TV HIGHLIGHT
Rising Star
DO | 20:15
Rising Star
Presenter

Papst-Rücktritt überrascht die Welt und schockt die Kirche

12.02.13 12:46
Papst, RücktrittPapst Benedikt der XVI. am 24. September 2011 bei seinem Besuch in Freiburg.
Foto: dpa bildfunk

"Blitz aus heiterem Himmel"

Es war ein Schock für die katholische Weltkirche: Papst Benedikt XVI. tritt völlig überraschend aus Altersgründen zurück. Zuletzt hatte ein Papst vor mehr als 700 Jahren freiwillig sein Amt niedergelegt. Nach dem Ende seines Pontifikats wird Benedikt in ein Kloster im Vatikan umziehen. Kurienkardinal Angelo Sodano nannte die Ankündigung einen "Blitz aus heiterem Himmel". Weltweit wurde die Entscheidung mit großer Überraschung, aber auch mit höchstem Respekt aufgenommen.

Auf dem Petersplatz in Rom herrschte nach der Ankündigung Benedikts ungläubiges Staunen unter den Touristen und Gläubigen. Italiens Regierungschef Mario Monti nahm die Nachricht erschüttert auf. Die Bundesregierung in Berlin reagierte bewegt und mit Respekt auf die Ankündigung.

Der in den Rücktritt eingeweihte Papst-Bruder Georg Ratzinger nannte die angeschlagene Gesundheit des 85-Jährigen Benedikt XVI. als Grund für dessen Rücktritt. "Das Alter drückt", sagte der 89-Jährige. Sein Arzt habe dem Papst geraten, keine großen Reisen mehr zu unternehmen, sagte Georg Ratzinger. Auch das Gehen bereite seinem Bruder zunehmend Schwierigkeiten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte Benedikt als einen der bedeutendsten religiösen Denker der Gegenwart. "Wenn der Papst selbst jetzt nach reiflicher Prüfung zu dem Entschluss gekommen ist, seine Kraft reiche nicht mehr für die Ausübung seines Amtes, so hat das meinen allerhöchsten Respekt", sagte Merkel in Berlin. Im Zeitalter des immer längeren Lebens könnten viele Menschen nachvollziehen, dass sich auch der Papst mit den Bürden des Alterns auseinandersetzen müsse.

Götterdämmerung im Vatikan
Suche nach neuem Papst beginnt
Götterdämmerung im Vatikan  
Das Konklave
Schwarzer oder weißer Rauch - so funktioniert die Papst-Wahl
Das Konklave  
Die meistgenannten Kandidaten im Überblick
Bildergalerie: Wer wird neuer Papst?
Die meistgenannten Kandidaten im Überblick  
Noch ein Tag voller Gefühle für deutschen Pontifex
Papst Benedikts historischer Abschied
Noch ein Tag voller Gefühle für deutschen Pontifex  
"Ich danke euch von ganzem Herzen"
Die Papst-Rede im Wortlaut
"Ich danke euch von ganzem Herzen"  

"Große menschliche und religiöse Geste"

Bundespräsident Joachim Gauck reagierte sichtlich bewegt auf die Ankündigung. Dafür seien "großer Mut und Selbstreflexion nötig. Beides findet meinen außerordentlichen Respekt", sagte Gauck. US- Präsident Barack Obama dankte Benedikt für die Zusammenarbeit in den vergangenen vier Jahren. Die Kirche spiele eine wichtige Rolle in den USA und in der Welt, sagte Obama. "Und ich wünsche denen das Beste, die bald zusammenkommen werden, um einen Nachfolger auszuwählen."

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, sprach von einer "großen menschlichen und religiösen Geste": "Papst Benedikt gibt aller Welt ein leuchtendes Beispiel wirklichen Verantwortungsbewusstseins und lebendiger Liebe zur Kirche."

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, reagierte mit großem Respekt. Vor allem denke er an die Begegnung mit dem Papst 2011 in Erfurt zurück, wo dieser das Wirken des Reformators Martin Luthers gewürdigt habe, erklärte Schneider.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, würdigte die Verdienste des Papstes um die Zusammenarbeit von Christen und Juden. "Papst Benedikt XVI. hat dem jüdisch-christlichen Verhältnis neue Impulse verliehen und es mit Herzlichkeit erfüllt", sagte Graumann. Die Ditib als größter islamischer Dachverband in Deutschland würdigte den Papst als Förderer des Dialogs unter den Religionen.

Nach der überraschenden Rücktrittsankündigung hat unterdessen eine Debatte über Reformen an der Spitze der katholischen Kirche begonnen. Der erste Rücktritt eines Papstes seit mehr als 700 Jahren könnte die Tür für eine Begrenzung der Amtszeit öffnen. Nach Einschätzung des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) hat Benedikt mit seinem Rückzug einen neuen Standard gesetzt.

Die Rücktrittsentscheidung ist nach Vatikanangaben nicht auf eine akute Erkrankung des Papstes zurückzuführen, sondern schon "vor vielen Monaten" gefallen. Benedikt habe sie nach der langen Reise im März 2012 nach Mexiko und Kuba getroffen, schreibt die katholische Zeitung 'Osservatore Romano'.

In seiner Ansprache sagte Benedikt in lateinischer Sprache, er spüre das Gewicht der Aufgabe, dieses Amt zu führen, habe lange über seine Entscheidung nachgedacht und sie zum Wohl der Kirche getroffen. Wörtlich sagte der Papst: "Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben."