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Libyen ist nicht Tunesien oder Ägypten

24.02.11
Analyse der politischen Machtverhältnisse
Foto: dpa bildfunk

Analyse der politischen Machtverhältnisse

Saif al-Islam Gaddafi (Bild), Sohn des libyschen Machthabers Muammar Gaddafi hat angesichts der Unruhen einen Kampf bis zum letzten Mann angekündigt.

BLUFFT GADDAFI?

Nein. Seine Sicherheitskräfte könnten tatsächlich bis zum Ende kämpfen, denn sie wissen, dass auch sie um ihr Leben fürchten müssen, wenn ihr Chef gestürzt wird.

Das ist der wichtigste Unterschied zwischen Libyen und den Nachbarstaaten Ägypten und Tunesien: In diesen Ländern kam es zum Sturz, weil das Militär nicht bereit war, auf Zivilisten zu schießen, um die Macht des Staatschefs zu schützen. Das war möglich, weil sich die Streitkräfte in beiden Staaten eine gewisse Autonomie erhalten hatten. Als eigenständige Institutionen besaßen sie noch Ansehen in der Bevölkerung.

IST DAS NICHT EIN REGIONAL BEGRENZTER AUFSTAND?

In Libyen gibt es dagegen kein Militär im landläufigen Sinn, die Armee ist eher Gaddafis persönliche Miliz. Sie wird daher kämpfen, um ihren Status und ihr Leben zu verteidigen.

Bis Sonntagabend wurde Gaddafis Macht tatsächlich nur in der Region um die Stadt Benghasi im Osten infrage gestellt. Das war für ihn eine beherrschbare Situation, weil der Landesteil schon immer ein zwiespältiges Verhältnis zur Zentralregierung hatte. So lange der Aufstand nicht auf das Zentrum und den Westen des Landes übergreift, sehen Experten keine ernste Gefahr für ihn.

Diese Entwicklung ist inzwischen eingetreten. Am Sonntagabend warfen Demonstranten in der Hauptstadt Tripolis Steine auf Porträts von Gaddafi und skandierten "Gott ist groß". Ein Anwohner im Stadtzentrum berichtete von Schüssen. Dass die Gewalt 1.000 Kilometer von Benghasi nach Tripolis übergesprungen ist, zeigt, dass Gaddafi wirklich um seine Macht kämpfen muss.

WIRD SICH GADDAFI DEM INTERNATIONALEN DRUCK BEUGEN?

Das Ausland hat erst mit Verzögerung die Gewalt verurteilt, meldet sich jedoch nun zur Wort. Aber selbst wenn die internationale Wut zu Sanktionen führen sollte, dürfte Gaddafi kaum in Sorge sein: Das hat er alles schon mal durchgemacht. Libyen war jahrzehntelang wegen der Unterstützung von radikalen Gruppen und verbotenen Waffenprogrammen mit Sanktionen belegt.

Zwar haben die Libyer seit dem Ende der Maßnahmen 2004 begonnen, die Früchte des Kapitalismus zu genießen - in Tripolis gibt es keinen Mangel an Läden, die Handys, Sportgeräte und schicke ausländische Autos verkaufen. Zudem haben Öl-Multis wie BP, ENI und Exxon Mobil Milliarden in den libyschen Öl-Sektor investiert.

Allerdings beruht viel von Gaddafis Popularität im Inland auf seinem Ruf als Geißel des Westens. Er könnte sogar davon profitieren, wieder diese Rolle annehmen zu können. Angesichts der Bedeutung der libyschen Ölreserven gilt es vielen ohnehin als unwahrscheinlich, dass die Öl-Konzerne das Land verlassen werden.

Quelle: Reuters

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