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U-Bahn-Pfusch: Razzien bei Bauunternehmen

09.03.10

Foto: dpa bildfunk

Technik-Vorstand der KVB muss gehen

Die Ermittlungen zum Kölner U-Bahn-Pfusch haben zu Durchsuchungen bei drei Schrott- und Recyclingfirmen geführt. Die Kölner Unternehmen haben möglicherweise die Eisenbügel gekauft, die Arbeiter von U-Bahn-Baustellen gestohlen hatten. "Es hat einen anonymen Hinweis gegeben, den wir ernst genommen haben und dem wir nachgegangen sind", sagte Carolin Breloer, Sprecherin der Kölner Staatsanwaltschaft.

Sie bestätigte damit einen Bericht des 'Kölner Stadt-Anzeigers'. Nach bisherigen Erkenntnissen hatten ein Polier und mehrere Arbeiter einen Großteil der zur Sicherung der Baustelle vorgesehenen Stahlbügel entwendet und verkauft.

Ein Jahr nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs hatten die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) zuvor erstmals Fehler eingeräumt. Die Kontrolle der Baustellen und der Protokolle sei unzureichend gewesen. Ob die KVB wusste, dass in der Baugrube vor dem Stadtarchiv zu viel Grundwasser abgepumpt worden war, ist unklar.

Als einen der Hauptschuldigen an den Schlampereien machte das Verkehrsunternehmen nun Technik-Vorstand Walter Reinarz aus. Obwohl ihm kein direktes Verschulden nachzuweisen ist, soll der Aufsichtsratsvorsitzende Wilfried Kuckelkorn einen Auflösungsvertrag mit Reinarz aushandeln. Sollten im Nachhinein Beweise dafür auftauchen, dass der Technikchef seine Pflichten verletzt hat, "dann wird der Vertrag null und nichtig sein", so Kuckelkorn. Gleichzeitig beauftragte die KVB den Fachanwalt für Bauwesen, Gero Walter, mit der Aufklärung des Unglücks.


Foto: dpa bildfunk
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Walter entdeckt schwere Versäumnisse

Die Frage nach den Schuldigen des Archiv-Einsturzes am 3. März 2009 ist weiterhin nicht geklärt. Klar scheint mittlerweile, dass das Unglück hätte verhindert werden können. Wenige Monate vor dem Einsturz waren Setzungsrisse an der Vorder- und Rückseite des Stadtarchivs zu sehen. Bei Gebäuden, die auf der anderen Seite der Baugrube lagen, habe es hingegen keine Risse gegeben. Dieser Widerspruch hätte den Verantwortlichen auffallen müssen, sagte Walter.

Außerdem kritisierte er, dass das Unternehmen Bilfinger Berger an der Baugrube 19 statt der genehmigten vier Brunnen angelegt hatte. Eine Genehmigung wurde dafür nicht eingeholt. Zudem hatten Fachkräfte von Bilfinger Berger 80 Prozent der vorgesehenen Eisenbügel nicht in den Stürzwänden verbaut. Ob die KVB über diese Versäumnisse informiert war, ist unklar. Bei dem Einsturz des Archivs waren zwei Menschen ums Leben gekommen. Außerdem waren wurden eine noch nicht bekannte Zahl an wertvollen Archivalien vernichtet.

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