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Lehrer saß fünf Jahre unschuldig im Gefängnis

06.07.11 19:48
Horst A. saß unschuldig im GefängnisDer 52-jährige Horst A. hat wegen Vergewaltigung 1.832 Tage im Gefängnis - jetzt wurde bekannt, dass der Lehrer unschuldig ist.

"Geschichte von vorne bis hinten erfunden"

1.823 Tage unschuldig hinter Gittern: Der heute 52 Jahre alte Biologielehrer Horst A. hat wegen Vergewaltigung fünf Jahre Gefängnis abgesessen. Nun stellte das Kasseler Landgericht fest: Der Mann wurde zu Unrecht verurteilt!

Das Gericht sprach den Lehrer vom Vorwurf frei, im Jahr 2002 eine Kollegin vergewaltigt zu haben. "Den Angeklagten sehen wir nachweislich als unschuldig an", sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Dreyer. "Es ist davon auszugehen, dass die Zeugin gelogen und die Geschichte von vorn bis hinten erfunden hat."

So habe die Frau nach der vermeintlichen Tat zum Beispiel eine Tochter erfunden - oder behauptet, ihren angeblich im Koma liegenden Freund zu betreuen, um eine Versetzung zu erreichen. "Sie setzte Lügen gezielt ein, um berufliche Vorteile zu erzielen", so Dreyer. Ein mögliches Motiv für den Vergewaltigungsvorwurf könnte gewesen sein, dass die Frau - ebenfalls Biologielehrerin - an die Stelle ihres Kollegen kommen wollte. Zudem gab es viele Ungereimtheiten in den Aussagen der Frau. Im neuen Prozess hatte sie die Aussage verweigert.

Ihre Anwältin Susanne Renner, die gefordert hatte, das Darmstädter Urteil aufrecht zu erhalten, prüft nun eine Revision. "Das Urteil ist ein Schlag ins Gesicht jeder vergewaltigten Frau", so Renner. Gegen ihre Mandantin ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft Darmstadt wegen Freiheitsberaubung.

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"Die letzten zehn Jahre waren die Hölle"

Das Landgericht Darmstadt verurteilte Horst A. - recht unbeliebt, weil Alkoholiker und aggressiv - 2002 wegen Vergewaltigung zu fünf Jahren Haft. Eine ungewöhnlich hohe Strafe für einen Ersttäter, wie der Vorsitzende Richter aus Kassel am Dienstag befand. Und weil der Lehrer immer wieder seine Unschuld beteuerte und damit als uneinsichtig galt, wurde er nicht vorzeitig aus der Haft entlassen. "Sie haben die ganze Härte des Strafvollzugs kennengelernt", betonte Dreyer.

Verteidiger Hartmut Lierow hatte auch nach der abgesessenen Strafe nicht aufgegeben, neue Beweise gesucht - und gefunden. Der Prozess wurde wieder aufgerollt. In seiner Urteilsbegründung sagte der Richter, das vermeintliche Opfer - damals 36 Jahre alt - habe ein "an sich kaum glaubhaftes Geschehen geschildert".

"Die letzten zehn Jahre waren die Hölle", sagte der Angeklagte in seinem Schlusswort. Der heute 52-Jährige kündigte an, nach dem Urteil "Fragen an das Land Hessen" zu stellen. Dabei könnte es um eine Entschädigung gehen.