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Veranstalter weist Schuld weiter von sich

28.07.10

Foto: dpa bildfunk

Viel zu wenig Ordner

Loveparade-Chef Rainer Schaller hat auf die Vorwürfe des nordrhein-westfälischen Innenministeriums zurückhaltend reagiert. Diese müssten nun sehr genau geprüft werden, teilte er der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch mit. Die Darstellung von Innenminister Ralf Jäger (SPD) werfe "viele Fragen auf". Inwieweit auch das Verhalten der Polizei die Situation mitverursacht habe, "wird die Staatsanwaltschaft herausfinden", so Schaller. Diese sei im Besitz des vollständigen Videomaterials der sechs Kameras im Tunnel- und Eingangsbereich.

Schaller kündigte die Einrichtung eines Hilfsfonds an, um den Angehörigen der Opfer "schnell und unbürokratisch zu helfen". Derzeit werde ein entsprechender Fonds mit sozialen Einrichtungen organisiert, damit die Angehörigen von den dringendsten finanziellen Folgen entlastet werden könnten, erklärte Schaller.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger (SPD) sieht viel Verantwortung für das Unglück bei der Duisburger Loveparade beim Veranstalter. Jäger stellte am Mittwoch einen vorläufigen Bericht der Duisburger Polizei zum Loveparade-Unglück vor, bei dem 21 Menschen starben und mehr als 500 verletzt wurden.

Jäger sagte, die Berliner Gesellschaft Lopavent GmbH habe viel weniger Ordnungskräfte eingesetzt als im Sicherheitskonzept vorgesehen. Den Bereich von Tunnel und Rampe sollten demnach 150 Ordner sichern.

Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Polizeiinspekteurs Dieter Wehe hat die Polizei Bedenken zum Tunnel als Eingangsbereich kundgetan. Der Veranstalter habe das Gelände später als geplant geöffnet - erst nach 12.00 Uhr.

Der Veranstalter habe die Polizei aufgrund der Situation im Tunnel um 15.30 Uhr um Hilfe gebeten, und die Ordner um 15.46 Uhr angewiesen, die Schleusen zu sperren, damit keine Menschen in den überfüllten Tunnel nachströmen. Dies sei aber nicht umgesetzt worden, sagte Wehe.

Am westlichen Tunneleingang sei die Hälfte der Schleusen zunächst gar nicht von Ordnern besetzt gewesen. Dadurch hätten sich dort bis zu 20.000 Menschen aufgestaut. Die Polizei habe den Veranstalter darauf hinweisen müssen, sagte Wehe. Die Menschen seien vor den Schleusen bereits unruhig und aggressiv geworden.

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Morddrohungen gegen OB Sauerland

"Am Veranstaltungsort hat ausschließlich der Veranstalter die Verantwortung", sagte Jäger weiter. "Die Polizei hat versucht zu tun, was eigentlich der Veranstalter zu tun hatte."

Auf welcher Grundlage die Stadt Duisburg die Loveparade genehmigt habe, müsse die Stadt erklären.

Die Staatsanwaltschaft Duisburg ermittelt derzeit gegen Unbekannt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung. Im Rahmen dessen wurden unter anderem Planungs- und Genehmigungsunterlagen bei der Stadt Duisburg und bei dem Veranstalter der Love-Parade sichergestellt.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) forderte nach der Katastrophe personelle Konsequenzen. Sie habe zur Kenntnis genommen, dass der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) im Amt bleiben wolle, es werde am Ende aber auch um politische Verantwortung gehen." Sauerland wird vorgeworfen, Warnungen im Vorfeld der Loveparade in den Wind geschlagen zu haben. Ausdrücklich nahm Kraft die Polizei in Schutz, der Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller eine wesentliche Mitschuld an den Ereignissen am vergangenen Samstag gab.

Sauerland wies die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück, wonach Kritiker ihn darauf hingewiesen hätten, dass Duisburg für eine derartige Massenveranstaltung ungeeignet sei. "Mir sind keine Warnungen bekannt", sagte er. Es gebe bei der Planung solcher Veranstaltungen immer kritische Stimmen, die auch sehr ernst genommen würden, sagte Sauerland der 'Rheinischen Post'. Es sei gewissenhaft geprüft worden, ob die Veranstaltung stattfinden könne. Der CDU-Politiker steht nach Morddrohungen inzwischen unter Polizeischutz.

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