Wenn Vulkanologin Michelle Parks den Kratersee Viti in Island aufsucht, ist höchste Vorsicht geboten: Hier tritt jede Menge Kohlendioxid auf und ohne Messung weiß man nie, wie groß die Gefahr ist.
Seit 1961 blieb der Vulkan Askja ruhig. Doch im Jahr 2021 stellten Parks und andere Wissenschaftler schockiert fest, dass er sich innerhalb weniger Monate um 11 Zentimeter gehoben hatte.
Dieses Phänomen wird Inflation genannt und tritt auf, wenn sich Magma oder unter Druck stehende Gase unter einem Vulkan ansammeln und den Boden nach oben und nach außen drücken.
Ein Ausbruch könnte katastrophale Folgen haben. Askja ist zu einer Eruption fähig, so stark wie 25.000 Atombomben vom Typ Hiroshima.
Um die Situation genau zu überwachen, untersuchen die Wissenschaftler deswegen Temperatur und Säuregehalt des Kratersees regelmäßig.
Ein Anstieg der Werte würde auf ein verstärktes Eindringen von Gasen aus dem Untergrund hindeuten und damit auf die erhöhte Wahrscheinlichkeit eines Ausbruchs. Derzeit sind diese Werte stabil.
Aber die Wissenschaftler bleiben wachsam. Denn sie verfolgen eine Theorie, die fatale Folgen für Island haben könnte: Der Rückzug der Gletscher durch den Klimawandel verstärkt die vulkanische Aktivität.
Denn das Gewicht der Gletscher drückt die Erdkruste nach unten und hält die Vulkane im Zaum. Schmilzt das Eis, wird der Druck geringer, die Erdkruste hebt sich und es kann mehr Magma produziert werden.
Die Theorie wird durch historische Daten aus Island gestützt. Nach der letzten Eiszeit, als die Gletscher in Island schmolzen, kam es zu einer deutlich erhöhten Anzahl von Vulkanausbrüchen.
Vorläufige Ergebnisse des Forschungsprojekts zeigen, dass unter Island aktuell zwei- bis dreimal so viel Magma produziert wird, wie es ohne den Eisverlust der Fall wäre.