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Great Barrier Reef in Gefahr: Wissenschaftler starten einzigartiges Rettungs-Projekt

16.06.12
Niels Büngen, Great Barrier Reef, Rettungs-ProjektNiels Büngen ist für RTL vor Ort und berichtet über das einzigartige Projekt zur Rettung des Great Barrier Reefs.

RTL-Reporter Niels Büngen berichtet aus Australien

Es ist ein Naturparadies der Superlative, das Great Barrier Reef an der Ostküste Australiens. Mit einer Größe von rund 350.000 Quadratkilometern ist es der einzig lebende Organismus, den man aus dem Weltall sehen kann. 3.000 einzelne Riffe formen einen Lebensraum, der so auf der Welt einmalig ist. Doch mit dem Paradies geht es langsam zu Ende: Die Unesco macht sich ernsthafte Sorgen: Der Kohle- und Gasboom, sowie der Tourismus könnten das Riff auf die Liste der bedrohten Welterbestätten bringen, erklärte die Unesco erst vor wenigen Tagen.

Für die Wissenschaftler ist es ein Wettkampf gegen die Zeit. Um das Naturparadies zu retten, haben die Forscher einen einzigartigen Versuch gestartet: Sie haben eine tiefgefrorene Samenbank für Korallen angelegt, und wollen so das Riff retten.

Um die Forscher zu treffen, reise ich nicht an das Riff, sondern in das Landesinnere Australiens. Mehr als eintausend Kilometer vom Naturparadies entfernt liegt der Ort Dubbo. Hier, im Taronga Western Plain Zoo, treffe ich die Biologin Nana Satake.

Sie führt mich in ein unscheinbares Labor am Rand des Zoos. Ich bin erstaunt: Hier soll also das größte Korallenriff unseres Planeten gerettet werden...

Nana zeigt mir drei etwa ein Meter große Tanks. Sie sind gefüllt mit flüssigem Wasserstoff und einem wahren biologischen Schatz: Tiefgefrorene Korallenspermien und Korallenembryos.

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Touristen bedeuten Stress für das Riff

Die Forscher haben vorher ausgesuchte Korallen vom Riff entfernt und diese im Labor laichen lassen. Die gewonnenen Spermien haben sie dann tiefgefroren, bei minus 196 Grad. “Bevor das Great Barrier Reef komplett verschwindet, versuchen wir so viele Zellen wie möglich zu retten. So können wir dann das Riff nachproduzieren", erklärt mir Satake. Sie und ihre Kollegen haben erst zwei von bis zu 500 Korallenarten untersucht. Doch die Zahlen sind schon jetzt unglaublich: Etwa 90 Milliarden Spermien und Embryozellen lagern in den Labors hier im Zoo.

Für die Wissenschaft ein weltweit einzigartiges Projekt. Doch das scheint auch nötig, um eines der letzten Naturparadiese zu retten – Bedrohungen gibt es genug: Zwei Millionen Touristen bringen jedes Jahr zwar Milliarden Dollar ins Land, bedeuten gleichzeitig aber auch Stress für die empfindliche Unterwasserwelt. Die größte Gefahr für die Tiere ist jedoch der steigende Schiffsverkehr. Australien ist der größte Kohle-Exporteur der Welt und die Minen Industrie boomt. Geplant sind Projekte im Wert von umgerechnet 60 Milliarden Euro: Riesige Häfen sollen am Rande des Riffs entstehen. Das Land will bis Ende des Jahrzehnts seine Kohle-Exporte sogar verdoppeln.

Doch die Tiere leiden schon jetzt: Im vergangenen Jahr wurden fünfmal so viele tote Schildkröten wie im Jahr zuvor angespült. Auch die sensiblen Korallen sind irgendwann mit der Verschmutzung einfach überfordert, sagt Satake: "Bis zu einem gewissen Grad sind die Korallen immun. Aber wenn wir es übertreiben, davon können sie sich nie mehr erholen."

Eines Tages, so erklärt mir die Wissenschaftlerin, wollen sie ihre gefrorenen Korallenembryos aussetzen und damit das Riff wieder aufforsten. Damit das Great Barrier Reef eines der sieben Weltwunder unserer Erde bleibt.

Die australische Regierung hat bereits reagiert: Vor kurzem hat Umweltminister Burke ein Milliarden Kohle-Projekt am Great Barrier Reef erst einmal auf Eis gelegt.

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