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Syrien: "Die Toten werden verhöhnt"

23.02.12
Antonia Rados Antonia Rados deckt die Lügen des syrischen Regimes auf.

RTL-Reporterin Antonia Rados berichtet

Jeder weiß inzwischen: Das syrische Regime bringt Frauen und Kinder um - laut Schätzungen der UN bisher über 7.000. Seit heute Morgen wissen wir: Das Regime bringt zusätzlich gezielt Reporter um.

Meine langjährige Kollegin Marie Colvin und der junge französische Fotograf Remi Ochlik wurden bei einem Angriff von der syrischen Armee getötet. Andere Journalisten sind verletzt. Nach Augenzeugen wurde der Unterschlupf der Journalisten in der Stadt Homs gezielt angegriffen.

Marie Colvin traf ich oft. Sie befand sich auf Kriegsschauplätzen wie in der Stadt Homs, um über das Leid der Bevölkerung zu berichten. Das war ihr Job. Sie klagte nicht. Sie wollte nie etwas anders machen. Sie sagte immer, es wäre wichtig, selbst dort zu sein.

Schlimm, wie das Regime in Damaskus nun behauptet, es hätte gar nicht gewusst, dass sich Reporter in Homs befinden. Wenn sie illegal da wären, hätten sie sich bei der nächsten Polizeistation melden müssen! Die Toten werden verhöhnt.

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Die Wirklichkeit sieht so aus

Das syrische Regime lässt kaum Reporter ins Land. Ich hatte fünf Monate gewartet auf ein Visum. Anfang des Jahres hatten mein Team und ich endlich eines bekommen - für vier Tage. In diesen vier Tagen wurden wir in der Berichterstattung behindert, unsere Kamera wurde zerschlagen. Wir wurden in einem Autobus nach Homs gekarrt. Da bekamen wir eine Scheinwelt vorgegaukelt. Regime-Gegner, die mit uns sprachen, wurden als Lügner abgetan. "Die Traumwelt" der syrischen Regierung überzeugt vielleicht den engsten Kreis um Präsident Assad und seine Freunde, sonst niemanden mehr.

Nach meiner Rückkehr wies mich ein Angestellter der syrischen Botschaft in Berlin namens Dr. O. zurecht. Die Bevölkerung sagt, der Mann stehe in Syrien hinter der Regierung. Der Rest seien eben Terroristen. Außerdem, wer waren die Jugendlichen gewesen, die ich in Homs interviewt hatte? Mit anderen Worten: Dr. O spielte auf allen Klavieren. Er wollte Namen der Regime-Gegner.

Inzwischen wurde er in Berlin verhaftet - wegen illegaler Tätigkeit, sprich, er hat angeblich die syrische Opposition in Deutschland bespitzelt, wenn nicht mehr getan.

Einmal mehr zeigt sich, wer die eigene Bevölkerung umbringen lässt, schreckt vor Lügen nicht zurück.

Am Tag, an dem neben Frauen und Kindern in Homs Colvin und Ochlik ihr Leben ließen, würde man sich wünschen, dass Damaskus zumindest schweigt.

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