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Fall Mirco: Die ganze Soko hat geweint

08.05.11
Soko-Chef Ingo Thiel.Soko-Chef Ingo Thiel umgeben von zahlreichen Journalisten.

Am Ziel monatelanger Arbeit

Polizeipräsidium Mönchengladbach vor genau 100 Tagen: Alle Augen sind auf Ingo Thiel gerichtet, als er den Raum betritt. Tosender Applaus von den Journalisten, die in Scharen zur Pressekonferenz gereist sind. "Was ist denn hier los?" Der Soko Mirco-Chef ist sichtlich nervös, man merkt: Das alles hier ist nicht sein Ding.

Dabei ist er am Ziel von monatelanger Sisyphusarbeit angekommen. Mircos Mörder sitzt hinter Gittern. Denn Ingo Thiel hat nie sein Ziel aus den Augen verloren, auch als viele an ihm und seiner Arbeit zu zweifeln begannen. "Wir kriegen ihn", war sein Mantra und das Versprechen an die Eltern des kleinen Mirco (10) aus Grefrath. Über Wochen hatte sein Team von zeitweise fast 80 Ermittlern nichts in der Hand, und trotzdem ließ Thiel sich nie von seiner Überzeugung abbringen. "Wir haben hoch gepokert und immer gesagt: Wir kriegen ihn! Heute darf ich Ihnen mitteilen: Wir haben ihn!"

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"Alle haben geweint"

Sichtlich bewegt schildert er, wie Olaf H. sich Mirco als Stressventil suchte, sich offenbar an ihm verging und ihn dann kaltblütig ermordete. In den letzten fünf Monaten gab es für den Soko-Chef nichts anderes als den Fall Mirco. Seit der Junge am 3. September verschwand, haben er und sein Team unermüdlich nach ihm und seinem Entführer gesucht. "Wir sind Familienväter und -mütter, wir wollen Mircos Familie Gewissheit über das Schicksal ihres Jungen geben", schrieb Thiel den Grefrathern am 25. Tag der Suche. Und in den folgenden 120 Tagen versprach er immer wieder: "Wir kriegen ihn mit Ihrer Hilfe und unserer Arbeit!"

Den Journalisten verrät er später, dass das ganze Team geweint habe, als er es darüber informiert habe, dass Mircos Leiche gefunden wurde. "Außer zwei. Diese zwei waren aber nicht da.“ Dabei hat er Tränen in den Augen stehen.

Kaum ist die Pressekonferenz beendet, strömen die Fernsehteams auf Thiel zu. Vor lauter Mikros kann man ihn nur noch hinter der Pressemeute vermuten. Ein Interview nach dem anderen, ständig die gleichen Fragen- Thiel ist genervt, bleibt aber freundlich. Auch ich habe noch Fragen an ihn, doch an ein Herankommen ist nicht zu denken. Überall Mikros und Kameras.

Irgendwann höre ich Ingo Thiel fast flehen: "Können wir nicht draußen weitermachen? Ich muss dringend eine rauchen!" Eine Minute später stehe ich mit einem Ingo Thiel vor der Tür, von dem nun anscheinend eine riesige Last abgefallen ist. Die Pressekonferenz hat er hinter sich gebracht, die Journalisten ziehen sich langsam zurück.

Lesen Sie auf Seite 2: Was wird aus der Täterfamilie?

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