Das solltet ihr vorher unbedingt machen!Freunden Geld leihen – ist das eine gute Idee?

Nahaufnahme der Hände: Eine Frau gibt einer anderen Frau vier 50-Euro-Scheine.
Freunden finanziell aus der Patsche helfen: Ja oder nein?
Getty Images/Kate Wieser

Beim Geld hört die Freundschaft auf!
Diesen Spruch gibt es wohl nicht ohne Grund. Aber sollte man Freunden, die in der Patsche stecken, nicht grundsätzlich helfen? Welche Risiken gibt es, wenn wir ihnen Geld leihen – und wie können wir dafür sorgen, dass die Freundschaft nicht darunter leidet?

Freund oder Freundin bittet euch um Geld? Diese Fragen solltet ihr euch VORHER stellen

Honorarberaterin Anica Schulz erklärt im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur: „Wir projizieren viele Dinge auf Geld und das Gleiche gilt dann auch für Schulden.“ Würde ich mich ausgenutzt fühlen, wenn ich der Freundin oder dem Freund finanziell aushelfe – und diese Person zahlt das Geld dann einfach nicht zurück? Oder wäre es mir unangenehm, sie irgendwann an ihre Schulden zu erinnern? „Solche Fragen sollte ich mir auf jeden Fall stellen, bevor ich jemandem privat Geld leihe.“ Man solle darum auch nur eine Summe verleihen, deren Verlust im Ernstfall finanziell verschmerzbar wäre.

Auch Wolfgang Krüger gibt zu bedenken: Geld zählt in Deutschland immer noch zu den größten Tabuthemen. „Wenn ich einem Freund ein Buch oder einen Regenschirm leihe, habe ich kein Problem, danach zu fragen, ob ich die Dinge zurückhaben kann. Bei Geld aber sieht das ganz anders aus“, so der Psychotherapeut und Betriebswirt. Hinzu kommt: Die Person hat möglicherweise ein ganz anderes Verhältnis zu Geld als man selbst. Krüger rät, sich zunächst folgende Fragen zu stellen: „Erscheint sie mir kreditwürdig, welche Art von Umgang pflegt sie mit Geld und passt dieser zu meiner eigenen Geldeinstellung?“

Jörn Valldorf, Mediator und Sprecher beim Bundesverband Mediation, zählt die wichtigsten Faktoren für das Darlehen auf: Höhe, Anlass und Zeitraum. „Mir persönlich wäre es immer wichtig zu wissen, wofür genau das Geld ist und wann ich es wiedersehe.“

Lese-Tipp: Wusstet ihr’s? Diese Promis sind dicke Freunde!

Verträge unter Freunden? Ja, unbedingt!

„Wenn Freunde oder Familie einen nach Geld fragen, will man eigentlich großzügig sein, weil man in einer emotionalen Beziehung zueinander steht“, so Krüger. Doch ein Darlehen kann diese Beziehung stark belasten, da die Freundschaft quasi ein Preisschild bekommt.

„Das rührt aber vor allem daher, dass das Geldleihen oft als Freundschaftsdienst verstanden wird“, ordnet Anica Schulz ein. Doch auch unter Freunden sei das vielmehr eine Geschäftsbeziehung. „Um das von vorneherein klarzumachen, steckt man sich das Geld nicht einfach so zu, sondern regelt möglichst schriftlich, um welche Summe es geht und bis wann diese zurückgezahlt wird“, so Schulz. Auf diese Weise verhindert man später auch, dass die Freundschaft infrage gestellt wird, nur weil es geschäftlich Konflikte gibt.

Krüger würde bei größeren Summen auch so weit gehen, Zinsen dafür zu vereinbaren. „Denn wenn ich einem Freund vor 20 Jahren Geld geliehen habe, damit er sich eine Wohnung kaufen kann, dann hat er damit heute Geld verdient. Bekomme ich selbst aber nur die Summe von damals zurück, bedeutet das einen ordentlichen Verlust für mich.“

Privater Darlehensvertrag: Das muss rein

Wie die Sparkasse erklärt, braucht ihr für einen Freundschaftskredit keine Anwältin oder einen Notar. Diese Punkte solltet ihr in euren privaten Darlehensvertrag schreiben:

  • Namen und Adressen der Vertragspartner

  • Datum des Vertragsabschlusses

  • Höhe des Kreditbetrags

  • Datum der Auszahlung

  • Regelung zur Rückzahlung (zum Beispiel monatliche Raten)

  • gegebenenfalls Regelung eines Zinssatzes

  • eventuelle Sicherheiten

  • Unterschriften der Vertragspartner

Und wenn das Geld nicht zurückgezahlt wird?

Das Schriftstück ist aufgesetzt, der späteste Zeitpunkt für die Rückzahlung steht fest – und trotzdem seht ihr kein Geld? Viele scheuen sich, den Konflikt, der daraus entsteht, bei ihren Liebsten anzusprechen. „Deshalb lieber nichts zu sagen, ist aber auch keine Lösung, weil der Konflikt ja unausgesprochen trotzdem besteht”, sagt Jörn Valldorf. Er rät: Beziehungs- und Sachebene klar trennen. „Dazu sollte ich nicht zu fordernd oder vorwurfsvoll oder persönlich enttäuscht auftreten, sondern möglichst neutral die Fakten wiedergeben: Ich habe dir Summe X geliehen, du hast sie nicht wie vereinbart zurückgezahlt.”

Wichtig sind Anica Schulz zufolge dabei klare Ich-Botschaften, bei denen man auch sagt, warum man das Geld jetzt wiederhaben möchte und den anderen fragt, woran es liegt, dass die Zahlung noch aussteht. „Danach kann man sich auch darüber unterhalten, wie sich das für die jeweilige Seite anfühlt, dass die Schulden nicht beglichen werden und dann gemeinsam nach einer Lösung suchen.” Am besten hält man dann auch diese Lösung wieder schriftlich in einem Rückzahlungsplan fest. Gerät der Schuldner dann erneut in Verzug, gibt es eine klare Grundlage für ein erneutes Gespräch.

Werden auf der anderen Seite die Schotten dicht gemacht und fehlt die Bereitschaft, sich fair darüber auszutauschen, dann würden auch grundlegende Werte der Freundschaft wie Vertrauen und Wertschätzung des anderen missachtet, so Wolfgang Krüger.

Lese-Tipp: Tun sie euch wirklich gut? So entlarvt ihr toxische Freundschaften!

Schulden einfach erlassen? Warum das problematisch sein kann

Wenn man das Geld selbst nicht dringend braucht, liegt es nahe, dem Freund die Schulden stillschweigend zu erlassen – auch aus Sorge davor, dass der Konflikt die Freundschaft belasten könnte. „Wenn ich ein solches Geschenk plane, sollte ich es aber unbedingt offen ansprechen”, sagt Jörn Valldorf. Erlasse man die Schulden stillschweigend, schwele die Sorge um die Rückzahlung beim Gegenüber ja weiter.

„Außerdem sollte ich dem Schuldner die Chance geben, sich zu überlegen, ob er das Geschenk überhaupt annehmen möchte”, so Valldorf. Denn es könne auch sehr belastend sein, wenn sich danach jemand stets in der Schuld eines Freundes wähnt. Womöglich könne dieser dann denken, er „sei nun einen Gefallen oder ewige Freundschaft schuldig”, so Schulz.

Bevor Betroffene aber eine solche Entscheidung treffen, sollten sie unbedingt sicherstellen, dass es ihre eigene finanzielle Stabilität nicht in Gefahr bringt, wenn sie die Schulden erlassen, rät Honorarberaterin Schulz. (rka)

Verwendete Quelle: dpa, sparkasse.de