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Debatte um "Negerlein" in Kinderbüchern

14.01.13 15:52
Otfried Preußler-BücherAnlass für die sprachliche Politur ist die Neuauflage von drei Otfried Preußler-Klassikern.
Foto: dpa bildfunk

Klassiker werden überarbeitet

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) sorgte kürzlich für Aufsehen mit der Aussage, dass sie beim Vorlesen für ihre kleine Tochter Kinderbuchpassagen, in denen Begriffe wie Negerlein vorkommen, entschärfen will. Daraufhin ist eine scharfe Diskussion entbrannt. Muss klassische Jugendliteratur heute politisch korrekt sein?

Die Meinungen darüber gehen stark auseinander. "Uns geht es nicht um Political Correctness. Es geht darum, Begriffe auszutauschen, die Kinder heute nicht mehr verstehen", sagt Verleger Klaus Willberg zur Ankündigung des Stuttgarter Thienemann-Verlags, die Klassiker zu überarbeiten. Um das Werk von einer Generation zur nächsten zu transportieren, müsse es sprachlich angepasst werden. Und das gelte eben auch für kritische Bezeichnungen wie Neger.

Anlass für die sprachliche Politur ist die Neuauflage von drei Otfried Preußler-Klassikern zum bevorstehenden 90. Geburtstag des Autors. In seinem Werk 'Kleine Hexe' zum Beispiel heißt es: "Aber die beiden Negerlein waren nicht vom Zirkus, und ebensowenig die Türken und Indianer. Auch die kleinen Chinesinnen und der Menschenfresser, die Eskimofrauen, der Wüstenscheich und der Hottentottenhäuptling stammten nicht aus der Schaubude. Nein, es war Fastnacht im Dorf!"

Ein Vater hatte sich beklagt, dass seine dunkelhäutige Tochter einen so beleidigenden Begriff in einem ihrer Lieblingsbücher lesen müsse. Familie Preußler stimmte daraufhin den Änderungen zu. Als die Änderung angekündigt wurde, brach ein Sturm der Entrüstung über den Verlag herein.

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Auch Enid Blytons 'Fünf Freunde' unter der Lupe

Bereits 2009 hatte der Hamburger Oetinger-Verlag aus Pippi Langstrumpfs Vater einen "Südseekönig" statt eines "Negerkönigs" gemacht. In älteren Ausgaben hatte der Verlag zwar das alte Wort stehen lassen, aber mit einer Fußnote darauf hingewiesen, dass es heute so nicht mehr verwendet wird. Auch das Wort "Zigeuner" sei 2009 gestrichen worden, nachdem die Erben Astrid Lindgrens den ausländischen Lizenznehmern Textänderungen gestattet hatten.

Der Verlag cbj in München hat die 'Fünf Freunde' von Enid Blyton unter den Fittichen. Für Änderungen und neue Bände gebe es strenge Regeln, erläutert Pressesprecherin Renate Grubert. Aus den frühen Werken, die noch von Blyton selbst verfasst wurden, habe man vor allem die "Schwarze Pädagogik" verbannt. "Ohrfeigen und Prügel sollten Kindern heute fremd sein. Sie sollen wissen, dass sie sich dagegen unbedingt wehren dürfen", sagt sie.

"Es ist eine Gratwanderung", sagt Stephanie Jentgens, Vorsitzende des Arbeitskreises für Jugendliteratur, der den Deutschen Jugendliteraturpreis verleiht. Ihr komme es übertrieben vor, wenn an einzelnen Wörtern gefeilt werde. "Wörter, über die Kinder stolpern, sind ein guter Anlass, um darüber zu sprechen."

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