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Vatikan-Bischof kritisiert "Pogromstimmung" gegen katholische Kirche

01.02.13 21:47
"Pogromstimmung" gegen die Kirche?Es gibt eine aufkommende "Pogromstimmung" gegen die katholische Kirche, behauptet Erzbischof Müller.

"Geistliche werden in manchen Bereichen öffentlich angepöbelt"

Er ist nicht irgendwer, sondern der Chef der mächtigen Glaubenskongregation des Vatikans: Erzbischof Gerhard Ludwig Müller hat eine aufkommende "Pogromstimmung" gegen die katholische Kirche kritisiert. Er verwies in einem Interview mit der 'Welt' auf "gezielte Diskreditierungskampagnen gegen die katholische Kirche in Nordamerika und auch bei uns in Europa." Diese hätten erreicht, "dass Geistliche in manchen Bereichen schon jetzt ganz öffentlich angepöbelt werden", sagte Müller.

Nach seiner Ansicht wächst so eine künstlich erzeugte Wut, "die gelegentlich schon heute an eine Pogromstimmung erinnert." Im Internet und auch im Fernsehen würden Attacken gegen die katholische Kirche geritten, deren Rüstzeug zurückgehe auf den Kampf der totalitären Ideologien gegen das Christentum.

Die Kongregation für die Glaubenslehre - kurz Glaubenskongregation - ist die Zentralbehörde der römisch-katholischen Kirche. Ihre Aufgabe ist der Schutz der Kirche vor Häresien, also abweichenden Glaubensvorstellungen. Müller war vor seiner Ernennung zum Präfekten der Glaubenskongregation durch Papst Benedikt XVI. im vergangenen Jahr Bischof von Regensburg.

Zum innerkirchlichen Dialog in Deutschland wie zwischen Bischöfen und kritischen Laien meinte Müller, man müsse dabei auch über das Wesentliche reden "und nicht die gleichen Probleme immer wieder neu auftischen." Das geforderte sakramentale Weiheamt für Frauen beispielsweise sei unmöglich, die katholische Kirche könne auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften nicht akzeptieren. "Solche Partnerschaften sind grundsätzlich in keiner Weise mit den Ehen gleichzustellen." Müller bekräftigte auch, am Pflichtzölibat für Priester festzuhalten, denn deren Ehelosigkeit entspreche "dem Beispiel und dem Wort Jesu".

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Justizministerin: "Vergleiche mit dem Holocaust sind geschmacklos"

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat den Chef der Glaubenskongregation scharf angegriffen. "Vergleiche mit dem Holocaust sind geschmacklos, wenn es um unterschiedliche Auffassungen in unserer Gesellschaft zu aktuellen Fragen wie auch der Rolle der Ehe, Familie und eingetragenen Lebenspartnerschaften geht", sagte Leutheusser-Schnarrenberger der 'Welt am Sonntag'. "Die Katholische Kirche muss sich drängenden Problemen stellen und kann sich nicht durch Verweis auf vermeintliche Sonderstellung ihrer Verantwortung entziehen."

Der Humanistische Verband Deutschlands (HVD) sprach von bizarren Äußerungen des Bischofs. "Es wirkt geradezu grotesk, wenn Müller angesichts der offenkundigen Unfähigkeit seiner Kirche, mit dem jahrzehntelang vertuschten weltweiten sexuellen Missbrauch durch Geistliche in redlicher Weise aufzuräumen, die Kirche in der Rolle eines unschuldigen Opfers sieht", erklärte HVD-Vizepräsident Helmut Fink in einer in Berlin verbreiteten Mitteilung. Die Vergleiche Müllers zeigten wieder einmal, wie fremd der römischen Kirche die Werte der Aufklärung und der offene Umgang mit Kritik auch heute noch seien.

Ein Pogrom ist per Definition die gewaltsame Ausschreitung gegen Menschen, die entweder einer abgrenzbaren gesellschaftlichen Gruppe angehören oder aber von den Tätern einer realen bzw. vermeintlichen gesellschaftlichen Gruppe zugeordnet werden. Häufig sind es politische oder religiöse Gruppen.

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