Ein Jahr Bufdi: Soziales Engagement ist cool
29.06.12
Ein Jahr gibt es den Bundesfreiwilligendienst nun schon. Und die erste Bilanz fällt positiv aus.Foto: dpa bildfunk
Die ungeheure Lust, etwas für andere zu tun
Selbst die größten Optimisten haben nicht damit gerechnet – dass junge Menschen einmal Schlange stehen würden, um freiwillig soziale Arbeit zu verrichten. Nach einem Jahr Bundesfreiwilligendienst (BFD) hat Familienministerin Kristina Schröder (CDU) eine positive Bilanz gezogen. Mit rund 50.000 Bufdis seien alle Erwartungen übertroffen worden. "Uns ist es hervorragend gelungen, die historische Chance für den Ausbau von freiwilligem Engagement in Deutschland zu nutzen", sagte die Ministerin. Was bisher über Dienstpflicht liefe, funktioniere jetzt über Freiwilligkeit. "Das ist eine politische Sensation."
Nach der Aussetzung der Wehrpflicht zum 1. Juli 2011 hatte der Bundesfreiwilligendienst den Zivildienst abgelöst. Die Befürchtungen waren groß, dass es durch den Wegfall der Zivildienstleistenden zu Beeinträchtigungen in sozialen und medizinischen Bereichen kommen würde. Dabei reichen die Stellen für die zahlreichen Bewerber nicht aus. "Junge Menschen haben ungeheure Lust, ein Jahr lang für andere was zu tun", sagt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes.
Doch es sind längst nicht nur Junge, die die Bereitschaft sich für andere einzusetzen als sinnvolle Herausforderung begreifen. 20 Prozent sind älter als 50 Jahre. Es ist der Schreinermeister im Ruhestand, der in der Kita mit den Kindern Vogelhäuser baut oder die pensionierte Lehrerin, die bei den Hausaufgaben hilft. Das freiwillige Engagement bei sozialen Einrichtungen kann bis zu 24 Monate dauern und wird mit bis zu 336 Euro im Monat honoriert. Bei den meisten ist es aber wohl eher das Gefühl gebraucht zu werden, etwas Gutes getan zu haben.
Nach der Aussetzung der Wehrpflicht zum 1. Juli 2011 hatte der Bundesfreiwilligendienst den Zivildienst abgelöst. Die Befürchtungen waren groß, dass es durch den Wegfall der Zivildienstleistenden zu Beeinträchtigungen in sozialen und medizinischen Bereichen kommen würde. Dabei reichen die Stellen für die zahlreichen Bewerber nicht aus. "Junge Menschen haben ungeheure Lust, ein Jahr lang für andere was zu tun", sagt Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes.
Doch es sind längst nicht nur Junge, die die Bereitschaft sich für andere einzusetzen als sinnvolle Herausforderung begreifen. 20 Prozent sind älter als 50 Jahre. Es ist der Schreinermeister im Ruhestand, der in der Kita mit den Kindern Vogelhäuser baut oder die pensionierte Lehrerin, die bei den Hausaufgaben hilft. Das freiwillige Engagement bei sozialen Einrichtungen kann bis zu 24 Monate dauern und wird mit bis zu 336 Euro im Monat honoriert. Bei den meisten ist es aber wohl eher das Gefühl gebraucht zu werden, etwas Gutes getan zu haben.
Wer verlängern will, hat schlechte Karten - das Budget ist ausgeschöpft
Es ist cool, "aber sau anstrengend", meint Matthias Raschke (19 Jahre), den bei der Lebenshilfe Aachen alle nur Matze nennen. Bei ihm war es keine Frage von Lust. Er hatte nichts anderes, als er den Realschulabschluss nachholen wollte und dann hinschmiss. Seine behinderten Kollegen haben Routine in ihrem Job: Brötchen belegen, Kaffee kochen. Kein Problem, dass schaffen sie alleine, aber sie brauchen seinen Überblick in der Küche, brauchen seine Aufmerksamkeit. Sie erzählen von ihren Problemen, von Zuhause und selbst die spezielle Zeichensprache von Severin, der am Down-Syndrom leidet, versteht Matze mittlerweile.Andere Bufdis wollen Lebenserfahrung sammeln, wie Lukas Hauptmann, der seinen Dienst im Uniklinikum München in der Abteilung Nieren- und Lungenpatienten absolviert. In aller Frühe muss er aufstehen, was ihm manchmal schwer fällt. Trotzdem geht er jeden Tag gerne zur Arbeit. "Man lernt so viel über Menschen", sagt der 17-Jährige.
Aber im August ist Schluss. In der Pflege verdiene er zu wenig, schließlich wolle er einmal Familie haben. Sein Pflegedienstchef, Alfred Holderied, bedauert das, denn es ist "äußerst bitter, wenn wir auf eingearbeitete Helfer verzichten müssen." Doch selbst wenn Lukas verlängern wollte, hätte er schlechte Karten, weil das Budget ausgeschöpft ist.
Das scheint auch das eigentliche Problem des Bundesfreiwilligendienstes zu sein. Eine Aufstockung der Stellen ist zurzeit nicht möglich. "Leider haben die Haushaltspolitiker aller fünf Bundestags-Fraktionen übereinstimmend gesagt, dass im Moment keine zusätzlichen Mittel vorhanden sind", bilanziert die Familienministerin.
















