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Explosive Stimmung nach Mursi-Sieg in Kairo

24.06.12

RTL-Reporterin Antonia Rados berichtet aus Kairo

Die Stimmung in Ägypten ist explosiv - die Armee in Alarmbereitschaft: Denn ein Islamist wird Ägyptens erster frei gewählter Präsident. Der Kandidat der Muslimbrüder, Mohammed Mursi, setzte sich in der Stichwahl mit knappem Vorsprung gegen den früheren Luftwaffenchef Ahmed Schafik durch.

Damit behaupteten die religiös konservativen Muslimbrüder ihre führende Position auch in der Präsidentenwahl. Nach Angaben der staatlichen Wahlkommission vereinigte der Kritiker des früheren Mubarak-Systems rund 52 Prozent der Stimmen auf sich. Das neue Staatsoberhaupt soll am 1. Juli sein Amt in dem bevölkerungsreichsten arabischen Land antreten.

Ein Jahr nach den Sturz des Mubarak- Regimes sind die Revolutionäre von einst enttäuscht, das Volk ist tief gespalten. RTL-Reporterin Antonia Rados hat den Tag auf dem Tahir-Platz in Kairo miterlebt.

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Mursi: "Ihr seid alle meine Familie"

Indes hat Mursi in einer ersten Ansprache konziliante Töne angeschlagen. In der am Sonntagabend vom staatlichen Fernsehen ausgesendeten Rede bezeichnete er sich als "Präsident aller Ägypter", versprach die Einhaltung aller internationaler Verträge und würdigte mit gefühlvollen Worten die Revolution vom Januar und Februar 2011, die den Sturz des Langzeitherrschers Husni Mubarak bewirkt hatte.

Ausführlich ging Mursi zu Beginn der Ansprache auf die mehr als 800 Menschen ein, die während des 18-tägigen Aufstands gegen Mubarak von den Sicherheitskräften getötet worden waren. "Die Freiheit hatte eine hohen Preis", sagte er. "Ich verspreche, dass ich alles tun werde, dass das Blut der Märtyrer nicht vergeblich vergossen wurde." Die Muslimbruderschaft hatte an den damaligen Protesten keinen nennenswerten Anteil.

"Muslime oder Christen, Männer oder Frauen, Alte oder Junge, (...), ihr seid alle meine Familie", erklärte er. Die Unabhängigkeit der Justiz müsse garantiert werden. Die Armee bezeichnete er als "historische Institution", die von allen geachtet werde. Auch die Angehörigen der Polizeikräfte seien "Brüder aller Ägypter". Nur wer beim Vorgehen gegen die Anti-Mubarak-Proteste Schuld auf sich geladen hat, müsse "entsprechend dem Gesetz bestraft werden".

Auf dem Tahrir-Platz in Kairo wurde der Wahlsieg Mursis von Zehntausenden Anhängern bejubelt. Hochrufe brandeten auch nach der Fernsehansprache auf, die auf dem Platz mitverfolgt wurde.

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