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Stuttgart 21: Chaos und Blockaden

26.08.10

Foto: dpa bildfunk

Abriss des Kopfbahnhofs hat begonnen

Monatelang haben die Gegner des Milliarden-Bahnprojekts 'Stuttgart 21' vergeblich versucht, den Abriss der Seitenflügel des denkmalgeschützten Hauptbahnhofs zu verhindern. Doch sie geben nicht auf: Als ein Bagger die erste Mauer einriss, sorgten tausende Demonstranten für ein Chaos.

Sie veranstalteten eine Sitzblockade vor dem Bauzaun - einige wurden weggetragen. Am Abend kletterten sieben Aktivisten auf das Dach des Nordflügels und enthüllten ein Protestplakat. Die Gegner wollen dort ausharren, bis Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) den Abriss stoppt. Nach Angaben der Initiatoren protestierten rund 12.000 Menschen in der Stadt, die Polizei sprach von 6.000. Auch am frühen Morgen harrten immer noch "ein paar hundert Demonstranten" aus, wie ein Sprecher sagte.

Im Bahnhof hinderten Demonstranten für rund eine Stunde einen TGV-Schnellzug in Richtung Paris an der Abfahrt. Die Bundespolizei sperrte aus Sicherheitsgründen die daneben liegenden Gleise ab. Es kam zu Verspätungen. Auch in der Stadt kam es zu Behinderungen und Staus durch Blockaden an drei großen Kreuzungen und zwei Bundesstraßen.

Einer der Initiatoren des Protestes gegen das Milliarden-Bahnprojekt, Fritz Mielert, kündigte eine Dauerblockade mindestens bis Freitag an. Mit einer Sitzblockade sollen Demonstranten Lastwagen daran hindern, auf das Gelände zu fahren. Andere noch nicht näher genannte Aktionen sollen in den nächsten Tagen folgen.

Nach Ansicht der Polizei haben die Proteste "ihren friedlichen Charakter verloren". Feuerwehr und Rettungskräfte seien behindert und bedrängt sowie Besucher eines Weinfestes mit Eiern beworfen worden. Zudem seien aus Gruppen von Straßenblockierern Flaschen geflogen.

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Kann der Bahnhof überschwemmt werden?

Unterdessen hat die Forderung eines Mitschöpfers von 'Stuttgart 21' nach dem Stopp des Bahnprojekts für Wirbel gesorgt. Der 85 Jahre alte Architekt Frei Otto, der vor einem Jahr aus der Projektgruppe ausgeschieden war, befürchtete im Magazin 'Stern', dass der Bahnhof überschwemmt werden oder 'wie ein U-Boot aus dem Meer' aufsteigen könnte. Denn die Erde unter Stuttgart sei voller Wasser und Quellen sowie Gipsschichten mit hohem Anhydridanteil.

Die Projektträger wiesen die Vorwürfe als 'Panikmache' zurück. "Die Äußerungen von Frei Otto sind fachlich nicht fundiert und entbehren einer soliden Grundlage", sagte Wolfgang Drexler, Sprecher des Bahnprojekts Stuttgart-Ulm. In Stuttgart seien schon in denselben geologischen Schichten Tunnel gebaut worden und es sei nichts passiert.

Selbst in New York protestierten knapp zehn Deutsche mit Trillerpfeifen und Gegröle auf dem Times Square gegen das Bauvorhaben. Der sogenannte Schwabenstreich fiel damit allerdings deutlich kleiner aus als von Initiator Volker Lösch erhofft. Er hatte mit 20 bis 50 Teilnehmern gerechnet.

Bei dem 4,1 Milliarden Euro teuren Vorhaben wird der Kopfbahnhof in eine unterirdische Durchgangsstation umgewandelt, mit einem unterirdischen Ring an die Zulaufstrecken und mit einem Tunnel an den Flughafen und die Schnellbahnstrecke nach Ulm angebunden. Seit Wochen protestieren tausende Menschen gegen das Milliardenprojekt.

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