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Aufruf zur Lynchjustiz im Internet – durchs Netz gehetzt

13.04.12
Aktion in Emden – ein Zeichen gegen SelbstjustizVor dem Polizeirevier in Emden hatte sich ein Mob von 50 Menschen versammelt und forderte die Herausgabe des vermeintlichen Täters.
Foto: dpa bildfunk

Aktion in Emden – ein Zeichen gegen Selbstjustiz

Nach dem Mord an der elfjährigen Lena vor drei Wochen haben Emder Bürger gegen Hassparolen und Verleumdungen im Internet demonstriert. 2.500 Menschen folgten dem Aufruf von Stadt, Kirchen und Gewerkschaften. Oberbürgermeister Bernd Bornemann (SPD) kritisierte dabei die öffentliche Vorverurteilung von Unschuldigen in sozialen Netzwerken.

"Ich schäme mich für das, was da geschehen ist", sagte Bornemann in einer mehrfach von Beifall unterbrochenen Rede. Emden sei nicht die Stadt von Vorverurteilung und Selbstjustiz, sondern geprägt von Anteilnahme und Solidarität.

Pastor Manfred Meyer sagte, die Familie des Mordopfers begrüße die Veranstaltung. "Die Eltern, Angehörigen und Freunde möchten wieder zurück ins normale Leben finden." Am Donnerstag war für Lenas Mitschüler der erste Schultag nach den Osterferien – er begann mit einer Trauerfeier. Lena war am 24. März, dem ersten Ferientag, in einem Parkhaus umgebracht worden.

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Jagd auf den vermeintlichen Mörder

Nach dem Mord hatte die Polizei zunächst einen Unschuldigen festgenommen. Im Internet waren daraufhin Hassparolen und ein Aufruf zur Selbstjustiz gegen den damals 17-Jährigen veröffentlicht worden, dem rund 50 Menschen gefolgt waren. Sie versammelten sich vor der Emder Polizeiwache und forderten die Herausgabe des angeblichen Täters. Die Beamten griffen nicht ein. Wenige Tage später gestand ein anderer junger Mann, Lena getötet zu haben.

Gegen den Urheber des Aufrufs wird inzwischen ermittelt. Der junge Mann ist nach Justizangaben geständig und bereut seine Tat. "Er will sich persönlich entschuldigen bei dem Betroffenen", sagte der Auricher Oberstaatsanwalt Bernard Südbeck der Oldenburger 'Nordwest-Zeitung'. Vorgeworfen wird ihm die öffentliche Aufforderung zu Straftaten.

Die Gewerkschaft der Polizei sprach sich dafür aus, die Entschädigung für den zu Unrecht Verhafteten zu verdoppeln. Dem inzwischen 18-Jährigen stehen für seine drei Tage in Untersuchungshaft 75 Euro zu. Auch die doppelte Menge wird dem Gebrandmarkten jedoch kaum ein Trost sein.

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