivtraining hier in Bad Emstal. Im Vergleich zu anderen Therapien üben die Klienten jeden Tag mehrere Stunden. Das Besondere der Kasseler Therapie ist auch, dass Michael mit anderen Betroffenen zusammen ist. Denn das Stottern bringt vor allem eines mit sich: Angst vor Kommunikation. Und die lässt sich in der Gruppe viel leichter überwinden als in einer Einzeltherapie.
OT Therapeutin Emilia Rudolph
„Das tut einfach den Leuten super gut, das von anderen zu hören. Wie es denen geht damit, was haben die für Erfahrungen gemacht, was sind deren Probleme. Alleine auch das Gefühl zu haben, ich bin nicht alleine damit auf der Welt. Es gibt andere, denen geht es auch so. Die Erfahrung machen manche hier zum ersten Mal und empfinden das als sehr sehr wertvoll.“
Doch Michael muss sich das weiche Sprechen auch selbstständig aneignen. Dazu hat die Kasseler Stottertherapie eine eigene Software entwickelt: flunatic. Mit ihr trainiert Michael das weiche Sprechen. Wie gut das klappt, zeigt ihm diese Kurve an:
Freistand, Michael vor seinem Laptop:
„Oooooooh“. „Sieht man jetzt in dem Beispiel. Ich hab keinen weichen Einstieg geschafft, sondern sehr abrupt.“
Freistand: „Oooooooohhh“ (Kurve ist zweimal hintereinander grau.)
Auf diese Weise übt er jetzt täglich – auch wenn die zwei Wochen vorbei sind. Ein Jahr lang begleiten ihn seine Therapeuten dabei. Wichtig ist für Michael: Dranbleiben. Immer wieder sprechen, vor allem mit anderen Menschen - das ist der Schlüssel zum Erfolg.
OT Michael:
„Das gehört jetzt zum Leben dazu. Ich sag mir immer, andere haben auch ein Päckchen zu tragen. (Blitz) Gut, in der Therapie kriegt man auch suggeriert, dass es keine Heilung gibt, aber es gibt einen Lösungsprozess.“
In diesem ist er schon jetzt einen großen Schritt weiter. In einem Monat folgt dann der erste von drei Auffrischungskursen: Die nächste Herausforderung für Michael – und für die hat er hier in Bad Emstal ein starkes Team an seiner Seite.