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Drogenbeauftrage Dyckmans fordert Raucherentwöhnung als Kassenleistung

28.12.12 15:11
Raucherentwöhnung als Kassenleistung Drogenbeauftrage DyckmansKrankenkassen sollen Arzneimittel für die Tabakentwöhnung bezahlen.
Foto: dpa bildfunk

Keine Verschärfung der Anti-Raucher-Pläne der EU

Wer versucht das Rauchen aufzugeben, hat es als erstes mit einem Nikotinentzug zu tun. Viele geben aber nach kurzer Zeit wieder auf. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, will Rauchern daher den Entzug erleichtern. Sie fordert, dass Raucher Arzneimittel für die Tabakentwöhnung erstattet bekommen.

Die Krankenkassen sollten laut Dyckmans für die Rauchentwöhnung bezahlen und künftig neben der ärztlichen Tabakentwöhnungsbehandlung auch Medikamente bezahlen, die die Sucht nach Nikotin unterdrücken. Dyckmans rechtfertigt ihre Forderung mit dem großen Kostenvorteil für Krankenkassen, wenn ein Versicherter mit dem Rauchen aufhört.

Die FDP-Politikerin sieht dagegen keine Notwendigkeit, die Pläne der EU-Kommission zur Eindämmung des Rauchens auf nationaler Ebene noch zu verschärfen, beispielsweise durch die in Australien vorgeschriebenen Einheitsverpackungen oder ein Verbot des Herstellerlogos. "Ein Verbot von suchtfördernden Zusatzstoffen und auffällige Warnhinweise sind aus meiner Sicht geeignete Schritte, damit künftig weniger Menschen zur Zigarette greifen", sagte Dyckmans.

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Kassen dürfen Entwöhnungs-Medikamente gar nicht zahlen

Bei den Kassen stieß die Forderung auf Ablehnung. Das sei den Kassen ohnehin per Gesetz verboten, sagte der Sprecher des Spitzenverbands der Gesetzlichen Krankenversicherung, Florian Lanz. Wenn die Politik das ändern wolle, müsse sie zuerst das Gesetz ändern.

Lanz betonte, die Kassen förderten seit jeher Schritte, um Versicherte beim Verzicht auf das Rauchen und bei der Reduzierung des Zigarettenkonsums zu unterstützen. Dabei gehe es um psychologische Beratung, Bewegung und Ernährung. Arzneimittel zur Raucherentwöhnung oder auch Nikotinpflaster dagegen gehörten nicht in ein solches Konzept, so Lanz.

Aus dem Bundesgesundheitsministerium hieß es ebenfalls, es sei nicht erlaubt, dass Kassen Präparate gegen das Rauchen zahlen. "Der Gesetzgeber hat das ausgeschlossen", sagte ein Sprecher. "Wenn man das ändern wollte, müsste man gesetzliche Anpassungen vornehmen." Dem Ministerium liege dazu aber kein konkreter Vorschlag der Drogenbeauftragten vor.

Auch die Nichtraucher-Initiative Deutschland kritisierte Dyckmans Vorschlag als Verbeugung vor der Pharmaindustrie. Die Drogenbeauftragte tue zu wenig für die Prävention. "Lieber lässt sie die Solidargemeinschaft dafür bezahlen, dass die Tabakindustrie Produkte verkaufen darf, die süchtig und krank machen, und die Pharmaindustrie durch den Verkauf von Medikamenten profitieren kann", beklagte der Verein. "Wenn schon Medikamente bei der Tabakentwöhnung zum Einsatz kommen sollen, dann soll sie der Verursacher bezahlen: die Tabakindustrie."

In Deutschland rauchen insgesamt rund 15 Millionen Frauen und Männer ab 15 Jahren. Das geht aus dem jüngsten Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung hervor.