Lebensweisheiten von Carrie & Co.

5 Dinge, die ich von „Sex and the City“ gelernt habe – und 3, die ich bitte nicht mehr sehen will!

Wie finde ich Mr. Right? Nein, das ist keine der Weisheiten, die ich von „Sex and the City“ gelernt habe.
Wie finde ich Mr. Right? Nein, das ist keine der Weisheiten, die ich von „Sex and the City“ gelernt habe.
© picture alliance

07. Dezember 2021 - 9:34 Uhr

Die neue Serie „And Just Like That…“ startet am 9. Dezember

von Katharina Meyer

"And Just Like That…" können wir uns schon wieder auf neue Weisheiten von Carrie Bradshaw freuen, die sich nach sechs Staffeln und zwei Kinofilmen in einer neuen Sequel-Serie zehn Folgen lang durch das Leben und die Liebe in New York manövriert. Wer wie ich mit der Serie aufgewachsen ist (ich war 16, als "Sex and the City" das erste Mal über die deutschen Bildschirme flimmerte), dürfte dem 9. Dezember jetzt also mit großer Freude entgegenblicken. Und zwar nicht nur, um zu sehen, wie es im Leben von Carrie, Charlotte und Miranda weitergeht (Kim Cattrall alias Samantha wird bekanntlich nicht dabei sein), sondern um eine ganz neue Reihe an Lebens- und Liebesweisheiten präsentiert zu bekommen – diesmal nicht von Thirty-Somethings (das Alter, in dem ich jetzt gerade bin), sondern von Frauen um die 50.

Aber bevor es so weit ist, lasse ich hier erst einmal Revue passieren, was ich von "Sex and the City" gelernt habe, wie viel davon in meinem jetzigen Leben als Thirty-Something wirklich noch relevant ist – fast 20 Jahre, nachdem ich es das erste Mal gesehen habe – und was ich im Revival im Jahr 2021 bitte nicht mehr sehen will. Schnappt euch einen Cosmopolitan und los geht's!

Wie aus Bier-Katha Fancy-Katha wird

Bleiben wir gleich bei Erkenntnis #1: Cosmopolitans sind DELICIOUS! Ich kann mich noch genau daran erinnern, als ich mit der Schwester meines damaligen Freundes (die ebenfalls riesiger SATC-Fan war) das erste Mal in einer fancy Hotelbar einen Cosmopolitan bestellt habe. Wir haben uns gefühlt, als würden wir in den neuesten Designer-Outfits stecken und 500-Dollar-Manolos an den Füßen tragen – obwohl es wahrscheinlich eher Jeans und Sneaker waren. Doch noch heute lässt mich ein Cosmopolitan – serviert in einem Martiniglas, das wohl extravaganteste aller Gläser – aus meinem Alltag ausbrechen.

Für ein Getränk lang bin ich dann nicht mehr Katha, die am liebsten Bier trinkt, für die Nudeln mit Ketchup eine adäquate Mahlzeit sind und die mehr Jeans als Kleider im Schrank hat. Ich bin dann Fancy-Katha – bis ich einen Schluck nehme und mir den halben Cocktail aus dem viel zu breiten Glas über das Shirt kippe…

Let's talk about Sex, Baby!

#2: Es ist vollkommen okay, mit Freundinnen über Sex zu reden. Auch wenn "Sex and the City" mittlerweile ganz schön viel Gegenwind von Feministinnen und Feministen bekommen hat (teilweise zu Recht) – sind wir uns wahrscheinlich alle einig, dass die Art und Weise wie Frauen in einer so erfolgreichen Serie über Sex reden (oder Sex haben), zu der Zeit revolutionär war. Na gut, mit 16 war ich noch nicht so weit, ebenso frei mit meinen Freundinnen über Masturbation, Stellungen oder krumme Penisse zu reden, aber der Gedanke, dass Sex ein Thema ist, das im Café oder der Lieblingsbar ganz ungeniert auf den Tisch kommen kann, hat auf jeden Fall Mut gemacht.

Was bei "Sex and the City" besonders schön ist: Mit den verschiedenen Frauen hat man auch gleich eine Abstufung darüber, wie wohl man sich mit dem Thema fühlen "darf". Während Charlotte bei manchen Aussagen ihrer Freundinnen verschämt mit den Augen rollt, hält Samantha mit nichts hinterm Berg. So zeigt die Serie, dass es genauso okay ist, wenn man nicht jedes Detail aus dem eigenen Sexleben gleich mit seinen Freundinnen teilt.

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Freundinnen = unsere wahren Seelenverwandten

SATC-Weisheit #3: You get by with a little help from your friends. Liebe ist toll, Familie ist wichtig und Blut dicker als Wasser. Bla bla bla. Doch mindestens genauso wichtig ist die Familie, die wir uns selbst suchen: unsere Freundinnen und Freunde. Während im Leben von Carrie und ihren Girlfriends Männer kommen und gehen, hat eines Bestand: Dass die vier Freundinnen immer füreinander da sind. Und darum muss keine von ihnen wirklich bitten: Als Carrie im "Sex and the City"-Film am Silvesterabend merkt, wie einsam Miranda ist, macht sie sich trotz Schnee und Mangel an Taxis auf, um pünktlich zum Jahreswechsel bei ihrer Freundin zu sein. Als Carrie droht, ihre Wohnung zu verlieren, hilft Charlotte ihr, indem sie ihren Ehering eintauscht. Und als Samantha ihre Brustkrebsdiagnose am Tag von Mirandas Hochzeit bekommt, ist es Miranda wichtiger, für ihre Freundin da zu sein, statt selbst einen perfekten Tag zu erleben.

"Vielleicht sind ja unsere Freundinnen unsere Seelenverwandten und Männer sind nur dazu da, um Spaß zu haben" – so ähnlich hat Charlotte es einmal beschrieben und das ist genau die Art von Freundschaft, von der ich 1. gerne mehr in Filmen und Serien sehen würde und 2., die mir in meinem Leben auch viel wichtiger sind, als DEN EINEN zu finden.

30 ist das neue 20 (und 50 das neue 30)!

Lebensweisheit #4: Alter… Schmalter! Alter ist nur eine Zahl – in kaum einer Serie wird dieser Spruch so deutlich vorgelebt wie in "Sex and the City". Während gerade in den 90ern eine Serie nach der anderen von (wenn überhaupt) 20-Jährigen handelte, die die Liebe ihres Lebens suchen, sind Carrie & Co. jenseits der 30, single und fabulous! Hier werden Meilensteine nicht daran gemessen, ob man sie vor einem gewissen Alter erreicht hat. Hochzeit mit 25, Haus mit 27, Baby mit 29. Who cares?!

Manche von uns strugglen mit Ende 20 noch mit dem Uniabschluss oder haben in den 30ern keine Ahnung, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen. Manche finden einen Partner, denken, sie sind am Ziel angekommen, nur um dann festzustellen, dass es nicht das Richtige war und sie alleine besser dran sind. Manche brauchen drei, vier, fünf oder mehr Anläufe für die Liebe oder für eine Schwangerschaft, manche werden von diesen Lebensereignissen geradezu überrumpelt. Unsere Lebensentwürfe sind so unterschiedlich wie wir und so sehr man sich etwas wünscht oder etwas plant, es kommt am Ende oft doch ganz anders. Ich kann es jedenfalls kaum erwarten zu sehen, was Carrie, Miranda und Charlotte in ihren 50ern erleben.

You do you!

#5: Liebe dich selbst, so wie du bist! Die SATC-Ladies könnten kaum unterschiedlicher sein. Und genau das macht jede einzelne von ihnen aus. Nicht umsonst ist das Netz geradezu voll von "Welcher 'Sex and the City'-Charakter bist du?"-Tests. Denn jeder von uns kann sich wahrscheinlich mit einer der Frauen ein Stückchen mehr identifizieren (ich bin übrigens irgendwas zwischen Miranda und Carrie). Aber eigentlich ist es völlig egal, ob wir jetzt so direkt sind wie Sam, so romantisch wie Charlotte, so intelligent wie Miranda oder so kreativ wie Carrie – denn was "Sex and the City" uns zeigt, ist, dass unsere Unterschiede gleichzeitig unsere Stärken sind. Wir geben einander damit neue Perspektiven, ergänzen einander und fordern uns dabei manchmal gegenseitig heraus, über den eigenen Schatten zu springen.

Selbstliebe ist jedoch auch etwas, das Carrie und die anderen SATC-Girls erst einmal lernen müssen (okay, mit Ausnahme von Samantha vielleicht). "Die aufregendste, herausforderndste und wichtigste Beziehung von allen ist die, die du mit dir selbst hast", sagt Carrie einmal. Und wenn man jemanden fände, der "das Du liebt, das du selbst auch liebst", dann sei das einfach wundervoll. Und erst, als Carrie, Charlotte und Miranda an dem Punkt angelangt sind, können sie sich auf die Beziehungen zu Mr. Big, Harry und Steve einlassen.

3 Dinge, von denen ich in den neuen Folgen nichts sehen möchte

Ich habe schon kurz erwähnt, dass es inzwischen einiges an Kritik an "Sex and the City" gibt. Immerhin ist die 1. Staffel auch schon über 20 Jahre alt – da hat sich einiges getan! Deshalb hier drei Dinge aus den alten Folgen oder den Filmen, die wir in "And Just Like That…" bitte nicht mehr möchten.

#1: Stereotype und rassistische Klischees. Besonders viel Kritik gab es am 2. "Sex and the City"-Film. Der in Abu Dhabi spielende Film wurde mit drei Goldenen Himbeeren ausgezeichnet, einem Anti-Preis für besonders schlechte Filme. Denn er strotzt nur so vor Islam-Klischees: Sinnlose Dekadenz für die Reichsten der Reichen auf einer Seite, Frauenfeindlichkeit auf der anderen. Doch beides dient nur als Hintergrund und es gibt 1. kaum Sex und 2. fehlt die City fast komplett. Für mich eine so große Enttäuschung, dass ich tatsächlich überlegt habe, vorzeitig aus dem Kino abzuhauen.

#2: LGBTQIA*-Klischees. Carrie hat in der Serie den obligatorischen schwulen besten Freund, eine Diva par excellence, die – wie könnte es auch anders kommen – am Ende mit dem einzigen anderen wiederkehrenden Schwulen zusammenkommt. Natürlich ohne Monogamie, denn so was können Schwule doch nicht. Ähhh what? Solche stereotypen Darstellungen von Sexualität wollen wir heute nicht mehr sehen – egal wie fortschrittlich weiblicher Heterosex dargestellt wird. Auch Zitate wie Carries "Ich bin mir nicht einmal sicher, ob Bisexualität existiert – Ich halte das nur für eine Raststätte auf dem Weg nach Gaytown" wollen wir bitte nicht mehr hören!

Im Video: Gibt es eine Scheidung bei Mr. Big und Carrie?

Erste Set-Bilder zeigen, wie Carrie mit einem anderen Mann knutscht. Heißt das, dass Mr. Big und sie sich getrennt haben? Also, ICH könnte damit Leben, denn:

#3: Dass eine Partnerschaft trotzdem noch das ultimative Ziel ist. Ja, ich habe mich auch gefreut, als Mr. Big Carrie am Ende der Serie endlich die Worte sagt, die sie immer hören wollte. Ja, ich finde Charlotte und Harry haben die wundervollste Beziehung der ganzen Serie. Und ich habe auch gehofft, dass Miranda Steve seinen Seitensprung verzeiht – kann doch mal passieren, sowas. Aber hätte ich es gut gefunden, wenn eine Serie, die sechs Staffeln lang behauptet, dass Freundschaften wichtiger sind, als Mr. Right zu finden und uns die Freuden des Singlelebens aufzeigt, damit endet, dass die Hauptfigur am Ende GLÜCKLICHER Single ist? Vielleicht nicht mit 20, aber heute würde ich es abfeiern!

Lese-Tipp: Darüber sprechen alle nach dem ersten Trailer für "And Just Like That…"