Staatsanwältin Inga Engh demaskiert den Massenmörder
20.04.12
Staatsanwältin Inga Beier Engh demontiert Breivik Stück für Stück.Foto: dpa bildfunk
Sie zermürbt Breivik Stück für Stück
Der Prozess gegen den norwegischen Massenmörder Anders Behring Breivik geht heute in die nächste Runde. Im Mittelpunkt steht das Massaker auf der Ferieninsel Utøya. Die Staatsanwaltschaft will herausfinden, wie Breivik dort seine 69 Opfer auswählte. Dabei soll auch sein Weg über die Insel mit jedem einzelnen Opfer nachgezeichnet werden.
In den vergangenen Tagen hatte Staatsanwältin Inga Beier Engh dem 33-jährigen Attentäter den Wind aus den Segeln genommen. Zwar versuchte Breivik auch am Donnerstag einmal mehr, seine widerlichen Taten en detail zu beschreiben, die Anwältin demontierte durch ihre Fragen jedoch die One-Man-Show Breiviks, der allerdings nicht mehr so angeschlagen wirkte.
Bereits am Donnerstagmorgen hatte die Zermürbungstaktik der Staatsanwältin Wirkung gezeigt: Breivik verzichtete erstmals auf seinen rechtsextremen Gruß mit ausgestrecktem rechten Arm. Darum hatten ihn zwar Angehörige auch gebeten, doch vor allem Engh dürfte gehörigen Einfluss auf den zuvor so souveränen Angeklagten haben. Sobald der seine kranken Hirngespinste preisgeben will, griff Engh ein. Die Anwältin zeigt sich von den Schilderungen oft unbeeindruckt, hakt nach und bleibt ruhig, wenn Breivik seine hässliche Fratze der Gewalt zeigt.
Und die kam wieder häufig zum Vorschein: Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er bei seinem Attentat auf der Fjordinsel Utøya bis zu 550 Menschen getötet. "Das Ziel war nicht, 69 Menschen zu töten, das Ziel war, alle zu töten", sagte Breivik. Er habe allerdings bis zum Anschlag auf Utøya geglaubt, dass keiner auf der Insel unter 16 Jahren sei. Es sei für ihn nicht wünschenswert, Kinder zu töten, so Breivik.
Genauso nicht wünschenswert dürfte er das Verhalten finden, dass ihm im Gerichtssaal gegenüber gebracht wird. Staatsanwältin Engh treibt ihn dort immer wieder in die Enge. Sie schafft es, ihn mit ruhigen und gezielten Fragen bloßzustellen. Schweift er aus oder unterbricht sie, fällt Engh ihm ins Wort. "Jetzt rede ich aus, Breivik", hatte sie den Attentäter angeraunt.
In den vergangenen Tagen hatte Staatsanwältin Inga Beier Engh dem 33-jährigen Attentäter den Wind aus den Segeln genommen. Zwar versuchte Breivik auch am Donnerstag einmal mehr, seine widerlichen Taten en detail zu beschreiben, die Anwältin demontierte durch ihre Fragen jedoch die One-Man-Show Breiviks, der allerdings nicht mehr so angeschlagen wirkte.
Bereits am Donnerstagmorgen hatte die Zermürbungstaktik der Staatsanwältin Wirkung gezeigt: Breivik verzichtete erstmals auf seinen rechtsextremen Gruß mit ausgestrecktem rechten Arm. Darum hatten ihn zwar Angehörige auch gebeten, doch vor allem Engh dürfte gehörigen Einfluss auf den zuvor so souveränen Angeklagten haben. Sobald der seine kranken Hirngespinste preisgeben will, griff Engh ein. Die Anwältin zeigt sich von den Schilderungen oft unbeeindruckt, hakt nach und bleibt ruhig, wenn Breivik seine hässliche Fratze der Gewalt zeigt.
Und die kam wieder häufig zum Vorschein: Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er bei seinem Attentat auf der Fjordinsel Utøya bis zu 550 Menschen getötet. "Das Ziel war nicht, 69 Menschen zu töten, das Ziel war, alle zu töten", sagte Breivik. Er habe allerdings bis zum Anschlag auf Utøya geglaubt, dass keiner auf der Insel unter 16 Jahren sei. Es sei für ihn nicht wünschenswert, Kinder zu töten, so Breivik.
Genauso nicht wünschenswert dürfte er das Verhalten finden, dass ihm im Gerichtssaal gegenüber gebracht wird. Staatsanwältin Engh treibt ihn dort immer wieder in die Enge. Sie schafft es, ihn mit ruhigen und gezielten Fragen bloßzustellen. Schweift er aus oder unterbricht sie, fällt Engh ihm ins Wort. "Jetzt rede ich aus, Breivik", hatte sie den Attentäter angeraunt.
Breivik hatte weitere Terrorziele im Visier
Wenn Engh ihn befragt, wirkt es, als spreche sie mit einem Kind. "Ich hoffe eigentlich nicht, dass sich das so anhört", hatte die 41-Jährige diese Beobachtung kommentiert. "Ich spreche in einem freundlichen Ton, so wie mit jedem Angeklagten. Meiner Erfahrung ist, dass ich so mehr aus ihnen herausbekomme." Doch was aus dem Mund des Massenmörders herauskommt, will man schon fast nicht mehr hören, so krank waren – und sind noch immer – seine Gedanken.Ein Beispiel: Sein Hauptziel auf Utøya sei die einstige sozialdemokratische Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland gewesen. Er habe sie vor laufender Kamera enthaupten wollen, weil sie das "attraktivste" Ziel gewesen sei – ein Ziel, das allerdings schon abgereist war, als die Gräueltaten auf der Insel ihren Lauf nahmen.
Engh zeigte sich unbeeindruckt – für Breivik, der sich mit seinen Taten brüsken will, ein Schlag ins Gesicht. Trotzdem ließ er es nicht unversucht, Norwegen und die Weltöffentlichkeit mit neuen Einzelheiten zu schocken: Er habe neben dem Regierungsviertel in Oslo mehrere andere Terrorziele in der engeren Wahl gehabt, darunter das Hauptquartier der Arbeiterpartei, das Regierungsgebäude Stortinget, das Osloer Rathaus und ein Gebäude nahe der Zeitung 'Aftenposten'.
Er habe auch an das königliche Schloss gedacht, das von der Arbeiterpartei für Staatsbesuche genutzt werde. Wichtig sei ihm aber gewesen, der königlichen Familie keinen Schaden zuzufügen. "Ich bin Anhänger der Monarchie", sagte Breivik. Er habe es aber nicht geschafft, mehr als eine Bombe zu bauen. Daher habe er eines der Ziele auswählen müssen.
Mit Computerspielen und Übungen am Schießstand bereitete sich Breivik seiner Aussage zufolge akribisch auf die Bluttaten vor. Seinen Waffen gab er Namen aus der nordischen Mythologie. "Das (halb-automatische) Gewehr hieß Gungnir, wie der magische Speer des Gottes Odin, der nach jedem Wurf zurückkehrt, während ich die Glock (halb-automatische Pistole) Mjölnir nannte, nach dem Hammer von Thor, dem Gott des Krieges", sagte der 33-Jährige.
Als Breivik auf sein 1.500 Seiten langes Manifest zu sprechen kommt, ist es wieder Engh, die zeigt, wer im Osloer Gericht die Oberhand hat. Ob er allem zustimme, was in dem Manifest stehe, fragte sie Breivik. "Nein" antwortete Breivik, der die Inhalte nicht mehr genau kenne – eine Antwort, die die Staatsanwältin nicht auf sich sitzen ließ. "Sie haben 77 Menschen getötet, ohne ganz sicher über das zu sein, was im Manifest stand?", fragte sie ungläubig und brachte Breivik aus der Fassung. Mit dem allermeisten stimme er zu – wohl aber nicht mit der Zermürbungstaktik von Staatsanwältin Engh, die den Massenmörder mehr und mehr demaskiert.
















