Nach fast 10 Jahren sieht Tanja G. IHM wieder ins Gesicht: Michael Winterhoff. Sie empfindet Angst – und Wut für das, was er ihrer Tochter angetan haben soll.
„Ich möchte, dass er bestraft wird. Weil ich mir davon erhoffe, dass wirklich das erhört wird von dem lieben Gott erhört wird. Wenn es ihn gibt, dass er die gerechte Strafe bekommt“
Michael Winterhoff galt lange als Star unter den Kinderpsychiatern, schrieb Bestseller, saß in Talkshows – auch bei RTL. Sein Erziehungsstil: klar autoritär.
„Der einzige Zustand, in dem man alles bekommt, als Säugling, wenn man mit Kindern so umgeht, dass sie alles bekommen, dass sie dann das Gefühl habe, die Welt ist ein Paradies, dass sie in der Entwicklungsstufe stehen bleiben“
Seit einem Jahr muss sich der Kinderpsychiater vor dem Landgericht Bonn verantworten – wegen gefährlicher Körperverletzung in zehn Fällen. Winterhoff soll seine jungen Patienten mit Medikamenten ruhig stellen.
„Die Staatsanwaltschaft legt ihm zur Last, dies getan zu haben, um die sedierende Wirkung dieses Medikaments auszunutzen, um die Patientinnen und Patienten dadurch gefügig zu machen für seine angeblich autoritären Erziehungsmethoden. „
Eines der betroffenen Kinder: Tanja G.s Tochter Evelyn. Heute 22. Mit 13 kam sie zu Winterhoff – und bekam vier Jahre lang auf seine Verordnung das Medikament Pipamperon.
„Ja. Mein Kind wurde damit ruhiggestellt. „Evelyn wird nicht mehr das Mädchen sein, was sie vor der Einrichtung war.“
Laut Staatsanwaltschaft habe Winterhoff keine wissenschaftlich anerkannten Methoden angewandt.
Die Einrichtung „Kleiner Muck“, wo Winterhoff bis 2021 gearbeitet hat, hat Konsequenzen gezogen:
„Es darf nicht mehr die Einzelexpertise geben, sondern man muss sich breit aufstellen.“ „Das ist tatsächlich eine Erkenntnis daraus, dass wir das jetzt anders organisieren und dass wir unsere Pädagogik jetzt aber auch anders aufbauen, weniger in Abhängigkeiten gehen, also in inhaltliche und fachliche Abhängigkeiten gehen, sondern uns breiter aufstellen.“
Und auch juristisch gilt der Fall vorerst als aufgearbeitet. Das Gericht hat Michael Winterhoff heute zu 9 Monaten auf Bewährung verurteilt. Eine Enttäuschung für viele Eltern, deren Kinder das umstrittene Medikament Pipamperon bekommen haben.
„Die Vorsitzende Richterin hat die Frage, ob das Medikament als Gift gilt, mit Nein beantwortet. Daraufhin gab es ein Raunen im Saal, vieler betroffener Eltern, die offenbar nicht zufrieden mit dem Urteil waren.“
Die Staatsanwaltschaft hatte für Michael Winterhoff eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten wegen gefährlicher Körperverletzung gefordert. Und auch Tanja G. hat sich ein deutlicheres Zeichen für Gerechtigkeit gewünscht.