Schäuble: S&P hat "nichts begriffen"
16.01.12
Schäuble übt scharfe Kritik an Ratingagentur: S&P hat "nichts begriffen"Foto: dpa bildfunk
S&P: "Wir erfüllen unsere Aufgabe"
Tag eins an den Märkten nach dem Rundumschlag der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P), bei dem die Bonität von neun der 17 Euro-Länder herabgestuft worden war: "Wir erfüllen unsere Aufgabe", erklärte der Leiter der für die Länderratings zuständigen Abteilung von S&P Deutschland, Moritz Kraemer. Diese bestehe im Analysieren von Risiken, und das täten die Ratingagenturen unparteiisch.
Daran hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) allerdings seine Zweifel, und spricht S&P die Unparteilichkeit und auch die nötige aktuelle Sachkenntnis ab: "Ich glaube nicht, dass Standard & Poor's wirklich begriffen hat, was wir in Europa schon auf den Weg gebracht haben", sagte Schäuble. Es gehe den Ratingagenturen um ein "hohes Maß an Werbung" für sie selbst. "Ich habe manchmal mehr den Verdacht, dass die Ratingagenturen, die ja auch in einem Wettbewerb untereinander stehen, natürlich auch um öffentliche Aufmerksamkeit ringen", bewertete der Finanzminister die Entscheidung von 'S&P.
Dennoch, die Herabstufung ist Fakt, Österreich und – noch entscheidender – Frankreich, Europas zweitgrößte Volkswirtschaft, stehen ohne Topnote in Sachen Bonität da. Und ob nun Schäuble Recht hat oder S&P tatsächlich unparteiisch bewertet, die Entscheidung hat Folgen für die Euro-Zone und für Europa. Der Euro geriet zum Börsenauftakt unter Druck und verlor an Wert, nach kurzem Abwärtstrend am Morgen wendete sich das Blatt jedoch.
Die Anleger an den Finanzmärkten gingen überraschend zügig zur Tagesordnung über. Die Aktienbörsen machten ihre Anfangsverluste wett und der Euro erholte sich etwas von seinem Kursrutsch, der am Freitag begonnen hatte.
Daran hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) allerdings seine Zweifel, und spricht S&P die Unparteilichkeit und auch die nötige aktuelle Sachkenntnis ab: "Ich glaube nicht, dass Standard & Poor's wirklich begriffen hat, was wir in Europa schon auf den Weg gebracht haben", sagte Schäuble. Es gehe den Ratingagenturen um ein "hohes Maß an Werbung" für sie selbst. "Ich habe manchmal mehr den Verdacht, dass die Ratingagenturen, die ja auch in einem Wettbewerb untereinander stehen, natürlich auch um öffentliche Aufmerksamkeit ringen", bewertete der Finanzminister die Entscheidung von 'S&P.
Dennoch, die Herabstufung ist Fakt, Österreich und – noch entscheidender – Frankreich, Europas zweitgrößte Volkswirtschaft, stehen ohne Topnote in Sachen Bonität da. Und ob nun Schäuble Recht hat oder S&P tatsächlich unparteiisch bewertet, die Entscheidung hat Folgen für die Euro-Zone und für Europa. Der Euro geriet zum Börsenauftakt unter Druck und verlor an Wert, nach kurzem Abwärtstrend am Morgen wendete sich das Blatt jedoch.
Die Anleger an den Finanzmärkten gingen überraschend zügig zur Tagesordnung über. Die Aktienbörsen machten ihre Anfangsverluste wett und der Euro erholte sich etwas von seinem Kursrutsch, der am Freitag begonnen hatte.
Mehr Geld für Rettungsschirm nötig?
Also alles nur halb so schlimm? Laut Analysten ist die Herabstufung durch S&P eher eine Bestätigung der kritischen Lage als eine weitere Verschlechterung. Sie rufe den Anlegern vor allem in Erinnerung, dass die europäische Schuldenkrise noch einige Zeit andauern wird, sagte Analyst Jacques Cailloux von der Royal Bank of Scotland.Folgen könnte die Entscheidung jedoch für die Planungen der nahen Zukunft in Sachen Rettungsschirm (EFSF) und Stabilitätsmechanismus (ESM) haben. Die Vorgänge vom Freitag zementierten laut Cailloux die Erwartungen, "dass weder der EFSF noch der ESM ihr 'AAA'-Rating halten können". Um die Topnote zu halten, müssten die Länder entweder ihre finanziellen Zusagen erhöhen oder aber eine erheblich geringere Schlagkraft der beiden Rettungsinstrumente akzeptieren. Ohne zusätzliches Geld würde das Volumen des EFSF um 169 Milliarden Euro sinken, das des ESM um 200 Milliarden. Schäuble indes glaubt, dass die Garantien nicht weiter angehoben werden müssen. "Für das, was der EFSF in den nächsten Monaten an Aufgaben hat, reicht der Garantierahmen bei weitem aus."
Unabhängig von den Herabstufungen steht das größte Sorgenkind der Euro-Zone, Griechenland vor einer weiteren schweren Woche. Am Dienstag soll die sogenannte 'Troika' mit Experten der EU, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) ihre Kontrollen der Bücher wieder aufnehmen. Sie prüfen in regelmäßigen Abständen, welche Fortschritte Athen bei der Umsetzung der Auflagen für die internationalen Kredithilfen gemacht hat. Davon hängt die Auszahlung der nächsten Tranche aus dem Hilfspaket ab. Verweigert die Troika die Auszahlung, droht Griechenland in Kürze die Staatspleite.
S&P hält dies für sehr wahrscheinlich. Wegen der hohen Verschuldung werde es "sehr bald" geschehen, sagte der Leiter des Länderbereichs Europa, Moritz Krämer, ‘Bloomberg TV‘.
Außerdem sollen in dieser Woche die Gespräche mit Vertretern des Internationalen Bankenverbands (IIF) zum Schuldenschnitt weitergehen. Den teilweisen Schuldenerlass für Athen sollen private Gläubiger wie Banken, Versicherungen und Hedge Fonds freiwillig schultern. Zugleich ist ihr Engagement aber ein entscheidender Baustein für das zweite, 130 Milliarden Euro schwere Hilfsprogramm für Griechenland. Doch vor allem Hedge Fonds sollen sich Berichten zufolge weigern, bei dem Schuldenschnitt mitzumachen.
















