Rund 13,7 Millionen aktive Nutzer weltweit – Grindr ist die bekannteste Gay-Dating-App der Welt. Wir zeigen, wie sie funktioniert, was ihre bewegte Firmengeschichte damit zu tun hat, und worauf du bei der Anmeldung achten solltest.
Grindr wurde im März 2009 von Joel Simkhai in West Hollywood, Kalifornien, gegründet und war die erste standortbasierte Dating-App überhaupt – lange vor Tinder. Die Plattform richtet sich exklusiv an schwule, bisexuelle, trans und queere Männer. Anders als Parship oder ElitePartner arbeitet Grindr ohne Persönlichkeitstest oder wissenschaftliches Matching, sondern zeigt dir in einem Raster, wer gerade in deiner Nähe online ist.
Dieser Test zeigt, wie das Konzept in der Praxis funktioniert, was Grindr kostet, was du über die Datenschutzgeschichte der App wissen solltest – und für wen sich die Anmeldung eignet.

Wer steckt heute hinter Grindr?
Grindrs Firmengeschichte ist ungewöhnlich bewegt: 2016 verkaufte Simkhai eine Mehrheitsbeteiligung an die chinesische Beijing Kunlun Tech, die das Unternehmen 2018 vollständig übernahm. 2019 stufte die US-Behörde CFIUS (Committee on Foreign Investment in the United States) diesen Besitz als nationales Sicherheitsrisiko ein – Hintergrund waren Berichte, dass Ingenieure in Peking zeitweise Zugriff auf sensible Nutzerdaten hatten, darunter private Nachrichten und HIV-Status. Kunlun musste Grindr daraufhin verkaufen; seit 2020 gehört die App der US-Investorengruppe San Vicente Acquisition Partners. Seit 2022 ist Grindr ein börsennotiertes US-Unternehmen.
Wie Grindr funktioniert
Nach der Anmeldung siehst du ein Raster mit Profilen sortiert nach Entfernung – wer am nächsten ist, erscheint zuerst. Profile lassen sich um Angaben wie Körpertyp, Beziehungsstatus, gesuchte „Tribes“ und optional HIV-Status samt Datum des letzten Tests ergänzen. Die App erinnert Nutzer auf Wunsch alle drei bis sechs Monate an einen HIV-Test – eine der wenigen Dating-Apps mit einer solchen eingebauten Gesundheitsfunktion.
- Profil erstellen: Foto, Kurzbeschreibung, optionale Gesundheits- und Identitätsangaben
- Raster durchsehen: Nutzer sortiert nach Entfernung
- Kontakt aufnehmen: Chat direkt aus dem Profil heraus
- Filter nutzen: je nach Abo-Stufe unterschiedlich umfangreich
Für wen ist Grindr geeignet?
Grindr richtet sich an schwule, bisexuelle, trans und queere Männer, die schnell und unkompliziert Kontakte in ihrer Umgebung finden möchten – von lockerem Kennenlernen bis zu festen Beziehungen ist grundsätzlich alles vertreten, der Schwerpunkt liegt aber auf spontanem, standortbasiertem Kontakt.
| ✅ Passend, wenn … | ❌ Eher nicht, wenn … |
|---|---|
| du als schwuler, bi oder queerer Mann schnelle, standortbasierte Kontakte suchst | du eine strukturierte, wissenschaftlich fundierte Partnersuche erwartest |
| du in einer größeren Stadt lebst, wo die Nutzerdichte hoch ist | du in einem Land lebst, in dem deine sexuelle Orientierung ein Sicherheitsrisiko darstellt – dann prüfe Privatsphäre-Einstellungen besonders sorgfältig |
| dir eine eingebaute HIV-Test-Erinnerung als Gesundheitsfeature wichtig ist | dir maximale Datensparsamkeit sehr wichtig ist – die Datenschutzgeschichte ist nicht makellos |
| du mit einem einfachen Raster statt Matching-Algorithmus arbeiten möchtest | du gezielt Frauen suchst – Grindr ist exklusiv auf Männer ausgerichtet |
Vorteile und Nachteile von Grindr
Vorteile
- ✔Weltweit größte und aktivste Community für schwule, bi und queere Männer
- ✔Eingebaute HIV-Test-Erinnerung als eingebautes Gesundheitsfeature
- ✔Kostenlose Basisnutzung, sofortiger Einstieg ohne langen Fragebogen
- ✔Sehr hohe Reichweite in über 190 Ländern
Nachteile
- ✖2021 mit einer Rekordstrafe der norwegischen Datenschutzbehörde belegt (Weitergabe von Nutzerdaten ohne gültige Einwilligung)
- ✖2018 wurden HIV-Status-Daten zeitweise an Werbepartner weitergegeben, bevor die Praxis gestoppt wurde
- ✖Kein wissenschaftliches Matching – Fokus liegt auf Nähe, nicht Kompatibilität
- ✖Werbung und Funktionseinschränkungen in der Gratis-Version
Die besten Alternativen zu Grindr
Wer eine strukturierte Partnersuche mit Matching-Algorithmus sucht oder eine breitere, nicht ausschließlich auf Männer beschränkte Community bevorzugt, findet in den folgenden etablierten Anbietern eine passende Alternative:
Innerhalb der LGBTQ+-Szene selbst sind Romeo (Community-Charakter, Freundschafts-Modus) und Taimi (inklusiv für alle Geschlechtsidentitäten und Orientierungen) die bekanntesten direkten Alternativen zu Grindr.
Erfahrungen bei Grindr
Was Grindr gut macht
Die schiere Größe der Community ist unschlagbar: In fast jeder größeren Stadt weltweit findest du aktive Nutzer. Die HIV-Test-Erinnerung ist ein durchdachtes, gesundheitsförderndes Feature, das kaum eine andere Dating-App bietet. Der Einstieg ist denkbar einfach – kein langer Fragebogen, sofort sichtbare Profile in der Nähe.
Wo Grindr an Grenzen stößt
Die Datenschutzgeschichte von Grindr ist nicht makellos. Im Dezember 2021 verhängte die norwegische Datenschutzbehörde eine Rekordstrafe von umgerechnet rund 6,5 Millionen Euro, weil Grindr Nutzerdaten – darunter Standort, IP-Adresse, Werbe-ID sowie Alter und Geschlecht – ohne gültige Einwilligung an Werbepartner weitergegeben hatte. Getrennt davon war 2018 öffentlich geworden, dass zeitweise auch der HIV-Status von Nutzern im Klartext an Drittanbieter übermittelt wurde; Grindr stellte diese Praxis danach ein. Wer in einem Land lebt, in dem die eigene sexuelle Orientierung ein Sicherheitsrisiko darstellt, sollte die Privatsphäre-Einstellungen besonders sorgfältig prüfen.
Grindr Bewertungen und Tests
Ein Testurteil von Stiftung Warentest oder DISQ liegt für Grindr nicht vor. Belastbare, unabhängig verifizierte App-Store-Durchschnittswerte ließen sich ebenfalls nicht einheitlich bestätigen. Die Mozilla Foundation stuft Grindr in ihrem Datenschutz-Leitfaden wiederholt kritisch ein, während Community-Größe und Reichweite in nahezu jedem unabhängigen Bericht als unerreicht beschrieben werden.
Preise und Gebühren bei Grindr
Grindr ist grundlegend kostenlos: Profil erstellen, das Raster durchsehen und Nachrichten schreiben sind ohne Abo möglich. Die kostenpflichtige Stufe heißt Grindr Unlimited und schaltet unter anderem unbegrenzte Profilansichten, das Zurückziehen gesendeter Nachrichten und einen Inkognito-Modus frei. Historisch gab es zusätzlich eine Zwischenstufe namens „Grindr XTRA“ für Werbefreiheit und mehr sichtbare Profile.
⚠️ Hinweis zu den Preisen: Konkrete, einheitliche Eurobeträge für Grindr Unlimited ließen sich unabhängig nicht zuverlässig bestätigen, da sie sich nach Laufzeit, Region und Aktion unterscheiden. Prüfe die aktuell gültigen Preise direkt im Bestellprozess über App Store oder Google Play.
Anmeldung bei Grindr
- App herunterladen für iOS oder Android, Mindestalter 18 Jahre
- Registrieren per E-Mail, Apple- oder Google-Konto
- Foto hochladen und Profilangaben ergänzen
- Optional Gesundheits- und Identitätsangaben machen: HIV-Status, Tribes, Pronomen
- Standortzugriff erlauben und das Raster ansehen
Die Anmeldung dauert wenige Minuten.
Gibt es eine Grindr App?

Ja, Grindr ist als App für iOS und Android verfügbar, jeweils kostenlos zum Download. Eine vollwertige Desktop-Website mit gleichem Funktionsumfang gibt es nicht – die App ist der primäre Zugangsweg.
Grindr kündigen
Ein Grindr-Unlimited-Abo verlängert sich automatisch, wenn du nicht rechtzeitig kündigst. Die Kündigung läuft über den App-Store, über den du bezahlt hast.
Kündigung über iOS
- Einstellungen → dein Name (Apple-ID) → „Abonnements“
- Grindr auswählen und auf „Abonnement kündigen“ tippen
Kündigung über Google Play
- Google Play Store → Profilbild → „Zahlungen & Abos“ → „Abos“
- Grindr auswählen und auf „Kündigen“ tippen
⚠️ Wichtig: Kündige rechtzeitig vor dem nächsten Abrechnungsdatum – eine Kündigung nur in der Grindr-App selbst reicht nicht aus, wenn du über einen App-Store bezahlt hast.
Unser Fazit zu Grindr
Grindr bleibt die mit Abstand größte und aktivste App für schwule, bisexuelle und queere Männer weltweit – mit einem einfachen, standortbasierten Konzept und einer durchdachten HIV-Test-Erinnerung als echtem Pluspunkt. Die dokumentierte Datenschutzgeschichte, inklusive einer Rekordstrafe 2021 und der zeitweisen Weitergabe von HIV-Status-Daten 2018, sollte bei der Entscheidung aber mitbedacht werden – besonders für Nutzer in Ländern, in denen die eigene Orientierung ein Risiko darstellt.
- Gegründet 2009 von Joel Simkhai, West Hollywood – seit 2022 börsennotiertes US-Unternehmen nach bewegter Eigentümergeschichte.
- Rund 13,7 Millionen aktive Nutzer weltweit, verfügbar in über 190 Ländern.
- Standortbasiertes Raster statt Matching-Algorithmus, kostenlose Grundnutzung inklusive Nachrichten.
- Eingebaute HIV-Test-Erinnerung als eingebautes Gesundheitsfeature.
- 2021 Rekordstrafe der norwegischen Datenschutzbehörde (ca. 6,5 Mio. €); 2018 zeitweise Weitergabe von HIV-Status-Daten, seither eingestellt.
Empfehlenswert für: schwule, bisexuelle und queere Männer, die schnellen, standortbasierten Kontakt suchen und mit der Datenschutzgeschichte bewusst umgehen.
Besser eine Alternative, wenn: du eine strukturierte, wissenschaftlich fundierte Partnersuche suchst – dann lohnt sich Parship. Für eine LGBTQ+-Community mit stärkerem Fokus auf Freundschaft und Austausch ist Romeo eine Alternative.
Häufige Fragen zu Grindr
Grindr wurde 2009 von Joel Simkhai in West Hollywood, Kalifornien, gegründet. Nach einer zeitweisen Mehrheitsbeteiligung der chinesischen Beijing Kunlun Tech (2016–2020), die 2019 aus Gründen der nationalen Sicherheit durch die US-Behörde CFIUS beendet wurde, gehört Grindr seit 2020 der US-Investorengruppe San Vicente Acquisition Partners. Seit 2022 ist Grindr ein börsennotiertes Unternehmen.
Zwei getrennte Vorfälle: 2018 wurde bekannt, dass Grindr zeitweise den HIV-Status von Nutzern im Klartext an Drittanbieter weitergab; die Praxis wurde danach eingestellt. Im Dezember 2021 verhängte die norwegische Datenschutzbehörde zusätzlich eine Rekordstrafe von rund 6,5 Millionen Euro, weil Grindr Standort-, IP- und weitere Nutzerdaten ohne gültige Einwilligung an Werbepartner weitergegeben hatte.
Ja, die Grundnutzung ist kostenlos: Profil anlegen, das Raster durchsehen und Nachrichten schreiben ist ohne Abo möglich. Die kostenpflichtige Stufe Grindr Unlimited schaltet zusätzliche Funktionen wie unbegrenzte Profilansichten, das Zurückziehen von Nachrichten und einen Inkognito-Modus frei.
Grindr erinnert Nutzer auf Wunsch alle drei bis sechs Monate an einen HIV-Test. Das ist eine der wenigen in eine Dating-App eingebauten Gesundheitsfunktionen dieser Art und wird von Gesundheitsorganisationen grundsätzlich positiv bewertet.
Die Kündigung erfolgt über den App-Store, über den du bezahlt hast – bei Apple über Einstellungen → Abonnements, bei Google Play über Zahlungen & Abos. Eine Kündigung nur in der Grindr-App selbst reicht nicht aus.
Nein. Grindr richtet sich exklusiv an schwule, bisexuelle, trans und queere Männer. Für Frauen, die Frauen suchen, sind spezialisierte Apps wie HER die passendere Anlaufstelle.
