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Cholera-Epidemie in Haiti: Wettlauf gegen die Zeit

26.10.10
Nach der Erdbeben-Katastrophe wird Haiti jetzt von der Cholera heimgesucht - hunderte Menschen starben bisher.Nach der Erdbeben-Katastrophe wird Haiti jetzt von der Cholera heimgesucht - hunderte Menschen starben bisher.
Foto: dpa bildfunk

Zahl der Infizierten steigt nur langsam

Obwohl in Haiti bereits mehr als 250 Menschen an Cholera gestorben sind, sehen staatliche Stellen Anlass zur Hoffnung. "Die Tendenz geht in Richtung Stabilisierung", sagte Gabriel Timothée vom Gesundheitsministerium laut Radio 'Metropole'. "Wir können aber noch nicht sagen, ob wir den Höhepunkt überschritten haben." Bis Montag waren nach Angaben der Regierung 253 Menschen an der hochansteckenden Krankheit gestorben, 3.115 sind infiziert.

Regierung und Vereinte Nationen, die Haiti seit 2004 mit einer 10.000 Mann starken Stabilisierungsmission helfen, hatten befürchtet, dass die in der vergangenen Woche unerwartet ausgebrochene Cholera auf die Hauptstadt und vor allem die Obdachlosenlager der Erdbebenopfer übergreifen könnte. Das war bis Montag dank der Maßnahmen der seit dem Erdbeben im Januar in Haiti tätigen internationalen Hilfsorganisationen nicht der Fall.

Bislang wurden nur fünf aus dem Infektionsgebiet L'Artibonite eingeschleppte Fälle entdeckt und isoliert. In Port-au-Prince und anderen vom Erdbeben zerstörten Städten wie Léogâne und Petit Goâve errichten die Hilfsorganisationen derzeit Krankenstationen mit speziellen Quarantäne-Abteilungen. Noch sei die Hauptstadt nicht bedroht, sagte Imogen Wall, Sprecherin des Büros der Vereinten Nationen zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA). "Unser Reaktionssystem hat funktioniert, aber offenkundig ist das eine sehr besorgniserregende Entwicklung."

Die Betroffenen seien isoliert worden und würden behandelt. In Port-au-Prince werde daran gearbeitet, die sanitären Bedingungen zu verbessern und Quarantäne-Zonen einzurichten. Nach Angaben Walls fehlt es weiterhin an medizinischem Personal. Präsident René Preval und die Gesundheitsbehörden forderten die Menschen auf, sich mit hygienischem Verhalten vor der tödlichen Krankheit zu schützen.

Nun verstärkt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) seine medizinische Hilfe in Haiti. Vor allem in Port-au-Prince sollen die Menschen unterstützt werden, um ein Übergreifen der Seuche auf die Hauptstadt zu verhindern, wie in Berlin mitteilte. Es gehe jetzt darum, den Ausbruch einer Cholera-Epidemie in den Lagern in Port-au-Prince zu verhindern, sagte Peer Kölling, der in Haiti den DRK-Hilfseinsatz koordiniert, laut der Mitteilung. In einem DRK-Behandlungszentrum in der Hauptstadt könnten täglich bis zu 250 Patienten behandelt werden.

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Weiteres Erdbeben in Haiti droht

Ausgebrochen war die Cholera am vergangenen Dienstag im Department L'Artibonite rund 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt Port-au-Prince. Innerhalb kürzester Zeit starben 140 Menschen, über 1.000 infizierten sich, vor allem, weil sie die Krankheit nicht kannten. Das Krankenhaus in der Stadt Saint-Marc an der Küste war dem Ansturm der Verzweifelten und Sterbenden nicht gewachsen.

Auch am Montag rief Präsident René Préval die Bevölkerung auf, nur abgekochtes oder gereinigtes Wasser zu trinken, sich möglichst oft die Hände zu waschen und auf Hygiene zu achten. In den Obdachlosen- Camps wurden zusätzliche Waschmöglichkeiten geschaffen sowie Seife und Desinfektionsmittel verteilt. Aus den USA und Kanada werden weitere Hilfsgüter wie Zelte und spezielle medizinische Ausrüstungen,
aber auch Ärzte und medizinisches Personal herangeschafft.

Die Behörden vermuten, dass nach den Regenfällen der vergangenen Wochen Latrinen überliefen und das bakterienverseuchte Wasser in den Fluss Artibonite gelangte. Die Cholera ist für Haiti eigentlich untypisch. Eine Epidemie hat es in dem Land nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation seit über 100 Jahren nicht gegeben.

Viele Camps in Port-au-Prince gelten als besser versorgt als die verarmten ländlichen Gebiete und verfügen durch die internationale Hilfe in der Regel über sauberes Trinkwasser. Allerdings gibt es nach wie vor viele Lager, in denen katastrophale hygienische Zustände herrschen.

Bei dem Erdbeben am 12. Januar wurden in Port-au-Prince und in der Umgebung weit über 220.000 Menschen getötet. Einem US-Forscherteam zufolge besteht eine große Gefahr für ein weiteres schweres Erdbeben in der Region.

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