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Kinderschänder-Ring: Es waren Akademiker und angesehene Männer

09.09.10
Zwei der Angeklagten schützen sich im Darmstädter Landgericht vor den Kameras der Journalisten.Zwei der Angeklagten schützen sich im Darmstädter Landgericht vor den Kameras der Journalisten.

Auch Babys vergewaltigt

Der Mammutprozess um einen aufgeflogenen Kinderporno-Ring schockiert Deutschland. Neun Männer sind seit Donnerstag in Darmstadt angeklagt, Kinder sexuell missbraucht zu haben und über 100.000 Dateien über eine eigens aufgebaute Internet-Börse ausgetauscht zu haben. Die mutmaßlichen Kinderschänder stammen aber nicht aus den sozialen Schichten, die man erwarten würde – sie sind Ingenieure, Geophysiker mit Doktortitel oder Oberfeldwebel. Der mutmaßliche Drahtzieher ist Versicherungsfachwirt – für ihn will die Staatsanwaltschaft neben einer Haftstrafe eine Sicherungsverwahrung beantragen.

Die beschlagnahmten Bilder und Videos zeigen laut Anklage ein abscheuliches Geschehen. Kinder wurden gefesselt und vergewaltigt, auch Säuglinge sollen dabei gewesen sein. Die Bande habe sich im Netz vollkommen abgeschottet, sagte die Staatsanwaltschaft zum Prozessauftakt vor dem Landgericht.

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Tauschbörse: 500 Nutzer beteiligt

"Die Treffpunkte konnten selbst mit Suchmaschinen wie Google nicht gefunden werden", sagte Oberstaatsanwalt Rainer Franosch beim Verlesen der Anklage. Für die Treffs seien Bezeichnungen wie "Zauberwald" und "Sonneninsel" gewählt worden. Teilnehmer hätten sich Spitznamen wie "Waldmeister" und "Lumpi" zugelegt. Wer dazugehören wollte, habe erst einmal eine Art Aufnahmeprüfung bestehen müssen.

Rund 500 Nutzer sollen beteiligt gewesen sein, etwa 140 von ihnen wurden ermittelt. Gegen sie liefen gesonderte Verfahren, hieß es.

Die Pädophilen waren nach umfangreichen Ermittlungen des Bundeskriminalamtes (BKA) entdeckt worden. Allein bei einem der Angeklagten entdeckten die Fahnder während einer großangelegten Razzia fast 16.000 Dateien. Die Ermittlungen des BKA hatten im Januar 2009 eingesetzt. Als die Beamten dann vor einem Jahr zuschlugen, durchsuchten sie zeitgleich über 160 Objekte in ganz Deutschland. Rund 800 Polizisten waren im Einsatz.

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