Der häufigste Grund fürs Fremdgehen ist nicht Sex. In einer Untersuchung mit fast 500 Menschen, die selbst untreu waren, nannten 77 Prozent mangelnde Liebe als starken Grund – sexuelles Verlangen dagegen nur 32 Prozent.
Noch aufschlussreicher ist, was dieselbe Forschungsgruppe später herausfand: Das Motiv sagt voraus, wie die Affäre verläuft – wie lange sie dauert, ob sie gestanden wird und ob die Beziehung sie überlebt. Unten stehen alle acht Motive mit ihrer Häufigkeit, die Unterschiede zwischen Männern und Frauen, und die Frage, die am Ende die wichtigste ist: Lässt sich eine Beziehung danach reparieren?
Die 8 Motive – und wie häufig sie sind
Die Grundlage ist eine Untersuchung von Dylan Selterman, Justin Garcia und Irene Tsapelas mit 495 Menschen, die mindestens einmal untreu gewesen waren. Aus 77 einzelnen Begründungen filterten sie acht voneinander unabhängige Motive heraus – die bis dahin gängige Annahme, Untreue sei vor allem eine Folge unzufriedener Beziehungen, ließ sich damit nicht halten.
- Mangelnde Liebe (77 %)
Das mit Abstand häufigste Motiv – und das, das am wenigsten mit Sex zu tun hat. Gemeint ist das Gefühl, sich vom Partner entfernt zu haben, oder eine stärkere Zuneigung zur dritten Person. Wer aus diesem Grund fremdgeht, hat die Beziehung innerlich meist längst verlassen. - Wunsch nach Abwechslung (74 %)
Fast ebenso häufig, aber anders gelagert: Hier fehlt nichts in der Beziehung – es reizt schlicht das Neue. Dieses Motiv nannten Männer deutlich häufiger als Frauen. Es ist auch das Motiv, das am wenigsten über die Qualität der bestehenden Partnerschaft aussagt. - Selbstwert (über die Hälfte)
Sich wieder begehrt fühlen, wieder gesehen werden. Der Reiz liegt nicht in der anderen Person, sondern in der eigenen Wirkung. Deshalb funktioniert dieses Motiv auch dann, wenn die Beziehung objektiv in Ordnung ist – es geht um etwas, das in einem selbst fehlt. - Vernachlässigung
Das Gefühl, zu wenig Aufmerksamkeit oder Zeit zu bekommen. Frauen nannten dieses Motiv in der Untersuchung häufiger als Männer. Anders als bei mangelnder Liebe ist die Zuneigung hier noch da – es fehlt die Zuwendung im Alltag. - Wut
Untreue als Vergeltung: nach einem Streit, nach einer Kränkung, nach der Entdeckung, dass der andere fremdgegangen ist. Dieses Motiv ist selten das einzige, verstärkt aber die Folgen erheblich. - Geringe Verbindlichkeit
Wer sich innerlich nicht festgelegt hat, geht eher fremd – unabhängig davon, wie zufrieden er ist. Das erklärt, warum auch Menschen in scheinbar guten Beziehungen untreu werden: Zufriedenheit und Verbindlichkeit sind zwei verschiedene Dinge. - Sexuelles Verlangen (32 %)
Deutlich seltener als vermutet – nur etwa ein Drittel nannte diesen Grund. Männer häufiger als Frauen. Gemeint ist nicht Sex an sich, sondern eine bestimmte Häufigkeit oder Art von Sexualität, die in der Beziehung fehlt. - Situation und Gelegenheit
Alkohol, Dienstreise, Feier, ein Moment ohne Kontrolle. Dieses Motiv erklärt keine langen Affären, sondern einmalige Vorfälle – und es sagt am wenigsten über die Beziehung aus.
💡 Eine Einordnung, die dazugehört: Die Befragten waren im Schnitt etwa 20 Jahre alt, die meisten in nicht-ehelichen Beziehungen. Für langjährige Ehen lassen sich die Prozentwerte nicht eins zu eins übertragen. Was sich übertragen lässt, ist die Struktur: dass es mehrere unabhängige Motive gibt und dass die meisten Menschen mehrere gleichzeitig angeben.
Warum gehen Männer fremd – und warum Frauen?
Die Unterschiede sind real, aber kleiner und anders, als das Klischee behauptet. In der Untersuchung zeigte sich folgendes Muster:
| Häufiger bei Männern | Häufiger bei Frauen | |
|---|---|---|
| Sexuelles Verlangen | ✓ | |
| Wunsch nach Abwechslung | ✓ | |
| Situation und Gelegenheit | ✓ | |
| Gefühl der Vernachlässigung | ✓ |
Bemerkenswert daran ist weniger der Unterschied als die Überschneidung: Die vier häufigsten Motive – mangelnde Liebe, Abwechslung, Selbstwert und Vernachlässigung – nannten beide Geschlechter. Die verbreitete Erzählung, Männer gingen aus sexuellen und Frauen aus emotionalen Gründen fremd, ist damit stark vereinfacht. Zutreffender ist: Männer nennen sexuelle Motive zusätzlich häufiger, nicht ausschließlich.
Zur Häufigkeit in Deutschland: Nach der ElitePartner-Studie 2023 geben 33 Prozent der Männer und 24 Prozent der Frauen an, in einer festen Beziehung schon einmal untreu gewesen zu sein. Diese Werte schwanken je nach Umfrage erheblich, weil jede Studie Untreue anders definiert – zählt ein Kuss, ein Chat oder erst Sex?
Das Motiv sagt voraus, wie es ausgeht
Der praktisch nützlichste Befund stammt aus einer Folgeuntersuchung derselben Gruppe. Sie prüfte, ob die Motive mit dem Verlauf der Affäre zusammenhängen – und sie tun es deutlich:
| Motiv | Verlauf der Affäre | Folgen für die Beziehung |
|---|---|---|
| Mangelnde Liebe, Wut | Länger andauernd | Endet häufiger mit Trennung |
| Vernachlässigung, geringe Verbindlichkeit | Unterschiedlich | Wird häufiger gestanden |
| Situation, Gelegenheit | Kürzer, oft einmalig | Seltener Trennung, seltener gestanden |
| Sexuelles Verlangen, Abwechslung | Stärker sexuell geprägt | Weniger Zusammenhang mit dem Beziehungsende |
💡 Was das praktisch bedeutet: Die Frage „Warum hat er es getan?“ ist keine Grübelei, sondern die relevanteste Information nach einer Entdeckung. Ein Ausrutscher auf einer Dienstreise nach zu viel Alkohol und eine sechsmonatige Affäre aus dem Gefühl heraus, nicht mehr zu lieben, sind zwei völlig verschiedene Vorgänge – auch wenn beide unter dasselbe Wort fallen.
Und für die Frage, ob es wieder passieren kann, ist das Motiv aussagekräftiger als jedes Versprechen.
Wer eher fremdgeht – und wer nicht
Neben den Motiven fand die Untersuchung Zusammenhänge mit Persönlichkeitsmerkmalen. Zwei sind besonders aussagekräftig:
- Bindungsunsicherheit hing mit den beziehungsbezogenen Motiven zusammen: Wut, mangelnde Liebe, Vernachlässigung, geringe Verbindlichkeit und Selbstwert. Wer also unsicher gebunden ist, geht eher aus emotionalen Gründen fremd. Mehr dazu in unserem Beitrag zu den Bindungstypen.
- Eine offene Einstellung zu unverbindlicher Sexualität hing dagegen mit dem Wunsch nach Abwechslung zusammen – also mit einem Motiv, das nichts über die Beziehung aussagt.
Diese Unterscheidung erklärt einen Widerspruch, der viele beschäftigt: Warum gehen Menschen fremd, die ihren Partner lieben? Weil die Motive unabhängig voneinander wirken. Zufriedenheit schützt vor manchen Gründen, nicht vor allen.
Kann man Untreue verhindern?
Nur begrenzt – und wer sich das zur Aufgabe macht, übernimmt Verantwortung für eine Entscheidung, die ein anderer trifft. Was sich beeinflussen lässt, sind die Motive, die mit der Beziehung zu tun haben:
- Vernachlässigung ansprechen, bevor sie sich festsetzt. Das am besten beeinflussbare Motiv – und eines, das Frauen in der Untersuchung häufiger nannten. Es geht dabei nicht um mehr Zeit, sondern um Aufmerksamkeit in der Zeit, die da ist.
- Über Sexualität sprechen, bevor sie zum Thema wird. Wer erst redet, wenn etwas passiert ist, redet zu spät. Und das gilt auch für Wünsche, die man selbst für ungewöhnlich hält.
- Verbindlichkeit klären, nicht voraussetzen. Geringe Verbindlichkeit war ein eigenständiges Motiv – unabhängig von Zufriedenheit. Ein Gespräch darüber, was Exklusivität für beide bedeutet, führen erstaunlich wenige Paare.
- Und der ehrliche Teil: Manche Motive – Abwechslung, Selbstwert, Gelegenheit – liegen außerhalb dessen, was ein Partner beeinflussen kann. Wer nach einer Affäre nach dem eigenen Fehler sucht, findet oft keinen, weil es keinen gibt.
Kann eine Beziehung das überstehen?
Ja, aber nicht in jeder Konstellation gleich wahrscheinlich – und die Zahlen aus der Verlaufsstudie geben einen Hinweis darauf, wovon es abhängt.
- Günstiger: ein einmaliger Vorfall aus situativen Gründen, vollständige Offenlegung, echter Kontaktabbruch zur dritten Person und die Bereitschaft, über die Ursache zu reden statt über Details.
- Schwieriger: eine lange Affäre aus mangelnder Liebe oder Wut. Hier war die Beziehung meist schon vorher beendet – die Affäre war nicht die Ursache, sondern die Folge.
- Was fast immer scheitert: die Salamitaktik. Häppchenweise Zugeständnisse zerstören mehr Vertrauen als die ursprüngliche Tatsache.
- Und was Zeit braucht: Vertrauen kehrt nicht durch Versprechen zurück, sondern durch Verhalten über Monate. Wer nach zwei Wochen Normalität erwartet, verlängert die Krise.

Was aus den Motiven für die Partnerwahl folgt
Ein Befund aus diesem Artikel hat praktische Folgen für die Partnersuche: Geringe Verbindlichkeit war ein eigenständiges Motiv – unabhängig davon, wie zufrieden jemand in seiner Beziehung ist. Wer also eine Partnerschaft sucht, in der Treue selbstverständlich ist, sollte diese Frage nicht dem Zufall überlassen, sondern früh klären.
Genau dabei helfen Plattformen, die Beziehungsvorstellungen vorab abfragen. Wer dort angibt, was er sucht, sortiert Menschen mit anderen Erwartungen aus, bevor Gefühle im Spiel sind – der wirksamste Punkt, den man selbst beeinflussen kann:
Fazit
- Es geht selten um Sex. Mangelnde Liebe nannten 77 Prozent, sexuelles Verlangen nur 32 – das Klischee stimmt nicht.
- Die Geschlechterunterschiede sind kleiner als behauptet. Männer nennen sexuelle Motive häufiger, nicht ausschließlich – die vier häufigsten Gründe teilen beide.
- Das Motiv ist die wichtigste Information. Es sagt voraus, wie lange eine Affäre dauert, ob sie gestanden wird und ob die Beziehung sie überlebt.
- Und du kannst es nicht verhindern. Manche Motive haben mit der Beziehung nichts zu tun. Wer nach dem eigenen Fehler sucht, findet oft keinen.
Wenn du wissen willst, wie Affären praktisch ablaufen und was rechtlich gilt, steht das in unserem Beitrag zum Verbergen von Affären. Und wenn die Frage im Raum steht, ob die Beziehung noch zu retten ist: Anzeichen für eine kaputte Beziehung hilft bei der Einordnung.
Häufig gestellte Fragen
Aus acht voneinander unabhängigen Gründen, die eine Untersuchung mit 495 untreuen Menschen herausarbeitete. Am häufigsten genannt wurde mangelnde Liebe – 77 Prozent gaben das als starken Grund an. Danach folgen der Wunsch nach Abwechslung mit 74 Prozent und das Bedürfnis nach Selbstbestätigung. Sexuelles Verlangen nannten dagegen nur rund 32 Prozent.
Männer nannten in der Untersuchung häufiger sexuelles Verlangen, den Wunsch nach Abwechslung und situative Gelegenheiten. Wichtig ist aber die Einschränkung: Die vier häufigsten Motive überhaupt – mangelnde Liebe, Abwechslung, Selbstwert und Vernachlässigung – nannten beide Geschlechter. Männer nennen sexuelle Gründe zusätzlich häufiger, nicht ausschließlich.
Frauen nannten häufiger das Gefühl, vernachlässigt zu werden – also zu wenig Aufmerksamkeit oder Zeit zu bekommen. Anders als bei mangelnder Liebe ist die Zuneigung dabei oft noch vorhanden, es fehlt die Zuwendung im Alltag. Ansonsten überschneiden sich die Motive stark mit denen von Männern.
Seltener, als das Klischee nahelegt. In der Untersuchung nannten nur etwa 32 Prozent sexuelles Verlangen als Grund, während 77 Prozent mangelnde Liebe angaben. Auch beim sexuellen Motiv geht es meist nicht um Sex an sich, sondern um eine bestimmte Häufigkeit oder Art, die in der Beziehung fehlt.
Weil die Motive unabhängig voneinander wirken. Der Wunsch nach Abwechslung, das Bedürfnis nach Selbstbestätigung und situative Gelegenheiten haben mit der Qualität der Beziehung wenig zu tun. Dazu kommt: Geringe Verbindlichkeit war ein eigenständiges Motiv – Zufriedenheit und Verbindlichkeit sind zwei verschiedene Dinge.
Ja, und das ist der praktisch nützlichste Befund. In einer Folgeuntersuchung zeigte sich: Wer aus mangelnder Liebe oder Wut fremdging, hatte längere Affären, die häufiger mit dem Ende der Beziehung endeten. Situative Vorfälle – Alkohol, Gelegenheit – blieben kürzer und führten seltener zur Trennung.
Nur begrenzt. Beeinflussbar sind die beziehungsbezogenen Motive: Vernachlässigung ansprechen, über Sexualität reden, bevor sie zum Problem wird, und Verbindlichkeit klären statt voraussetzen. Andere Motive – Abwechslung, Selbstwert, Gelegenheit – liegen außerhalb dessen, was ein Partner beeinflussen kann.
Nein. Ein Teil der Motive hat mit der Beziehung nichts zu tun, und selbst bei den beziehungsbezogenen Gründen bleibt die Entscheidung eine eigene. Wer nach einer Affäre nach dem eigenen Fehler sucht, findet oft keinen – weil es keinen gibt. Ursachen zu verstehen ist etwas anderes, als Verantwortung zu übernehmen.
In der Untersuchung ja: Bindungsunsicherheit hing mit den emotionalen Motiven zusammen – Wut, mangelnde Liebe, Vernachlässigung, geringe Verbindlichkeit und Selbstwert. Eine offene Einstellung zu unverbindlicher Sexualität hing dagegen mit dem Wunsch nach Abwechslung zusammen, also mit einem Motiv, das über die Beziehung wenig aussagt.
Ja, aber die Chancen unterscheiden sich. Günstiger sind ein einmaliger Vorfall aus situativen Gründen, vollständige Offenlegung und echter Kontaktabbruch zur dritten Person. Schwieriger ist eine lange Affäre aus mangelnder Liebe – dort war die Beziehung meist schon vorher beendet, und die Affäre war eher Folge als Ursache.
Die Salamitaktik: häppchenweise zugeben, was ohnehin herauskommt. Das zerstört mehr Vertrauen als die ursprüngliche Tatsache, weil jede Teilwahrheit die vorherige entwertet. Wer sich entscheidet zu reden, sollte es vollständig tun – und über die Ursache statt über Details.
Ja, und das ist der praktisch nützlichste Befund. Situative Vorfälle – Alkohol, Gelegenheit – führten in der Folgeuntersuchung seltener zur Trennung. Affären aus mangelnder Liebe oder Wut dauerten länger und endeten häufiger mit dem Beziehungsende. Die Frage nach dem Warum ist deshalb keine Grübelei, sondern die relevanteste Information nach einer Entdeckung.
