Michael C. ist schuldunfähig - entscheiden die Richter am Landgericht Lübeck. Er ist krankhaft schizophren und muss auf unbestimmte Zeit in die Psychiatrie.
September 2023: Ermittler transportieren Renatte B.s Leiche aus diesem Lübecker Mehrfamilienhaus. Schon in den Tagen zuvor fürchtet sie um ihr Leben, weil sie von ihrem Sohn verprügelt wurde. Bei der Tat geht er äußert brutal vor.
"beginnend mit Schlägen und Tritten und dann auch noch unter massivem Einsatz einer schweren Hantelscheibe, mit der er ihr insbesondere das Gesicht zertrümmert haben soll."
Schon mehrfach saß der 25-Jährige in der Psychiatrie - "wegen Eigen- und Fremdgefährdung". Doch am Tag vor der Tat wird er entlassen, weil laut Ärzten keine Gefahr mehr vom ihm ausging. Eine Fehleinschätzung. In Todesangst geht die Mutter zweimal zur Polizei und ruft insgesamt 14 Mal den Notruf. Doch die Beamten wirken genervt, wie Notrufprotokolle belegen, die dem Magazin Stern exklusiv vorliegen.
"Sie haben ja schon 20 Mal hier angerufen. Worum geht's jetzt?
"...Er sucht mich. Mein Leben ist bedroht. Können Sie mich wo unterbringen bitte."
"Nö."
Die Polizei teilt auf RTL-Anfrage mit: Im Verlauf...
"...ergaben sich jedoch keine Hinweise auf eine veränderte Gefahrenlage. Es sind mit Frau B. jeweils verschiedene Hilfsangebote erörtert worden..."
Im Prozess gesteht Michael C. die Tat. Sagt: Er fühlte sich verfolgt, dachte, seine Mutter wollte ihn vergiften. Gegen die Klinik, die Michael C. entließ, ermittelt nun die Staatsanwaltschaft. Gegen die Polizei nicht.