Eurokrise: Was kommt noch auf uns zu?
07.09.11
Auf die Lehman-Pleite folgte eine WeltwirtschaftskriseFoto: dpa bildfunk
Wir beantworten die wichtigsten Fragen
Das europäische Schuldendrama beschäftigt die Öffentlichkeit wie sonst nur große Naturkatastrophen. Und das, nachdem der Schock der Lehman-Pleite und der folgenden Weltrezession gerade erst halbwegs verdaut ist. Im Jahr zwei nach der globalen Rezession wächst die Sorge, dass das EU-Schuldendebakel weiter eskaliert und die Weltwirtschaft in den Abgrund reißt.
Dabei war zum Beispiel eine gute Nachricht, dass die deutschen Banken den jüngsten europäischen Stresstest bis auf die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).bestanden haben. Einziger Sonderfall unter den ursprünglich 13 deutschen Kandidaten:
Dennoch macht vielen Menschen mit Blick auf ihren eigenen Geldbeutel und die Ersparnisse Angst, dass sie keine verlässlichen Vorhersagen zu hören bekommen. Wir versuchen, die wichtigsten Fragen zu beantworten und mögliche Szenarien zu beleuchten.
Wird der Euro jetzt zum Spielball an den Märkten - ist der Wert der Währung bedroht?
Der Wert des Euro könnte tatsächlich verfallen, wenn die Schuldenkrise weiter eskaliert. Allerdings hat der Euro bisher im Laufe dieses Jahres im Verhältnis zur US-Währung sogar deutlich gewonnen und wird mit zurzeit über 1,40 Dollar relativ hoch bewertet. Experten erwarten, dass das auch so bleibt, weil das Vertrauen in den Dollar noch auf absehbare Zeit angeschlagen sein wird. Die Erfahrung zeigt, dass wir selbst mit einem deutlich niedrigeren Kurs gut leben können: In den Jahren nach der Euro-Einführung war der Euro schließlich bis auf etwa 0,83 Dollar abgesackt - ohne eine Katastrophe auszulösen. Ein niedriger Eurokurs kann sogar Vorteile haben, weil Exporte in den Dollarraum damit billiger werden. Im Gegenzug werden allerdings in Dollar abgerechnete Importe teurer; das würde vor allem viele Rohstoffe und Energielieferungen betreffen.
Muss man sich um den Wert des Euro also gar keine Sorgen machen?
“Ein Euro ist ein Euro“, hat der erste Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), der Niederländer Wim Duisenberg, immer wieder gesagt. Er meinte damit, dass der Wechselkurs, also der “Außenwert“ des Euro, nicht das wichtigste ist. Entscheidend ist der “Binnenwert“, also die Kaufkraft der eigenen Währung. Duisenbergs Nachfolger, Jean-Claude Trichet, betont stets, dass Inflation vor allem der breiten Masse der Bevölkerung, Rentnern und ärmeren Menschen schadet. In dieser Hinsicht kann der Euro eine gute Bilanz vorweisen: “Der Euro ist bislang deutlich stabiler als es die D-Mark war“, bilanziert der Bundesverband deutscher Banken. Im Durchschnitt betrug demnach die Inflationsrate in Deutschland seit Euro-Einführung weniger als 2 Prozent jährlich - gegenüber 2,8 Prozent in der rund 50 Jahre währenden D-Mark-Ära.
Dabei war zum Beispiel eine gute Nachricht, dass die deutschen Banken den jüngsten europäischen Stresstest bis auf die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).bestanden haben. Einziger Sonderfall unter den ursprünglich 13 deutschen Kandidaten:
Dennoch macht vielen Menschen mit Blick auf ihren eigenen Geldbeutel und die Ersparnisse Angst, dass sie keine verlässlichen Vorhersagen zu hören bekommen. Wir versuchen, die wichtigsten Fragen zu beantworten und mögliche Szenarien zu beleuchten.
Wird der Euro jetzt zum Spielball an den Märkten - ist der Wert der Währung bedroht?
Der Wert des Euro könnte tatsächlich verfallen, wenn die Schuldenkrise weiter eskaliert. Allerdings hat der Euro bisher im Laufe dieses Jahres im Verhältnis zur US-Währung sogar deutlich gewonnen und wird mit zurzeit über 1,40 Dollar relativ hoch bewertet. Experten erwarten, dass das auch so bleibt, weil das Vertrauen in den Dollar noch auf absehbare Zeit angeschlagen sein wird. Die Erfahrung zeigt, dass wir selbst mit einem deutlich niedrigeren Kurs gut leben können: In den Jahren nach der Euro-Einführung war der Euro schließlich bis auf etwa 0,83 Dollar abgesackt - ohne eine Katastrophe auszulösen. Ein niedriger Eurokurs kann sogar Vorteile haben, weil Exporte in den Dollarraum damit billiger werden. Im Gegenzug werden allerdings in Dollar abgerechnete Importe teurer; das würde vor allem viele Rohstoffe und Energielieferungen betreffen.
Muss man sich um den Wert des Euro also gar keine Sorgen machen?
“Ein Euro ist ein Euro“, hat der erste Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), der Niederländer Wim Duisenberg, immer wieder gesagt. Er meinte damit, dass der Wechselkurs, also der “Außenwert“ des Euro, nicht das wichtigste ist. Entscheidend ist der “Binnenwert“, also die Kaufkraft der eigenen Währung. Duisenbergs Nachfolger, Jean-Claude Trichet, betont stets, dass Inflation vor allem der breiten Masse der Bevölkerung, Rentnern und ärmeren Menschen schadet. In dieser Hinsicht kann der Euro eine gute Bilanz vorweisen: “Der Euro ist bislang deutlich stabiler als es die D-Mark war“, bilanziert der Bundesverband deutscher Banken. Im Durchschnitt betrug demnach die Inflationsrate in Deutschland seit Euro-Einführung weniger als 2 Prozent jährlich - gegenüber 2,8 Prozent in der rund 50 Jahre währenden D-Mark-Ära.
Was ist mit dem deutschen Aufschwung - und meinen Aktien?
War unser Geld nicht trotzdem früher sicherer?Eindeutig nein - und die Europäische Zentralbank garantiert, dass das auch so bleibt. Die durchschnittliche jährliche Inflationsrate im Euro-Währungsgebiet betrug in den vergangenen zwölf Jahren 1,97 Prozent, in Deutschland sogar nur 1,5 Prozent. In den 1990er Jahren - also vor der Euro-Einführung - wurde in Deutschland im Schnitt eine jährliche Preissteigerung von 2,2 Prozent verzeichnet und in den 80er Jahren lag die Teuerungsrate bei 2,8 Prozent. Die D-Mark war die ’teuerste’ Währung im Zeitalter vor der Euro-Einführung. Fast alle anderen Währungen der heutigen Eurozone, hatten über die Jahre an Wert zur D-Mark verloren - zum Teil sogar kräftig. Für die deutschen Exporteure war dies immer wieder ein Riesenproblem. Dies ist mit der Euro-Einführung Geschichte. Er Euro belastet eher die Volkswirtschaften, die früher weichere Währungen hatten.
Aber frisst die aktuelle Teuerung nicht unser Geld auf?
Bis zu einem gewissen Grad ja. Schließlich bieten Banken für Spareinlagen derzeit in der Regel weniger als 2,0 Prozent Zinsen. Damit sei die Realverzinsung negativ, rechnet Commerzbank-Experte Eugen Weinberg vor: Im Mai lag die Jahresteuerung in Deutschland bei 2,3 Prozent - und damit zum vierten Mal in Folge über der kritischen Warnschwelle von 2,0 Prozent. Wer sein Geld vor dem Wertverfall schützen will, könne daher in Rohstoffe oder Gold investieren, rät er.
Bremst die Inflation den deutschen Aufschwung?
Das wird sich zeigen. Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) erwartet für Deutschland in diesem Jahr eine Inflation von 2,3 Prozent. Die Teuerung dürfte rund einen dreiviertel Prozentpunkt höher ausfallen als noch vor einem halben Jahr erwartet, berichtet der Verband. Die zusätzliche Teuerung dämpfe zwar die Konsumkonjunktur und verringere die Kaufkraft pro Haushalt um knapp 300 Euro des verfügbaren Einkommens in diesem Jahr. Da die Konjunktur aber brummt und sich der deutsche Arbeitsmarkt erfreulich entwickelt, werde der Konsum in diesem Jahr dennoch mit mehr als 1 Prozent stärker zulegen als 2010 (0,4 Prozent).
Müssen wir uns schon wieder auf eine Rezession einstellen - und was geschieht dann?
Viele Volkswirte haben schon zu Jahresbeginn 2011 die Schuldenkrise als die größte Gefahr für die Weltwirtschaft beschrieben. Als Auslöser eines Abschwungs sind derzeit drei mögliche Wege denkbar: Die ohnehin angeschlagenen Krisenländer in Europa - neben Griechenland, Irland und Portugal auch die beiden großen Ökonomien Spanien und Italien - schaffen die Wende nicht; das könnte auch die Lokomotive Deutschland auf Dauer nicht ausgleichen, eine Abwärtsspirale käme in Gang. In der Folge der Schuldenkrise könnten auch Banken in Europa und den USA in Schwierigkeiten geraten, von denen heute noch niemand etwas ahnt - und eine ähnliche Kettenreaktion wie nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers wäre möglich. Und schließlich stellen die USA mit ihrer gigantischen Staatsverschuldung ein weiteres Pulverfass dar. Sollte die gesetzliche Schuldengrenze in Amerika bis Anfang August nicht höher gesetzt werden, droht der Supermacht erstmals Zahlungsunfähigkeit und eine Abstufung durch die mächtigen Ratingagenturen - mit unabsehbaren Folgen für das Weltfinanzsystem.
Was ist, wenn ich Aktien habe: Droht denn ein Crash an der Börse?
Genaue Vorhersagen sind nicht möglich. Aber es gibt Erfahrungen aus der Vergangenheit: Negative Nachrichten zur Schuldenkrise haben zuletzt immer wieder für Rückschläge am Aktienmarkt gesorgt. Aber noch setzt sich der Aufwärtstrend durch. «Der Gewinntrend für den deutschen Aktienmarkt zeigt nach oben», weil die Unternehmen immer noch sehr günstig bewertet seien, schreibt die Commerzbank in ihrem wöchentlichen Marktüberblick. Das könnte sich erst ändern, wenn die Schuldenkrise auch in den USA weiter eskaliert und die Wirtschaft in eine neue Rezession treibt, so war es zumindest bei der Finanzkrise. Damals war der Deutsche Aktienindex von einem Rekordstand über 8.100 Punkten Mitte 2007 bis unter 4.000 Punkte Anfang 2009 abgestürzt. Derzeit rangiert der Dax in der Größenordnung von 7.200 Punkten.
















