Invasion auf vier Pfoten: Waschbären-Alarm in Deutschland ‒ was wir gegen die Plage tun können
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Sie kommen in der Nacht! Waschbären breiten sich in Deutschland immer mehr aus. In einigen Städten wie Kassel haben sie sich bereits zu einer Plage entwickelt und Millionenschäden verursacht. Denn der Waschbär wird immer mehr zum Problembär. Gefühlt nichts hilft gegen die Invasion auf vier Pfoten. Wir haben Waschbären-Jäger bei ihrer Arbeit begleitet ‒ eine Geschichte über ungebetene Untermieter und verzweifelte Anwohner!
Sie kommen in der Nacht. Für viele Mieter werden sie zum unerwünschten Mitbewohner!
Waschbären breiten sich immer mehr aus und sorgen aktuell für Schlagzeilen!
Monika Hoth aus Berlin kämpft seit Monaten gegen Waschbären in ihrem Haus.
„Ich werde dreimal in der Nacht mitten aus dem Tiefschlaf gerissen. ich bin am Limit“
Die angerichteten Schäden gehen in die Millionen!
„Ich gehe davon aus, dass es im hohen 6stelligen wenn nicht schon 7stelligen Bereich ist!“
Berlin Wannsee vor wenigen Tagen - ein idyllischer, ruhiger Wohnort. Hier fühlen sich nicht nur Menschen wohl. Man hört Vogelgezwitscher und Waschbären! Mit dem Handy aufgenommen, von Anwohnerin Monika Hoth, sobald die Tiere im Dachstuhl aktiv sind.
„Und das ist jetzt nur ein Tier wir wissen nicht wie viele Tiere das sind insgesamt sind“
Seit letztem Sommer sorgen die Waschbären im Haus der Rentnerin für Aufruhr, wie diese Videos zeigen.
Die 73-Jährige ist verzweifelt, weil sie wegen der Tiere nicht mehr schlafen kann: DIE haben sich im Dachstuhl direkt über ihrem Schlafzimmer eingenistet.
„Also das ist der eigentliche Tatort genau in dieser Schräge, das heißt 30 cm von meinem Kopf entfernt – so dass ich die Geräusche hautnah erleben muss“
Monika Hoth vermutet sogar ein ganzes Waschbär-Nest hinter der Wand!
„Sie sind jede Nacht hier, sie sind ja nachtaktiv“
Bekanntschaft mit den Waschbären hat sie das erste Mal nachts auf ihrem Balkon gemacht:
OT Situativ Monika Hoth:
„…und das stört sie überhaupt nicht, wenn ich hier auf dem Balkon stehe. Ich habe mich hingestellt und auch Geräusche gemacht und habe die auch angefaucht aber sie haben sich nicht beirren lassen!“
Videos und Fotos dokumentieren, wie die Tiere immer wieder die Blumen der Seniorin auf dem Balkon zerpflückt haben.
Dieses Netz am Balkon soll sie jetzt davon abhalten.
Monika Hoth will endlich wieder in Ruhe schlafen und hat deswegen Waschbär-Beraterin Carolin Weh beauftragt ihr zu helfen:
„Wenn ich mir jetzt das erste Fallrohr angucke irgendwas wurde da schon mal ausprobiert mit diesen sogenannten Marder-Abwehrgürteln?“
Frau Hoth: ja, richtig – ok – die haben nicht zum Erfolg gefühlt“
Frau Weh: „Ne die funktionieren nicht, die bringen nichts gegen Waschbären!“
„Das macht man halt nicht mit so Pikern sondern das macht man mit einem Metall oder Kunststoffblech … sie müssen sich vorstellen Waschbären klettern Fallrohre wie Menschen Palmen klettern – das heißt die umfassen das Fallrohr mit ihren Vorderpfoten und drücken sich mit Hinterpfoten hoch.“
Diese Stacheln sind also für einen Waschbären kein Hindernis – sie können sich daran sogar noch besser hochziehen.
„und das ist auf jeden Fall der Hauptaufstieg weil sie sehen das an den Drecksspuren an der Fassade sehr sehr deutlich da ist tatsächlich die Hinterpfoten die er an der Wand ansteckt - das wäre der Ort wo ich eine Wildtier Kamera installieren würde weil diesen Weg geht der Waschbär“
Carolin Weh installiert jetzt eine Wildtier-Kamera, um herauszufinden, ob es sich bei dem Waschbären um ein Muttertier handelt und wirklich ein Nest mit Welpen im Dach ist…
Doch nicht nur in Berlin – auch in anderen Städten sind Waschbären auf dem Vormarsch – Schätzungen zu Folge leben mittlerweile bis zu 2 Millionen von ihnen in Deutschland.
Die Waschbären-Hauptstadt ist Kassel.
Auch hier sind wir vor einigen Tages unterwegs – In einem Park mitten in der Stadt sehen wir etliche Tiere. Für viele Kassler gehören Waschbären mittlerweile zum Alltag! Deswegen ist ER mittlerweile im Dauereinsatz: Alexander Knauf ist Waschbär-Jäger.
Alleine heute Nachmittag hat er 8 Termine.
Seine Tour beginnt um 12 Uhr.
Wir begleiten ihn!
„Jetzt hatte sich ein älterer Herr bei mir gemeldet da hatte die Falle zugeschlagen und da müssen wir jetzt mal schauen was da drinne ist
Angekommen, überprüft der Waschbär Jäger die Lebendfalle … ist ein Waschbär hinein getappt?Fehlalarm! Nur eine Katze!
Bei Rentner Paul Schmaling sind die Waschbären im Dach der Garage. Er zeigt uns die bisherigen Schäden an der Decke.
„Die machen hier ihr Quartier die hecken und zerstören…“
Es gibt ein weiteres Problem! Auch im Garagen-Anbau sind die Waschbären im Dach eingezogen. Hier hat der Rentner seine geliebte Kunstsammlung.
Jäger: „Wir haben jetzt hier die Problematik… dass langsam die Dämmung nach unten kommt und dann zieht auch Kot und Urin hier rein!“
Geschätzte Kosten für den Schaden: Bis zu 10.000 Euro!
Alexander Knauf legt jetzt wieder den Köder aus – seine Geheimwaffe: Honig!
„So neu beködert ist jetzt und dann warten wir bis der Waschbär drin ist! – Gut“
Um Schäden im Dach zu vermeiden, müssen die Tiere möglichst schnell eingefangen werden! Das versucht der Jäger auch bei seinem nächsten Termin: Die Mieter dieses Hauses haben wohl einen Waschbären auf dem Dachboden …
Er geht mit Fallen rein –bis zur Treppe –
„ist die Luke schon auf?“
…. Stöhnt… ja ich bin oben!“
Hier im Dachgeschoss wollen die Mieter den Waschbären gehört haben…
Zuerst sucht der 36-Jährige nach Spuren:
„Ah ! Das ist nur ein bisschen Kot, dadrinnen haben wir noch mehr.
Da haben wir ein kleines Loch! Aber ist tatsächlich nicht ganz so ein Schaden. Die graben sich dann hier durch, da sieht man auch überall die Kratzspuren und das ist halt so das Anfangsstadium“
Deshalb stellt Alexander Knauf hier seine Falle auf. Momentan ist kein Waschbär zu sehen.
„Es kann sein, dass er hier in den Zwischendecken oder in den schrägen liegt und seinen tagesschlaf hält – wenn wir ihn nicht schon geweckt haben. Im schlimmsten Fall kann es halt passieren, dass er angreift, weil er sich bedrängt fühlt“
Jetzt legt er den Köder für die Falle aus:
„In dem dem falle verwende ich ein industrielles Lockmittel das auch Geruchs Basis läuft gleichzeitig habe ich die falle so gestellt dass wenn er aus dem loch rausläuft direkt in die Falle läuft - das kommt jetzt auf das Brett, so dass es wenn es interessant reicht und er das schnuppert er auch darauf geht um dann das ganze auszulösen – bei der hier habe ich einen elektronischen Melder dran der mir Bescheid gibt’s aufs Handy per App wenn die falle auslöst“
Aktuell hat der Jäger 19 dieser Waschbär-Fallen im Einsatz!
Es ist 16 Uhr – Alexander Knauf muss weiter.
Sein nächster Auftrag: Diese Gewerbehalle! Hier haben die Waschbären bisher den größten Schaden angerichtet – Deshalb musste der Experte auch schon mehrmals anrücken:
„Tja das sind dann halt so Löcher – oder so - oder dahinten… oh das ist neu das da, wo die Rinne runter kommt –das ist auch neu das Stück das war das letzte Mal auch noch nicht“
„Hier kann man jetzt konkret sehen wie die Waschbären durch die Dämmung und durch die Decke dann durchgebrochen sind an mehreren Stellen und haben sich da die dämmrolle rausgerissen die Decke verkotet und dann ist das ganze runter gekommen“
Hier waren die Tiere vermutlich schon mehrere Monate aktiv, bevor der Experte eingeschaltet wurde. Das alles zu reparieren sei richtig teuer, sagt Alexander Knauf:
„Das ist jetzt nur ein Hallenteil – drüben die Halle ist ja auch noch betroffen – ich gehe davon aus, dass es im hohen 6-stelligen wenn nicht schon 7-stelligen Bereich ist wenn es darum geht alles zu demontieren und zu entsorgen und neu zu bauen und das Dach müsste mit einer komplett neuen Folie eingedeckt werden“
Drei Waschbären hat Alexander Knauf hier mittlerweile schon einfangen können, aber das sind noch längst nicht alle. Mit der Falle auf dem Dach, hofft er auch die anderen zu erwischen.
Um 18 Uhr macht sich der Waschbär Jäger auf dem Weg zu seinem letzten Termin: Haus-Eigentümerin Katrin Linsing hat ihn gerufen, weil ihre Mieter in der obersten Etage sich wegen lauten Geräuschen in der Nacht beschwert haben! Auch hier ist der Grund wohl ein Waschbär:
„Er nimmt den halben Dachstuhl auseinander der ist überall sie haben auch Angst dass er irgendwann in der Wohnung ist, die haben 2 Katzen die oben durchdrehen wenn der Waschbär oben da rum kratzt - daraufhin haben wir eigenständig Waschbär Schutz an den Regenrinnen installiert damit der Waschbär nicht mehr hochkommt… aber nach 2 Tagen war er wieder auf dem Dach!“
Wie der Waschbär ins Dach kommt, haben die Mieter Ivan und Laura schon rausgefunden:
„Wenn man jetzt hier raus guckt da oben da sieht man genau die Delle wo das hochgehoben wurde – Experte: Ja, ja ich sehe schon“
Doch die Geräusche der Tiere hören sie an einer anderen Stelle:
„dieser Umbau von dem Schornstein dadrunter haben sie sich eingenistet und ich habe heute getestet ob sie noch da sind mit dem Besen locker dran geklopft und dann hört man sie zwitschern und wir gehen davon aus dass es jetzt ein frischer Wurf Waschbären ist..“
Das überprüft der Jäger jetzt:
Ob es sich hier wirklich um ein Waschbär-Nest handelt?
Und tatsächlich: Im Dach sind 3 Waschbär Welpen.
Würden die Tiere hierbleiben und größer werden, würden sie alles kaputt machen:
„Die Schäden im Dach würden wahrscheinlich bei den zu erwartenden Waschbären die dann hier oben im Dach wären in den wahrscheinlich 5 bis 6 stelligen Betrag reingehen – die Tiere würden irgendwann anfangen durch die Decke zu fallen weil Kot und Urin sich in die Bausubstanz reinarbeiten mit den krallen reißen sie den Rehgibs auf die Folie und dann kommt hier irgendwann der Urin kommt dann hier durch die Decke gelaufen durch die Decke durch“
Der Jäger hat im Dach nur die Waschbär-Welpen gefunden, aber kein Muttertier. Ob das noch einmal zurückkommt, ist unsicher.
Ohne das Muttertier werden die Waschbär-Babies verhungern.
„… der weitere Vorgang ist dann im Endeffekt die Entnahme der Tiere - die würden erlegt. Das ist jetzt nicht der schönste Teil“
Ein Schock für die Mieter, damit hatten sie nicht gerechnet:
„…dass die da jetzt einfach so rausgenommen werden und dass es so schnell geht das ist schon sehr bedrückend und traurig“
Die Waschbären freizulassen und woanders auszusetzen, ist in Deutschland verboten, erzählt Alexander Knauf:
„Das wäre einfach nur ein Aussetzen invasiver arten also ein Verschieben des Problems und die gehen gleich ins nächste Dach rein und machen Schäden in der Umwelt die wir gar nicht messen können“
Gerade in der Waschbärenhochburg Kassel sind Jäger dazu angehalten gefangene Tiere zu erlegen, um die Überpopulation einzudämmen.
Der Rat des Jägers an die Vermieterin: Alle Fallrohre gegen Waschbären sichern lassen.
Es ist 20 Uhr – Alexander Knauf beendet seine Tour für heute.
Zurück in Berlin Wannsee – Bei Anwohnerin Monika Hoth:
4 Nächte lang war die Wildtierkamera bei ihr unten am Fallrohr des Hauses installiert … und hat einen Waschbären aufgezeichnet!
Laut Expertin ist das sehr wahrscheinlich ein Muttertier!
Im Dach existiert also vermutlich noch ein Nest mit Waschbärbabies.
Wo genau die Waschbären hier ins Dach einsteigen, - sieht die Expertin beim Rundgang ums Haus schon von außen! „Das sieht für mich ein bisschen so aus als würde da ein Stück Dachziegel fehlen“
Hier steht die Tür also für jeden Waschbären offen.
Carolin Weh fordert die Tiere eher zu kastrieren als sie zu bejagen.
„Wir wissen von wissenschaftlichen Studien aus den USA dass sogar die Bestands Dezimierung von 75% nicht ausreicht – die füllen das innerhalb von einem Jahr wieder auf! Das heißt die kriegen mehr Nachwuchs und Waschbären kriegen ihren Nachwuchs sehr gerne in Hausdächern das heißt wenn wir stark bejagen, könnte das dazu führen, dass wir für mehr Schäden an Hausdächern wieder sorgen, weil die Waschbären mehr Nachwuchs bekommen wollen“
Damit die Tiere hier nicht mehr reinkommen, muss jetzt laut Expertin, jedes Rohr am Haus nochmal neu gesichert werden!
Möglich ist das aber erst, wenn die Waschbär-Babies mit dem Muttertier das Nest verlassen. 2 bis 6 Monate kann das noch dauern.
„Wenn man rechtzeitig eingegriffen hätte, dann hätte ich jetzt nicht die Jungtiere im Dach und dann hätte jetzt Ruhe. Aber jetzt ist mir definitiv für di nächsten Monate die Nachtruhe genommen.“
Monika Hoth hofft, dass die Hausverwaltung den professionellen Waschbär-Schutz am Haus anbringen lässt und sie wieder in Ruhe schlafen kann.
