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Neuer Schloss-Herr Wulff startet mit Party

02.07.10
Feier im Schloss Bellevue
Foto: dpa bildfunk

Feier im Schloss Bellevue

Es gab schon Bundespräsidenten, die mit weniger angenehmen Pflichten ins Amt gestartet sind. Keine sechs Stunden nach seiner Vereidigung durfte Christian Wulff bei bestem Wetter das große Sommerfest im Park des Schlosses Bellevue eröffnen. Rund 5.000 Gäste waren da, darunter viel Prominenz. Das Fest gehört jedes Jahr zu den gesellschaftlichen Höhepunkten in Berlin. Und dieses Mal waren die Einladungen besonders begehrt.

Das Musikprogramm - unter anderem mit Alt-Rocker Peter Maffay und mit dem Bundesjugendorchester unter Kurt Masur - ebenso wie die Gäste waren auch noch vom Vorgänger ausgewählt worden. Das neue Staatsoberhaupt und die neue 'First Lady' Bettina Wulff durften jedoch noch eine kleine Handvoll persönlicher Freunde hinzubitten, zum Beispiel die Schauspielerin Veronica Ferres.

Wie alle anderen Ex-Präsidenten war auch Köhler eingeladen, verzichtete jedoch. Wulffs unterlegener Gegenkandidat Joachim Gauck war hingegen dabei. Vor der Wahl hätten sie beide eine Vereinbarung geschlossen, berichtete der neue Präsident: "Wir sind heute Abend hier - egal, wie es ist."

Nach der kurzen Begrüßung ging Wulff auch auf seinen Versprecher beim Amtseid ein, als er nochmals ansetzen musste. "Es ist vielleicht eine Aufregungssekunde gewesen." Als er damit getröstet wurde, dass auch Barack Obama seinen Amtseid verpatzt hatte, entgegnete er: "Das macht mir Mut, dass es noch was werden kann."

In der kommenden Woche wollen die Wulffs die Dienstvilla in Berlin-Dahlem besichtigen, in der die Köhlers ihr Domizil hatten. Dann geht es auch schon mit den offiziellen Terminen los. Als erster Staatsgast ist am Montag der Präsident der Dominikanischen Republik, Leonel Fernández, zu Gast. Recht schnell will Wulff dann auch die ersten Auslandsreisen machen, zur Europäischen Union nach Brüssel sowie nach Frankreich und Polen. Außerdem hofft Wulff auch noch auf eine Reise nach Südafrika - zum 11. Juli, wenn in Johannesburg das WM-Finale ausgetragen wird. Als Präsident hätte er seinen Platz auf der Ehrentribüne sicher. Dafür müssen allerdings die deutschen Kicker mitspielen und sich bis ins Finale durchkämpfen.

Inzwischen stehen auch schon die ersten Personalentscheidungen fest. Neuer Leiter des Präsidialamtes wird der bisherige Chef der niedersächsischen Staatskanzlei, Lothar Hagebölling, einer von Wulffs engsten Vertrauten. Zudem kommt auch Wulff bisheriger Regierungssprecher Olaf Glaeseker mit nach Berlin. Unklar ist noch, in welcher Funktion. Offen ist, was aus dem bisherigen Staatssekretär Hans-Jürgen Wolff wird, dem viele eine Mitschuld an Köhlers frühzeitigem Abgang geben.

Wulff jedenfalls ist sichtlich bemüht, die Stimmung unter den 175 Mitarbeitern im 'Schloss' wieder zu verbessern. "Es ist dort ein wunderbares Klima mit engagierten Mitarbeitern", lobte er. Und fügte zum Schluss der Begrüßungsrede beim abendlichen Sommerfest hinzu: "Die wollen was Gutes tun. Die wollen eine erfolgreiche Präsidentschaft." Präsidialer geht es kaum.

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Versprecher beim Amtseid

Holprige Wahl, verstolperter Amtseid: Der neue Bundespräsident Christian Wulff hat sich bei seiner Vereidigung versprochen und musste ein zweites Mal ansetzen. Ausgerechnet das kleine, aber entscheidende Wörtchen 'ich' war ihm entfallen.

Als er nach der Vereidigung seine erste Rede als Bundespräsident hielt, hatte seine Nervosität ein wenig nachgelassen. Er kündigte an, in seiner Amtszeit Brücken in der Gesellschaft bauen zu wollen, und "Verbindungen zu schaffen: zwischen Jung und Alt, zwischen Menschen aus Ost und West, Einheimischen und Zugewanderten, Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Arbeitslosen, Menschen mit und ohne Behinderung", so Wulff. Auch will sich das neue Staatsoberhaupt für Kinder mit Migrationshintergrund einsetzen und fragte sich und alle anderen: "Wann wird es bei uns endlich selbstverständlich sein, dass unabhängig von Herkunft und Wohlstand alle gleich gute Bildungschancen bekommen"

Besonders will sich Wulff für ein besseres Miteinander der Kulturen engagieren. Die Deutschen müssten offen sein für die Zusammenarbeit mit allen Teilen der Welt. "Dazu müssen wir andere Kulturen besser kennen und verstehen lernen, müssen wir auch hier auf andere zugehen und den Austausch verstärken. Das können wir schon hier bei uns einüben, in unserer Bundesrepublik, in unserer bunten Republik Deutschland."

Wulff verteidigte das Parteiensystem in Deutschland gegen Kritik. Die Parteien und ihre Jugendorganisationen seien "viel besser als ihr Ruf". Er wolle die Menschen dafür begeistern, sich wieder stärker an der politischen Willensbildung zu beteiligen.

Der Bundesregierung bescheinigte Wulff in der Finanz- und Wirtschaftskrise gute Arbeit: "Durch rasche und besonnene Entscheidungen ist es gelungen, die Folgen der Krise deutlich abzufedern." Jetzt müsse dafür gesorgt werden, dass sich solch große Krisen nicht wiederholten. "Darum ist es wichtig, die Verursacher der Bankenkrise in Haftung zu nehmen und den Finanzmärkten endlich gute Regeln zu geben." Dies könne "nur in europäischer und in internationaler Zusammenarbeit gelingen. Das macht die Aufgabe außerordentlich komplex."

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