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Gesundheitsminister Bahr stellt "Nationalen Krebsplan" vor

22.08.12
Gesundheitsminister Bahr, Nationaler Krebsplan,Mit dem neuen Gesetz von Gesundheitsminister Bahr (FDP) sollen nun auch flächendeckende Krebsregister eingeführt werden.
Foto: dpa bildfunk

Herausforderung durch demographischen Wandel

Jeder vierte Todesfall in Deutschland war 2008 auf Krebs zurückzuführen. Insgesamt erlagen 215.440 Menschen der Tumorerkrankung. Trotz aller Bemühungen im Kampf gegen die heimtückische Krankheit gibt es Jahr für Jahr mehr Krankheitsfälle. Mit dem Gesetzentwurf zum "Nationalen Krebsplan", den das Bundeskabinett heute verabschiedet hat, soll sich das ändern.

Durch das "richtungsweisende" Gesetz sollen Vorsorge und Therapien verbessert werden, außerdem sollen flächendeckend sogenannte klinische Krebsregister eingeführt werden. "Mit den vorgelegten Regelungen werden richtungsweisende strukturelle Maßnahmen zur Verbesserung der Krebsfrüherkennung und der Qualität in der onkologischen Versorgung auf den Weg gebracht", sagte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) der 'Rheinischen Post'. Das Gesetz muss von Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden. In Kraft treten soll es laut Bundesgesundheitsministerium wohl Anfang nächsten Jahres.

Die Schritte seien notwendig, "da Deutschland wie vergleichbare Industrienationen angesichts des demographischen Wandels vor wachsenden Herausforderungen in der Krebsbekämpfung" stehe.

Umfangreicher als bisher sollen die Bundesbürger künftig zur Früherkennung eingeladen werden. Regelmäßig sollen Erinnerungen zu Darm- und Gebärmutterhalskrebs-Untersuchungen ins Haus flattern. Ein entsprechendes Programm gibt es heute nur zur Brustkrebs-Früherkennung. Doch wie effizient ist die Krebsvorsorge tatsächlich? "Die Früherkennung wird total überschätzt", sagte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach zu 'tagesschau.de'. Viel wichtiger sei die Vorbeugung wie Sport, gesundes Essen und die Aufklärung über Krebsrisiken und all das werde im "Nationalen Krebsplan" ausgeklammert, so Lauterbach weiter.

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Einführung eines flächendeckenden Krebsregisters

Ein weiterer wichtiger Eckpunkt des neuen Gesetzes ist eine Verbesserung beim Daten-Austausch der Kliniken untereinander. Hierfür sollen die unterschiedlichen klinischen Krebsregister vereinheitlicht werden und bestehende Lücken geschlossen werden. Erfasst werden sollen die Daten hunderttausender Patienten zu Diagnose, Behandlung bis zu Nachsorge und Rückfällen. Ziel ist es, Therapien zu überprüfen, Verbesserungen zu ermöglichen und die Qualität in weniger erfolgreichen Kliniken zu steigern. Schließlich ist nicht jedes Krankenhaus bei der Krebsbehandlung gleich erfolgreich.

Vom Grundsatz her sieht Lauterbach die Idee positiv, gleichzeitig kritisiert er jedoch die dezentrale Verwaltung der Daten. "Krebsdaten seien wichtige Daten und müssten an einer zentralen Stelle erfasst werden, um allen den Zugriff zu erleichtern, sagte Lauterbach. So "stehen die Daten nur Wissenschaftlern und der Politik zur Verfügung, aber nicht der allgemeinen Bevölkerung." Schließlich wollen die Menschen doch wissen, wie hoch das Krebsrisiko in einer bestimmten Region ist oder wie die Ergebnisse bestimmter Kliniken ausfallen. Laut Lauterbach müssten diese Daten der Bevölkerung zeitnah anonymisiert zur Verfügung gestellt werden.

Die Deutsche Krebsgesellschaft nennt die geplante Vereinheitlichung und Ergänzung der bestehenden Register positiv. "Es muss primär darum gehen, dass man die Patientendaten mit einer Bundesbetrachtung auswerten kann", sagte Generalsekretär Johannes Bruns. "Von vielen lernen ist leichter als von wenigen." Gerade bei den Krebsarten mit weniger großen Fallzahlen reichten regionale Register allein nicht aus. Schnell kommen die Verbesserungen bei den Daten wohl nicht. Laut Bruns müssen erst die Krankenkassen die Details erarbeiten, dann müssten die Vorgaben umgesetzt werden.

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