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Islam-Äußerung: Gauck löst Debatte aus

01.06.12
Bundespräsident Gauck relativiert Wulff-AussageBundespräsident Gauck hat die Aussage seines Vorgängers Christian Wullf, der Islam gehöre zu Deutschland, relativiert.
Foto: Reuters

Gauck kann Wulff nicht zustimmen

Bundespräsident Joachim Gauck hat Kritik aus der Politik sowie von Moslem- und Türkenverbänden auf sich gezogen. Grund ist die Distanzierung von der Aussage seines Vorgängers Christian Wulff, der Islam gehöre zu Deutschland. Gauck sagte der Wochenzeitung 'Die Zeit', er hätte es anders formuliert: "Die Muslime, die hier leben, gehören zu Deutschland."

Den Satz von Wulff könne er so nicht übernehmen, "aber seine Intention nehme ich an". Wulff habe die Bürger auffordern wollen, sich der Wirklichkeit zu öffnen. "Und die Wirklichkeit ist, dass in diesem Lande viele Muslime leben."

Wulff löste mit seinen Äußerungen 2010 eine heftige Debatte aus. Etliche führende Politiker aus dem Unions-Lager, insbesondere von der CSU, wollten Wulff bei seiner Einschätzung nicht folgen. Interessanterweise hatte nun jüngst Bayerns Finanzminister Markus Söder (CSU) auf dem Kulturfest der staatstreuen türkischen Ditib-Gemeinde in Nürnberg vor etwa 1.000 Zuhörern im Festzelt gesagt: "Der Islam ist ein Bestandteil Bayerns." Damit stellte er sich zum Teil gegen bisherige Äußerungen aus der CSU zum Thema Islam.

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Özdemir: "Kann ich nicht nachvollziehen"

Grünen-Parteichef Cem Özdemir hat mit Unverständnis auf Gaucks Äußerungen reagiert. "Ich kann diese Differenzierung zwischen Islam und gläubigen Muslimen nicht nachvollziehen", sagte Özdemir den 'Ruhr Nachrichten'. Wenn der Bundespräsident erkläre, dass in Deutschland lebende Muslime zu Deutschland gehörten, "dann gehört natürlich auch ihr Islam zu Deutschland", widersprach Özdemir.

Auch muslimische Verbände und die Türkische Gemeinde zeigten sich verärgert über Gaucks Relativierung der Wulffschen Sichtweise. "Das europäische Abendland steht ganz klar auch auf muslimisch-morgenländischen Beinen. Wer das leugnet, betreibt Geschichtsfälschung", sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, der 'Passauer Neuen Presse'. Mazyek räumte aber ein, dass in der Gesellschaft ein großer Gesprächsbedarf zu diesem Thema bestehe.

Die Türkische Gemeinde in Deutschland reagierte in der Zeitung mit Kritik auf die Äußerungen des Staatsoberhaupts. "Ich empfehle Herrn Gauck einen Blick in die Geschichtsbücher: Der Islam gehört zur Geschichte Europas und Deutschlands", sagte deren Vorsitzender Kenan Kolat. "In den Debatten der Historiker besteht daran überhaupt kein Zweifel."

Zustimmung bekam Gauck aus den Reihen der CSU. Generalsekretär Alexander Dobrindt verteidigte die Islam-Äußerungen des Bundespräsidenten. "Gauck hat eindeutig die richtigen Worte gefunden", sagte Dobrindt. "Deutschland ist ein christlich geprägtes Land mit einer christlichen Historie und einer christlich-fundierten Werteordnung."

Das Gespräch mit Gauck wurde vor dessen Reise nach Israel und in die Palästinensergebiete geführt, die am Donnerstag zu Ende ging. Der Bundespräsident sagte, der Satz von Kanzlerin Angela Merkel, das Existenzrecht Israels gehöre zur deutschen Staatsräson, "kommt aus dem Herzen meiner Generation".

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