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Welbecks Hacke streichelt Englands Seele

16.06.12
Die erste Hälfte war umkämpft, weitestgehend aber eher öde.Die erste Hälfte war umkämpft, weitestgehend aber eher öde.
Foto: Reuters

Die englische Nationalmannschaft steht vor dem Einzug ins Viertelfinale. In Kiew gewannn die Briten gegen Schweden nach einer chaotischen wie fantastischen 2. Halbzeit 3:2. In einem Spiel, in dem es hin und her ging, brachte Andy Carroll (23.) England in Führung. Wie ausgewechselt kamen die Schweden aus der Kabine und drehten durch ein Eigentor von Glen Johnson (49.) und den Treffer von Olof Mellberg (59.) die Partie. Doch angeführt von Theo Walcott (65.), der erst selbst traf und dann das Traumtor von Danny Welbeck (78.) vorbereitete, gewannen die Engländer das fast schon verloren geglaubte Spiel und feierten den ersten Pflichtspielsieg gegen ein schwedisches Team.

Wegen des heftigen Unwetters bei der Partie zwischen der Ukraine und Frankreich pfiff Referee Damir Skomina die Partie erst um 21 Uhr an. Auch das Spiel an sich brauchte seine Zeit. Vor 63.000 Zuschauern startete Schweden mit frühem Pressing und setzte die Engländer unter Druck. Die erste Chance hatten dann aber die ‚Three Lions‘: Scott Parker zog in Tipp-Kick-Manier aus der Distanz ab, doch Keeper Andreas Isaksson kratzte den Ball noch aus dem Winkel (7.). Überhaupt probierten es beide Teams nur selten, den Ball vors Tor zu spielen. Beliebtes Mittel blieben alleine Schüsse aus der Distanz. So hatte Sebastian Larsson offenbar eher das Bedürfnis, in der Schuss-Statistik den Ausgleich herzustellen, als die Führung zu erzielen. Sein Schuss aus dem Niemandsland landete unverhofft aber immerhin doch noch in den Armen von Joe Hart.

Mit der Zeit nahmen die Engländer das Heft in die Hand und setzten zunehmend auf hohe Bälle in die Spitze. Nach Flanke von James Millner köpfte ManUnited-Profi Welbeck den Ball am Tor vorbei (15.), bis die Schweden dann das Distanzschuss-Festival fortführten. Zlatan Ibrahimovic packte fast aus dem Stand einen Schuss aus 20 Metern aus – doch Hart freute sich fast darüber, dass er mal was zu fassen bekam (20.).

Drei Minuten später durfte sich der englische Torwart dann auch richtig freuen, denn das Konzept seines Trainers Roy Hodgson ging auf: Beim nächsten hohen Ball in den Sechzehner stand der 1,91 Meter große Andy Carroll - für den Sprinter Alex Oxlade-Chamberlain ins Team gekommen - gefühlte Sekunden in der Luft und setzte den Ball per Kopf unhaltbar ins Netz. Steven Gerrard hatte die maßgeschneiderte Flanke aus dem Halbfeld geschlagen.

Schweden danach am Boden. England durfte sich den Ball durch die Reihen spielen, die ‚Tre Kronor‘ waren vordergründig bemüht, sich vom Schock zu erholen. Es brauchte zehn Minuten, bis Ibrahimovic es wieder von der Strafraumgrenze versuchte, doch abgefälscht landete der Ball wieder recht ungefährlich bei Hart (33.). Das Gefühl, dass die Blaugelben noch vor der Pause einen Treffer erzielen könnten, kam nie auf. Kurz darauf hatte Ashley Young sogar die große Chance auf 2:0 zu erhöhen, doch allein vorm Tor ließ sich der 25-Jährige noch von der gegnerischen Abwehr einholen, ehe er das Spielgerät ans Außennetz bugsierte (36.).

Selbst die Schweden staunen über die Genialität dieses Treffers von Welbeck.Selbst die Schweden staunen über die Genialität dieses Treffers von Welbeck.
Foto: Getty Images/Bongarts
Traumtor von Welbeck
Freudestrunkene Engländer machen heiße Schwedinnen traurig
Traumtor von Welbeck  
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Tor des Turniers für Welbeck

Die Halbzeitansprache des schwedischen Trainers Erik Hamren hatte es offenbar in sich – seine Schützlinge legten mit Feuer los und spielten die Engländer plötzlich an die Wand. Der Mut wurde schnell belohnt: Ibrahimovic setzte einen Freistoß zunächst noch in die Mauer, doch auf unorthodoxe Weise trat der Milan-Stürmer den Ball per Scherenschlag in den Strafraum, wo Mellberg nur noch den Schlappen hinhielt.
Johnson hätte zwar noch retten können, grätschte den Ball aber an den Innenpfosten, von wo aus der Ball ins Tor sprang.

Das Spiel war jetzt ein völlig anderes: Beide Teams gingen mehr Risiko und besonders die Schweden hatten Blut geleckt. Mit vollem Tempo folgte Angriff auf Angriff – und wieder waren es die Skandinavier, die das Tor trafen. Und vor allem war es wieder der 34-jährige Mellberg, der zustach. Ein süß-zarter Freistoß von Larsson landete am Fünfmeterraum, wo der Abwehrchef zum 2:1 für Schweden einnickte. England-Keeper Hart klebte wie festgewachsen auf der Linie.

Beschwerte man sich noch in der Pause über die Trägheit der Partie, kam man nun kaum zum Durchatmen. Der gesperrte Wayne Rooney schaute auf der Tribüne noch sehr traurig drein, als John Terry mit einem Kopfballaufsetzer am glänzend reagierenden Isaksson scheiterte (63.). Dann allerdings schien Keeper Isaksson etwas schläfrig geworden zu sein und schenkte den Lions geradezu den Ausgleich. Walcott, gerade erst für Milner ins Spiel gekommen, schlenzte den Ball aus zentraler Position ebenso zentral aufs Tor. Isaksson schaute ganz interessiert zu, wie der Ball über ihn ins Netz segelte – womöglich war ihm aber auch die Sicht versperrt, wer weiß.

Schweden spielte weiter pausenlos nach vorne. Erst Kim Källström mit einem Schuss übers Tor (75.), dann Ibrahimovic, der am klasse parierenden Hart scheiterte (76.), verpassten die Führung. Den Engländern war es jedoch schließlich vergönnt, dem Spiel mit der Szene des Turniers das Sahnehäubchen aufzusetzen. Walcott setzte rechts im Strafraum zum Turbo an, spielte den Ball in die Mitte und Welbeck streichelte mit dem Rücken zum Tor den Ball per Hacken-Volley ins Netz. Won-der-ful!

In der Nachspielzeit hatte Gerrard nach erneut klasse Vorarbeit von Welbeck per Volleyschuss die Chance, das 4:2 zu erzielen. Isaksson war diesmal jedoch hellwach und hielt das Geschoss aus 3 Metern Entfernung mit seinem Oberkörper. Von Schweden kam bis zum Schlusspfiff nichts mehr.

"Wir haben es umgebogen. Es ist schön von der Bank zu kommen und zu treffen. Das war ganz wunderbar", sagte der starke Walcott. Schweden-Coach Hamren konnte seine Trauer nicht verbergen: "Wir sind sehr enttäuscht. Um zu gewinnen, braucht man auch Glück. Der Unterschied war, dass England heute viel effektiver war als wir. Operation gelungen, Patient tot, so fühle ich mich heute."

Mit dem Sieg springt England auf den 2. Platz hinter Frankreich und braucht im letzten Gruppenspiel gegen die Ukraine nur ein Remis zum Weiterkommen. Die Schweden stehen durch die Niederlage als Heimfahrer fest. Gegen die Franzosen dürfen sie sich eigentlich nur noch zum Wohle des Wettbewerbs mühen.

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