Wie okay ist "Okay Boomer"?


Wer selber Kinder hat, kennt es nur zu gut. Unterschiedliche Generationen geraten immer wieder in Konflikte miteinander. Wenn grundverschiedene Ansichten aufeinanderstoßen, knallen die Türen und es fallen böse Worte. Oft fehlt es beiden Parteien an gegenseitigem Verständnis und der Bereitschaft, sich in die Gedankenwelt des jeweils anderen hineinzuversetzen. Doch solche Konflikte finden nicht nur innerhalb der eigenen vier Wände und im Kreise der Familie statt. Sie sind zum festen Bestandteil öffentlicher Debatten geworden, in denen sich ältere und jüngere Generationen gegenseitig bekriegen, anstatt an einem Strang zu ziehen und gemeinsame Lösungen zu finden. Zu den älteren Generationen gehören ganz klar die sogenannten Baby-Boomer oder auch kurz Boomer genannt. Ihren Äußerungen entgegnen junge Menschen seit einiger Zeit mit dem Spruch “OK, Bommer“. Doch was genau heißt “OK, Boomer“ eigentlich und wieso zeigt sich die ältere Generation so betroffen von der Phrase?

 

Was sind Boomer?

Als Baby-Boomer oder kurz Boomer werden Menschen bezeichnet, die während einer Zeit geboren sind, in der die Geburtenrate besonders hoch ist. Das war insbesondere nach dem 2. Weltkrieg der Fall. Als die Wirtschaft wieder Fahrt aufgenommen hatte und die Menschen voller Zuversicht ihren Blick auf eine nun hoffentlich bessere Zukunft richteten, beschlossen viele von ihnen Kinder in die Welt zu setzen. Es kam zu einem sogenannten Baby-Boom. Die heutigen Boomer in Deutschland gehören somit etwa den Geburtsjahrgängen 1955 bis 1965 an. In anderen Ländern können diese Geburtsjahre etwas abweichend ausfallen, da der Baby-Boom aufgrund unterschiedlicher Nachkriegsfolgen nicht überall gleichzeitig einsetzte. Das Ende des Baby-Booms läutete die Einführung der Antibabypille als Verhütungsmittel ein und wird auch Pillenknick genannt. Mit Boomer ist also eine ganze Generation gemeint. Der Begriff Boomer wird aber auch für einzelne Personen oder Menschengruppen dieser Generation verwendet. 

 

Wie alt sind Baby-Boomer heute?

Die heutigen Baby-Boomer in Deutschland sind etwa zwischen 55 und 65 Jahren alt. Einige sind schon Großeltern, andere ziehen noch eigenen Nachwuchs groß. Ein Teil der Boomer steht schon kurz vor der Rente, während die später Geborenen noch längst nicht ans Aufhören denken und ihre Karrieren weiter vorantreiben. Obwohl sie nicht mit den technischen Errungenschaften, wie unsere heutige Jugend sie kennt, aufgewachsen sind, sind sie ihnen gegenüber meist aufgeschlossen. Besonders die Singles unter den Boomern melden sich zwecks Partnersuche gerne bei der einen oder anderen Singlebörse an. Aber auch aus beruflichen Gründen können sie nicht darauf verzichten, sich mit Themen wie dem Internet, Sozialen Netzwerken, digitalen Medien oder diversen Computer-Programmen auseinanderzusetzen. Denn für sie ist klar: Baby-Boomer gehören noch längst nicht zum alten Eisen.

 

Gründe für Konflikte zwischen Boomern und jüngeren Generationen

Es gibt zahlreiche Gründe, die zu Konflikten zwischen älteren und jüngeren Generationen führen können. Im privaten Umfeld handelt es sich dabei oft um unterschiedliche Ansichten über Beruf, Familie, den Umgang mit Geld oder auch um Themen wie Freundschaften, Partnerschaft und die Partnersuche. In der Öffentlichkeit sind Streitpunkte häufig Bereiche, die die Politik, die Wirtschaft, die Bildung oder beispielsweise den Umweltschutz betreffen. Aufgrund ihrer beachtlichen Anzahl haben Boomer nicht zuletzt als Wählerschaft, aber auch als Inhaber wichtiger Positionen in Politik und Wirtschaft einen großen Einfluss auf gesellschaftsrelevante Themen. Jüngere Generationen stört es, wenn Boomer ihnen vorwerfen, sie seien faul, undiszipliniert und würden ihre Zeit mit unwichtigen Dingen vergeuden. Zum anderen unterstellen junge Menschen Boomern, sich gegen Neuerungen zu sträuben, starrsinnig an längst überholten Werten festzuhalten und vertreten die Meinung, dass Boomer mitverantwortlich sind für heutige Missstände, die das Klima und unsere Umwelt betreffen. Der Ursprung mancher Konflikte liegt aber sicher auch in den Vorurteilen, die unterschiedliche Generationen gegenüber ihren älteren oder jüngeren Mitmenschen haben. So wird es wohl immer einzelne Personen geben, die andere Menschen aufgrund ihres Alters in eine gewisse Schublade stecken und ihnen bestimmte, für diese Generation vermeintlich typische Verhaltensweisen unterstellen.

 

Woher kommen die Unterschiede zwischen den Generationen?

Jede Generation ist geprägt durch die Zeit, in der sie aufwächst. Politische und wirtschaftliche Ereignisse, aber auch der demografische Wandel oder kulturelle Besonderheiten, die während der Kinder- und Jugendzeit vorherrschen, nehmen Einfluss auf die Denk- und Verhaltensweise einer Generation. Boomer sind in Zeiten einer florierenden Wirtschaft zur Welt gekommen und aufgewachsen und haben einen starken Bezug zur Arbeitswelt. Sie haben kein Verständnis für häufige Stellenwechsel oder Lücken im Lebenslauf. Ganz anders sehen das die jüngeren Generationen. Sie wollen sich ausprobieren, die Welt entdecken und viele unterschiedliche Erfahrungen sammeln. Auch mit Blick auf technische Fortschritte haben Boomer eine ganz andere Prägung erfahren als ihre Nachfolgegenerationen. Sie sind gefordert, mit dem immer höheren Tempo von Neuentwicklungen Schritt zu halten und werden von den Jüngeren häufig belächelt, wenn ihnen das nicht immer problemlos gelingt. Unterschiedliche Lebensbedingungen führen zu unterschiedlichen Wertvorstellungen. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Menschen unterschiedlicher Generationen sehr verschiedene Ansichten haben können.

 

So entspannt sind Baby-Boomer wirklich

In den Augen jüngerer Generationen sind Baby-Boomer engstirnig und altmodisch. Dabei sind Boomer in vielen Bereichen weitaus entspannter, als oft angenommen wird. Beispielsweise bei der Partnersuche nutzen viele Singles unter den Boomern ganz selbstverständlich eine Singlebörse. Das alleine zeigt schon, dass die ältere Generation durchaus neugierig und aufgeschlossen ist und auch die Singles unter ihnen keinesfalls ein einsames und langweiliges Leben fristen wollen. Auch dass sich heutzutage viele ältere Ehepaare noch scheiden lassen, weil sie feststellen, dass sie ihren Lebensabend nicht an der Seite ihres langjährigen Partners verbringen wollen, beweist: Boomer sind mutig und stellen sich der Herausforderung, auch im fortgeschrittenen Alter noch einmal voller Elan durchzustarten. Nicht zuletzt die gute medizinische Versorgung, die weltweite Vernetzung und die vielfältigen Möglichkeiten zu reisen, Neues zu lernen oder seine Freizeit attraktiv zu gestalten, geben Boomern den notwendigen Schwung, um mit jüngeren Generationen in vielfältiger Weise mithalten zu können.

 

Was bedeutet “OK, Boomer“?

OK, Boomer“ ist ein Spruch, der als Erwiderung auf die Aussagen oder Ansichten älterer Generationen gebraucht wird. Meist handelt es sich dabei um Angehörige der Baby-Boomer Generation, deren Meinung mit der Phrase “OK, Boomer“ abgewertet oder ins Lächerliche gezogen werden soll. Anwender der Worte “OK, Boomer“ sind meist Menschen, die jüngeren Generationen angehören und sich damit vom Standpunkt der Boomer distanzieren wollen. Sie empfinden die Aussagen von Boomern häufig als veraltet oder engstirnig. Oft kommt es aber auch vor, dass die Äußerungen von Boomern von jüngeren Generationen als herablassend empfunden werden; nämlich dann, wenn Boomer versuchen, ihnen aufgrund ihres jungen Alters einen Stempel aufzudrücken. Sinngemäß bedeutet “OK, Boomer“ in etwa: „Boomer, deine Meinung zählt nicht.“

 

Woher kommt der Begriff “OK, Boomer“?

Die Phrase “OK, Boomer“ hat sich im Jahr 2019 zu einem wahren Trend entwickelt und ist durch ihre Verbreitung über das Internet zu einem sogenannten Meme geworden. Seine Bekanntheit hat der Begriff “OK, Boomer“ vermutlich hauptsächlich durch die Videoplattform TikTok erlangt. Hier hatten Nutzer den Beitrag eines Mannes, der sich abfällig über die jüngeren Generationen geäußert hatte, mit “OK, Boomer“ kommentiert. Im November 2019 verwendete zudem eine junge Politikerin in Neuseeland die Aussage “OK, Boomer“, um auf den Zwischenruf eines älteren Abgeordneten zu reagieren, der meinte, ihr während ihrer Rede zu einer Klimaschutz-Debatte ins Wort fallen zu müssen. Der genaue Ursprung von “OK, Boomer“ ist aber schwer nachzuvollziehen. Der Begriff ist bereits in den vorangegangenen Jahren vereinzelt im Internet aufgetaucht.

 

Wann die Aussage “OK, Boomer“ zum Einsatz kommt

Jüngere Generation antworten Boomern häufig mit “OK, Boomer“, wenn sie sich von deren Aussagen genervt fühlen. Besonders oft kommt das vor, wenn die ältere Generation sich für ihr Empfinden so darstellt, als wisse sie alles besser oder sich über das Benehmen oder die Denkweise der jüngeren Leute beschwert.

Deshalb antworten Millennials oder Angehörige der Generationen X, Y und Z zum Beispiel auf die folgenden Sprüche mit “OK, Boomer“:

 

    Die jungen Menschen heute wissen nicht mehr, was Respekt bedeutet.

    Früher war noch alles anders.

    Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst, hast du zu tun, was ich dir sage.

    Wir haben für unser Geld noch hart gearbeitet.

    Seht euch an, wie ihr rumlauft mit euren Tattoos, Piercings und der zerrissenen Kleidung.

    Ihr habt doch keine Ahnung.

    Ohne Fleiß kein Preis!

    Als ich in deinem Alter war …

    Ihr habt es doch viel zu gut.

 

Einen weiteren Anreiz mit “OK, Boomer“ zu kontern, sehen jungen Menschen, wenn die ältere Generation sich abfällig über ihre Sorgen und Nöte äußert oder deren Bedeutung herunterspielt.

 

Deshalb zeigt sich die ältere Generation so betroffen von “OK, Boomer

Baby-Boomer sehen sich durch die Phrase “OK, Boomer“ häufig in ihrer Meinung über die jüngeren Generationen bestätigt. Aus ihrer Sicht fehlt es diesen eindeutig an Respekt vor älteren Menschen. Zugleich ärgert sie der Begriff “OK, Boomer“, weil er keine Möglichkeit zur Kommunikation auf Augenhöhe einräumt. Ihre Ansichten werden als falsch, unwichtig oder schlicht veraltet unter den Tisch gekehrt. Der Spruch “OK, Boomer“ eignet sich daher nicht, um Konflikte zwischen unterschiedlichen Generationen zu klären. Vielmehr befeuert er diese zusätzlich, indem er dazu beträgt, die unterschiedlichen Standpunkte weiter zu verhärten. Deshalb ist zu überlegen, ob und wann es tatsächlich angebracht scheint, eine Aussage mit “OK, Boomer“ zu kommentieren. Denn “OK, Boomer“ lässt keine klärende Diskussion zustande kommen, sondern gleicht einem abrupten Abbruch eines Meinungsaustausches. Hier sind alle Generationen gefordert – die jüngeren sowie auch die älteren – einander mit etwas mehr Achtung zu begegnen und mit einem höheren Maß an Toleranz aufeinander zuzugehen.

 

So können Boomer mit “OK, Boomer“ gelassener umgehen

Boomer zeigen sich verständlicherweise von der Aussage “OK, Boomer“ betroffen. Wird ein älteres Mitglied unserer Gesellschaft aufgrund seiner Aussage oder Einstellung mit dem Kommentar “OK, Boomer“ konfrontiert, reagiert es zunächst verärgert und aufgebracht. Doch mit ein wenig Nachsicht und Selbstreflexion kann jeder Boomer versuchen, etwas Verständnis für seine jüngeren Mitmenschen aufzubringen. Man denke nur an seine eigene Jugend zurück. Wie oft hat man selber aufgrund der Aussagen seiner Eltern oder Großeltern die Augen verdreht? Nur war es zu dieser Zeit eben nicht üblich, eine Diskussion mit einem älteren Menschen zu beginnen, da die damalige Definition von Respekt und Anstand es nicht zuließ. Fakt ist: Die Zeiten ändern sich und die Welt befindet sich im stetigen Wandel. Keine Generation wächst unter denselben Bedingungen auf wie die folgende. Daher sollten auch Boomer versuchen, jüngeren Menschen gegenüber mit Offenheit zu begegnen und ihnen zugestehen, dass für sie andere Werte wichtig sind. Schließlich haben sich auch die Lebensbedingungen in den letzten Jahrzehnten verändert und mit ihnen auch die Ansicht, dass der Ältere immer im Recht ist und dass man ihm nicht widersprechen darf.