Eine Krise kreativ nutzen

Umbruch als Chance: Das Beste aus Elternzeit und Kurzarbeit machen

Kurzarbeit oder Jobverlust können auch eine Chance für uns bedeuten
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07. Juli 2020 - 10:15 Uhr

Eine Veränderung bietet immer die Gelegenheit, sich sogar zu verbessern

Manchmal werden wir gezwungen, uns beruflich neu zu positionieren. Wenn die alte Tätigkeit nach der Elternzeit nicht mehr passt, wenn unser Arbeitsplatz in einer Branchenkrise wegfällt. Oder wenn wir aus gesundheitlichen Gründen die alte Tätigkeit nicht mehr ausüben können. Doch auch eine unfreiwillige berufliche Veränderung kann eine Riesen-Chance sein – wenn wir sie richtig nutzen. Wir erklären, was es zu beachten gilt, wer uns dabei unterstützen kann und wie es finanziell aussieht.

Eine Zwangspause im Job muss keine Sackgasse sein

Kurzarbeit, Jobverlust, Perspektivlosigkeit - das alles kann einen ganz schön treffen
Kurzarbeit, Jobverlust, Perspektivlosigkeit - das alles kann einen ganz schön treffen
© PeopleImages.com - #1503332 (PeopleImages.com - #1503332 (Photographer) - [None], Thurstan_Hinrichsen

Momentan müssen viele von uns zwangsläufig umdenken, weil ihr Job nicht mehr sicher ist, ganze Branchen angeschlagen sind. Oder weil sie sich in der Elternzeit fragen, ob eine Tätigkeit mit vielen Reisen und langen Arbeitszeiten noch das Richtige für sie ist. Dass wir in einer solchen Situation mit Verunsicherung reagieren, Angst vor der Leere haben, ist völlig normal. Schließlich ist die Arbeit das, womit wir neben dem Schlafen die meiste Zeit verbringen. Da kann eine fundamentale Änderung in der Beschäftigungssituation schon mal das Leben ganz schön durcheinanderwirbeln. Negative Gedanken haben in einer solchen Situationleichtes Spiel mit uns.

Das Beste aus der Situation machen und die Zeit für sich nutzen

Eine Frau mit Baby arbeitet in der Elternzeit
Nach der Elternzeit können oder wollen viele nicht in den alten Job zurück
© ([None] (Photographer) - [None], Yuganov Konstantin

Doch jeder kann auch das Positive der Situation für sich nutzen. Vielleicht habe ich plötzlich mehr Zeit als vorher. Mehr Zeit für mich, um endlich mal ein Hobby auszuprobieren. Aber auch Zeit, um herauszufinden, was ich wirklich will im Leben. Und um mich weiterzubilden. Oder mich sogar beruflich zu verändern. Vielleicht sogar etwas zu machen, was mir mehr liegt. Endlich studieren. Oder doch noch einen Sozialberuf ergreifen.

Wie wäre es, da den Schalter noch mal auf Null drehen zu können? Und die Zeit, in der ich zum Beispiel wegen Kurzarbeit, Jobverlust oder Elternzeit weniger oder gar nicht arbeite, für mich zu nutzen? Für eine Fort- oder Weiterbildung. Oder sogar für eine noch größere berufliche Veränderung. Wir erklären Ihnen hier, worauf Sie achten sollten. Diese sieben Punkte können Ihnen helfen herauszufinden, ob ein Jobwechsel das Richtige für Sie ist und in welche Richtung Sie sich umorientieren können.

1. Warum den Beruf wechseln?

Ein Jobwechsel kann auch eine Chance sein
Es gibt viele Gründe, warum man den Job wechselt - manche müssen und andere wollen
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Die Gründe, warum Menschen mit diesem Gedanken spielen, sind vielfältig: Jobverlust droht, weil eine ganze Branche in der Krise ist oder die Firma Tätigkeiten ins Ausland verlagert. Wir sind nicht glücklich mit der derzeitigen Tätigkeit. Oder gesundheitliche Probleme zwingen uns, den Job aufzugeben – zum Beispiel eine Allergie gegen Chemikalien, Bandscheibenvorfälle oder eine psychische Erkrankung.

Wichtig ist, ehrlich zu sich selbst zu sein und sich darüber klar werden, was der wahre Grund für das berufliche Unbehagen ist. Wenn die Kollegen oder der Vorgesetzte nerven, der Job an sich aber nicht, wäre eine andere Abteilung oder Firma vielleicht die bessere Lösung. Für Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen ihren Beruf nicht mehr ausüben können oder ihren Job verloren haben, weil branchenweit Arbeitsplätze abgebaut werden, kann ein Studium oder eine Umschulung sehr sinnvoll sein. Das Gleiche gilt, wenn man sich nicht weiterentwickeln kann, weil ein höherer Abschluss fehlt.

2. Alternativen finden

Wer schon weiß, was er machen will, geht gleich weiter zu Punkt 3. Wer noch Inspiration sucht, lässt sich beraten oder macht vielleicht einen Berufseignungstest. Die Agentur für Arbeit bietet auf ihrer Website im "Berufecheck" die Möglichkeit zu testen, ob eine bestimmte Tätigkeit zu einem passt oder globaler ebenfalls dort im Bereich "Welche Berufe passen zu mir" aufgezeigt bekommen, welche Berufszweige mit den eigenen Interessen und Fähigkeiten matchen. So bekommt man ein paar Ideen, von denen aus man weiter recherchieren kann: Zum Beispiel, wie genau der Alltag in diesem Job aussieht. Vielleicht kennen Freunde ja wen, der in diesem Beruf arbeitet und der gern ein paar Fragen beantwortet. 

3. Arbeitsmarkt analysieren

Einfach mal die Chancen auf dem Arbeitsmarkt checken - und sich weiterbilden
Einfach mal die Chancen auf dem Arbeitsmarkt checken - und sich weiterbilden
© Yuri Arcurs Production IAURI (Yuri Arcurs Production IAURI (Photographer) - [None]

Wird in der Zielbranche überhaupt gesucht? Wie sind die Chancen, nach einer Umschulung oder einem Studium einen Job zu ergattern oder ein Business zu eröffnen? In Berufsfeldern mit Fachkräftemangel wie im Gesundheitswesen sind unter Umständen die Möglichkeiten für Quereinsteiger besser und man hat auch Chancen, wenn man zum Beispiel schon etwas älter ist, weil man in seinem ersten Beruf schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat. Das sind wichtige Fragen, wenn es darum geht abzuwägen, ob man die Mühen überhaupt wagen soll.

4. Analyse: Was bringe ich mit, was fehlt mir?

Wichtig für die Chancenanalyse ist auch eine Bestandsaufnahme der eigenen Skills. Welche meiner Fähigkeiten und Erfahrungen sind in der Zielbranche gefragt? Welche Kenntnisse aus dem jetzigen Job wären auch in der angestrebten Tätigkeit hilfreich? Habe ich vielleicht in der Ausbildung oder einen früheren Job Aufgaben erledigt, die interessant für einen potenziellen Arbeitgeber sein könnten? Habe ich den nötigen Bildungsabschluss? Oder kann ich ihn durch langjährige Berufserfahrung ersetzen? Oder aufgrund meiner Berufserfahrung/Vorbildung evtl. verkürzen?

5. Wer kann mich beraten?

Agentin im Jobcenter berät eine Arbeitssuchende
Ausgebildete Job-Berater und Coaches helfen bei der Wahl des passenden Berufs und der richtigen Weiterbildung
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Die Mitarbeiter der Agentur für Arbeit beraten persönlich und helfen Ihnen bei der Arbeitsmarktanalyse und der Bewertung der eigenen Fähigkeiten. Auch viele Jobcoaches haben sich auf berufliche Umorientierung spezialisiert. Wer bereits arbeitslos ist, bekommt den Coach unter Umständen auch von der Arbeitsagentur finanziert. Aber natürlich kann man auch in der Personalabteilung einer für Sie interessanten Firma nachfragen, wie Ihre Chancen stehen und was an Weiterbildung oder Umschulung nötig wäre. Vielleicht bittet die Personalreferentin ja sogar einfach schon mal für eine Einschätzung unverbindlich um die Unterlagen. Eigeninitiative kommt bei der Jobsuche immer gut an.

6. Die richtige Weiterbildung finden

Die Möglichkeiten, sich als Erwachsener weiterzubilden, sind zahlreich - und abhängig von der persönlichen Situation. Man kann zum Beispiel einen Bildungsabschluss nachholen - das Fachabitur oder Abitur. Endlich sein Studium beenden - oder eins anfangen. Als Fern- oder Präsenzstudium. Wenn man schon Jahre in einem Beruf arbeitet, vielleicht aber ohne abgeschlossene Ausbildung, kann man den Abschluss durch eine Externenprüfung nachholen.

Auch eine Umschulung komm in Frage - das Erlernen eines komplett neuen Berufs mit einer verkürzten Ausbildungszeit, entweder als betriebliche Umschulung mit Praxis und Berufsschule oder in einer Weiterbildungseinrichtung mit integriertem Betriebspraktikum. Auch eine Aufstiegsweiterbildung ist möglich - zum Beispiel doch noch den Meister machen oder von der Kinderpflegerin zur Erzieherin. Es gibt auch Weiterbildungsprogramme für den Wiedereinsteig nach einer längeren beruflichen Pause. Eine Fülle an Angeboten also, über die man sich unbedingt erstmal einen Überblick verschaffen sollte - am besten mit Beratung.

7. Ausbildungsaufwand klären und Finanzcheck

Frau rechnet ihre Finanzen durch mit einem Taschenrechner
Kann die Fortbildung gefördert werden? Was kostet das Studium? Hier ist Rechnen gefragt
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Handelt es sich um eine Vollzeitausbildung oder kann ich sie auch machen, während ich meinen jetzigen Job weiterführe, vielleicht in Teilzeit? Wie lange dauert sie? Handelt es sich um eine reine Präsenzausbildung, vielleicht sogar mit Praxisanteilen? Passen die Unterrichtseinheiten mit meiner Familiensituation zusammen? Oder kann ich Teile per Fernstudium erledigen, zum Beispiel wenn die Kurzarbeit endet und ich den Lehrgang aber trotzdem zu Ende machen will?

Und was kann ich mir finanziell leisten? Was kann man im Zielberuf überhaupt für ein Gehalt erwarten? Lohnt sich die Investition? Bei manchen Lehrgängen ist sogar eine Förderung durch die Agentur für Arbeit mit Bildungsguscheinen möglich, wenn Sie die persönlichen Voraussetzungen erfüllen. Zum Beispiel wenn eine Weiterbildung nötig ist, um die Arbeitslosigkeit zu beenden, wenn ein Berufswechsel aus gesundheitlichen Gründen notwendig ist oder ein fehlender Abschluss nachgeholt werden kann. Zum Teil kann während der Umschulung Arbeitslosengeld bezogen werden. Oder es wird während einer betrieblichen Umschulung ein Ausbildungsgehalt gezahlt. Für ein Studium kann eine Förderung mit BAföG in Frage kommen - unter gewissen Voraussetzungen sogar unabhängig vom Einkommen der Eltern und des Ehepartners. Das Aufstiegs-BAföG kommt in Frage, wenn man sich zum Beispiel zum Meister weiterbildet, aber unter Umständen auch zum Erzieher oder Betriebswirt. Bei der Fülle an Bildungs- und Fördermöglichkeiten lohnt es sich auf jeden Fall, nachzufragen und sich beraten zu lassen.

Die richtigen Schlüsse aus den Überlegungen ziehen

Der alte oder oder der neue Job sollen uns glücklich machen
Ob man im alten Job bleibt oder eine neue Karriere startet - das Innehalten ist immer eine Chance
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Ob man sich am Ende für eine Umschulung, eine Fortbildung, eine externe Prüfung oder ein Studium entscheidet oder doch weiter im gelernten Beruf durchstartet - darüber nachzudenken, wo man steht, lohnt sich immer, und sei es nur als Motivationshilfe. Es ist immer gut fürs Selbstwertgefühl, auch als Erwachsener noch etwas zu lernen und den eigenen Horizont zu erweitern. Und wenn man am Ende zu dem Schluss kommt, dass man doch den richtigen Beruf gewählt hat und nur ein paar kleine Stellschrauben ändern muss, um wieder glücklich zu sein, ist das ja auf jeden Fall auch eine Win-Win-Situation.

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