Was ist besser? Ein Haus bauen oder eine gebrauchte Immobilie kaufen?

Der Traum von den eigenen vier Wänden

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16. Juli 2019 - 11:44 Uhr

Trautes Heim - Glück allein. Dieses alte Sprichwort hat in Zeiten extrem günstiger Zinsen nichts an Bedeutung verloren. Viele Menschen wollen den Traum von den eigenen vier Wänden irgendwann verwirklichen. Eines Tages ist es dann soweit. Die Entscheidung für ein eigenes Haus ist gefallen. Und dann stellt sich die Frage, welchen Weg der künftige Hausbesitzer einschlagen soll. Ein neues oder gebrauchtes Haus kaufen, oder sogar selber bauen?

Option 1: Der Hausbau

Hier werden Wohnträume wahr: Das frei geplante Einfamilienhaus
Das frei geplante Haus ermöglicht die größte Individualität
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Wir fangen bei unserer Betrachtung mit der Königsdisziplin an. Die Vorteile eines frei geplanten Hauses liegen klar auf der Hand. Der Bauherr kann gemeinsam mit einem Architekten entscheiden, wie sein Haus aussehen und welche Ausstattung das neue Heim haben soll. Grenzen setzt an dieser Stelle nur der Geldbeutel, das Bauamt und vielleicht noch die Bauphysik. Wer sich für ein frei geplantes Haus entscheidet, muss viele Dinge beachten. Zunächst muss ein geeignetes Baugrundstück her.

Das Baugrundstück

Wer bauen will, braucht zunächt mal ein passendes Grundstück
Mit dem Baugrundstück fängt alles an
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Hier gilt es einige Faktoren zu berücksichtigen. Zunächst muss der künftige Bauherr prüfen, welche Infrastruktur das gewünschte Grundstück bietet und wie diese mit seinen Bedürfnissen übereinstimmt. Er sollte klären, wie der öffentliche Nahverkehr ausgebaut ist. Gibt es einen Autobahnanschluss in der Nähe? Welche Schulen sind vorhanden und wie können die Kinder diese erreichen? Und da man vielleicht nur einmal im Leben baut, sollte man auch bedenken, wie man im Alter in der entsprechenden Gegend zurechtkommt. Gibt es ein passendes Kulturangebot? Sind die richtigen Geschäfte in der Nähe?

Und dann empfiehlt sich auch noch ein Blick in den Bebauungsplan. Hier zeigt sich, was denn überhaupt gebaut werden darf und welche Einschränkungen es gibt. Darüber hinaus ist die Größe des Grundstücks bei der Überlegung ein Haus zu bauen nicht außer Acht zu lassen. Ein großes Grundstück macht mehr Arbeit als ein kleines.

Beim frei geplanten Haus gibt es auf den ersten Blick keine Grenzen. Doch der Blick wird schnell getrübt. Es gibt Unmengen an Vorschriften und Vorgaben, die beim Bau eines Hauses berücksichtigt werden müssen. Hier brauchen Sie einen seriösen, fachkundigen und verlässlichen Partner, der Ihnen bei der Realisation ihres Traumhauses hilft. Das Zauberwort heißt: Architekt. Er wird Sie in allen Fragen der Planung und Umsetzung beraten. Ein seriöser Architekt wird Sie auch bremsen, wenn Ihre Pläne nicht realisierbar sind oder die Budgetgrenzen überschreiten.

Option 2: Fertighaus oder Bauträgerhaus

Weniger Stress dank Bauträgerhaus oder Fertighaus
Fertighäuser oder Bauträgerhäuser sind unkompliziertere Alternativen zum frei geplanten Haus
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Diese Variante des Hausbaus ist etwas unkomplizierter als die des frei geplanten Hauses. Wenn das Baugrundstück vorhanden ist, wird das Fertighaus aufgestellt. Dabei sind die individuellen Gestaltungsspielräume deutlich kleiner. Der Vorteil des Fertighauses liegt auf der Hand. Schnelle Bauzeit und damit die Möglichkeit schnell in das eigene Haus zu ziehen. Ähnliches gilt für ein Bauträgerhaus. Hier kauft man sich den sorgenfreien Hausbau. Der Bauträger übernimmt alles vom Spatenstich bis zur Fertigstellung des Hauses. Der künftige Hausbesitzer übernimmt sein neues Eigenheim nach Abschluss der Bauphase "schlüsselfertig". Auch hier muss der Bauherr weniger organisatorische Hürden überwinden. Aber der Einfluss auf die Gestaltung des Hauses ist geringer.

Die Vorteile beim Hausbau im Überblick

  • Größtmögliche Individualität
  • Das Haus ist beim Einzug völlig unbenutzt
  • Keine Zusatzkosten durch Reparaturen in den ersten Jahren
  • Gewährleistung durch den Bauunternehmer in den ersten Jahren

Die Nachteile beim Hausbau im Überblick

  • Langwierige Grundstückssuche
  • Aufwändige und zeitintensive Organisation (Baugenehmigungen einholen, Suche von Bauunternehmen und Architekt)
  • Hoher Finanzbedarf
  • Belastung für die Familie

Option 3: Ein gebrauchtes Haus kaufen

Alternative zum Neubau: Eine gebrauchte Immobilie
Ein gebrauchtes Haus hat durchaus Vorzüge
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Wer sich für eine gebrauchte Immobilie entscheidet, entscheidet sich organisatorisch für die unkomplizierteste Variante. Das Grundstück ist da und das Haus steht. Das spart Zeit und sorgt für deutlich weniger Stress. Es müssen keine Baugenehmigungen eingeholt werden und man spart den Architekten und die damit verbundenen Kosten. Verzögerungen beim Bau fallen natürlich weg. Im besten Fall ist beim Kauf einer gebrauchten Immobilie lediglich eine Renovierung notwendig. Das beschleunigt den Umzug in die eigenen vier Wände deutlich. Das klingt im Großen und Ganzen nach einer problemlosen Möglichkeit, ein Eigenheim zu bekommen. Es gibt aber auch klare Nachteile.

Zunächst ist die Individualität deutlich beschnitten. Nachträgliche Anpassungen in einem Gebrauchthaus sind oft kompliziert und kostspielig in der Durchführung. Wer dementsprechend ein Haus sucht, das den persönlichen Vorstellungen so nahe wie möglich kommt, muss oft lange suchen. Das kann zermürbend sein. Wer das nicht will, muss sich wiederum auf Kompromisse einlassen. Ob man das will, sollte man sich im Vorfeld des Kaufes gut überlegen. Darüber hinaus muss der Hauskäufer wissen, dass es bei einer älteren Bausubstanz zu unerwarteten Reparaturen kommen kann. Je nach Alter des Hauses kann zum Beispiel die Heizung den Geist aufgeben oder das Dach hält dem nächsten Sturm nicht stand. Dann sind unvorhergesehene Ausgaben notwendig, die man in der Finanzplanung berücksichtigen sollte.

Die Vorteile beim Kauf eines gebrauchten Hauses im Überblick

  • Das Grundstück ist da – das Haus steht
  • Weniger Zeitaufwand als beim Hausbau
  • Schneller Einzug möglich
  • Weniger Belastung für künftigen Hausbesitzer und seine Familie

Die Nachteile beim Kauf eines gebrauchten Hauses im Überblick

  • Das Finden eines passenden Hauses kann sich schwierig gestalten
  • Notwendige Renovierungs- und Modernisierungskosten lassen sich im Vorfeld oft nicht  abschätzen
  • Es muss ein ausreichender finanzieller Puffer vorhanden sein, um Überraschungen abfedern zu können
  • Sanierungen können relativ schnell nach dem Kauf notwendig werden

Welche Option Sie ziehen, ist eine Typfrage

Welcher haustyp Sie sind, hängt auch von Ihren handwerklichen Fähigkeiten ab.
Mit "Eigenleistungen" lässt sich mancher Euro sparen. Ist aber nicht jedermanns Sache.
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Sie sind beruflich stark eingespannt und freie Zeit ist in Ihrer Familie ein sehr hohes Gut? Dann sollten Sie sich sehr genau überlegen, ob Sie wirklich Bauherr werden wollen. Denn der Bau eines Hauses kostet viel Zeit und Nerven. Das kann zur Belastungsprobe für die ganze Familie werden. Hier sollten Sie abwägen, ob Ihnen ein individuelles und frei geplantes Haus diesen Preis wert ist.

Ist das nicht der Fall, wäre vielleicht die Option des Bauherrenmodells besser. Hier müssen Sie sich nicht um die gesamte Organisation kümmern. Das spart Zeit, die Sie mit der Familie verbringen können. Gleiches gilt für den Kauf einer gebrauchten Immobilie.

Und dann ist da noch die Frage nach dem handwerklichen Geschick. Wenn Sie zwei linke Hände besitzen, können Sie beim Neubau eines Hauses mit der sogenannten "Eigenleistung" nicht viel erreichen. Das müssen Sie in der Finanzierung berücksichtigen.

Alle Arbeiten, egal ob am Neubau oder beim Gebrauchthaus, kosten Extrageld. Wissen Sie aber gut mit Hammer, Kelle und Schraubenzieher umzugehen, lässt sich hier viel Geld sparen. Egal welcher Haustyp Sie sind und für welche Art von Haus Sie sich entscheiden, das Wichtigste ist, dass Sie sich seriös beraten lassen. Das gilt natürlich auch für die Finanzierung Ihres Hauses.

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