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Digitaler Nachlass: Wie setzt man seinem Online-Leben ein Ende?

08.09.10

Foto: dpa bildfunk

Nahezu jeder verfügt über einen E-Mail-Account, man bestellt Bücher und CDs bei Versandhäusern, und wenn man will, kann man sich vom Scheitel bis zur Sohle per Mausklick einkleiden. Ganz zu schweigen von diversen Konten, die man sich bei sozialen Netzwerken à la Facebook und Twitter angeschafft und mit buntem Allerlei wie Partyfotos und Erinnerungen an den letzten Urlaub bestückt hat. Doch was passiert mit der Cyberspace-Bürokratie, mit dem Wirr-Warr an Passwörtern und Daten, wenn der Besitzer stirbt?

Antworten auf diese Frage haben eigens dafür geschaffene Internetagenturen parat, die nun als virtuelle Bestattungsunternehmen fungieren, indem sie den digitalen Nachlass nach dem Tod verwalten. Unternehmen wie 'Deathswitch’, 'Legacy Locker’ in den USA, 'LastPost’ in Großbritannien und 'Mywebwill’ in Schweden wollen dafür sorgen, dass Passwörter, Zugangsdaten, Bankkonten und sonstige virtuelle Daten im Todesfall an die Personen verschickt werden, die der Kunde hinterlegt hat. Einen makaberen Beigeschmack mögen solche Geschäftsmodelle haben. Trotzdem scheinen sie die logische Konsequenz für ein Leben zu sein, das sich immer mehr im Internet abspielt: "Wer eine private oder gar geschäftliche Website oder einen Blog betreibt, möchte gegebenenfalls klären, wie es damit weitergehen soll,“ erklärt Marco Hamburger, Gründer der deutschen digitalen Nachlassverwaltungsfirma 'idivus’, RTL.de. "Bildersammlungen, nicht nur auf Facebook, können für Familie und Freunde auch einen sentimentalen Wert haben, der erhalten werden soll. Es mag viele Gründe geben die Online-Daten zu erhalten – oder zu löschen. Doch dazu muss man erst einmal Zugriff drauf haben,“ so Hamburger weiter.

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Firmen versprechen die sicherer Verwahrung von digitalen Daten

'Deathswitch’ versucht regelmäßig seine Kunden per E-Mail zu erreichen. Die digitale Post ist mit einem Link versehen, den der Empfänger dringend anklicken sollte. Tut er dies nicht, geht die Firma davon aus, dass ihr Klient gestorben ist und beginnt, den Verwandten die letzten Botschaften des Kunden zuzusenden. Ein längerer Aufenthalt an Orten ohne Internetzugang könnte demnach schnell in einem Desaster und Nervenzusammenbrüchen seitens der Verwandten enden.

'Legacy Locker’ geht etwas anders vor: Die Homepage verspricht einen "sicheren und verlässlichen Weg, Ihre Accounts an Ihre Freunde und Ihre Lieben weiterzugeben“. Um festzustellen, ob der Besitzer der virtuellen Konten tatsächlich gestorben ist, geht die Firma systematisch vor: Wenn jemand den Tod eines Nutzers meldet, versucht ‚Legacy Locker’ zunächst Kontakt aufzunehmen. Erfolgt keine Reaktion, müssen bestimmte Angehörige den Tod bestätigen und schließlich eine beglaubigte Kopie der Sterbeurkunde vorlegen. Pro Jahr kostet der Service 39 Dollar. Hat der Kunde vor, noch etwas länger als zehn Jahre zu leben, bietet sich eine Einmalzahlung an: 300 Dollar für den Service bis ans Lebensende.

Das deutsche Erbrecht hinkt der digitalen Entwicklung noch hinterher. Zwar gibt es klare Regeln dafür, was passiert, wenn jemand Haus und Hof hinterlässt, über das digitale Erbe steht jedoch nichts in den Gesetzbüchern: "Die Gesetze sehen für die heutige Wirklichkeit im Internet oft keine passenden oder interessengerechten Lösungen vor", erzählt Carsten Ulbricht, Rechtsanwalt für Themen über Web 2.0 und Social Media, 'Spiegel-Online'. "Noch ist die Internetgemeinde jung,“ sagte Theologin Birgit Janetzky 'stern.de’, "aber spätestens in zehn Jahren werden sich mehr Menschen Gedanken darüber machen, was aus ihrem digitalen Nachlass wird.“ Schon jetzt merke sie in ihrer Arbeit mit Bestattern, dass das Thema zunehmend an Bedeutung gewinnt. In der Branche werde eifrig nach Methoden gesucht, mit denen man auf digitale Todesfälle reagieren kann. Trotzdem steht man noch ganz am Anfang.

Louisa Kommer

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