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Pokerräubern drohen lange Haftstrafen

30.06.10

Verteidiger plädieren auf Bewährung

Vier Monate nach dem spektakulären Überfall auf ein Pokerturnier am Potsdamer Platz in Berlin wird am Donnerstag das Urteil verkündet. Die Staatsanwaltschaft fordert für die vier angeklagten jungen Männer Haftstrafen zwischen vier und fünf Jahren wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung. Ihre Anwälte plädieren auf Strafen zwischen ein und zwei Jahren, die in drei von vier Fällen zur Bewährung ausgesetzt werden sollten.

Die Männer arabischer und türkischer Herkunft im Alter von 19 bis 21 hatten den Überfall im Berliner Hotel Grand Hyatt am 6. März gestanden. Über den Verbleib der 242.000 Euro Beute sagten die Angeklagten nichts. Zwei Wachmänner wurden in dem Tumult verletzt.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft war der Überfall gut geplant. Die Strafe sei aber deutlich zu mildern, weil es Hintermänner gab. Die mutmaßlichen Tippgeber sollen in diesem Sommer vor Gericht gestellt werden. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft habe ein 31-jähriger Araber das Signal zum Überfall gegeben, ein 29-jähriger Onkel eines Räubers habe die Tat vor Ort organisiert und danach die Beute verteilt.

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Zwei Angeklagte beanspruchten Kronzeugenregelung

Die maskierten Männer hatten das Pokerturnier mit Machete und Schreckschusspistole überfallen. Sie stopften sich das Geld in Jacken- und Hosentaschen sowie eine Laptoptasche. Im Handgemenge mit einem Wachmann verloren sie einen großen Teil der Beute. Bei dem Turnier ging es um eine Million Euro. Auch Ex-Tennisstar Boris Becker und Autorin Charlotte Roche hatten teilgenommen.

Zwei der vier Angeklagten beanspruchten eine Kronzeugenregelung für sich. Für einen 21-Jährigen, der Komplizen genannt hatte, und einen 20-Jährigen Neuköllner, der einen Hintermann verriet, beantragte die Staatsanwaltschaft vergleichsweise milde vier Jahre Gefängnis. Für die beiden weiteren Angeklagten forderte die Anklage fünf beziehungsweise viereinhalb Jahre Gefängnis.

Der 20-jährige Kronzeuge sagte, er bereue die Tat und habe Angst vor Rache. "Ich war immer Außenseiter und wollte mir Respekt auf der Straße verschaffen", schilderte er sein Tatmotiv. Die Verteidigung plädierte unter Berücksichtigung erheblicher Vorstrafen auf ein Jahr Jugendstrafe ohne Bewährung und forderte für den anderen Kronzeugen und einen dritten Täter zwei Jahre Jugendstrafe mit Bewährung. Auch für den vierten Täter sei eine Bewährungsstrafe angemessen.

In ihrem Schlusswort hatten sich die vier Räuber entschuldigt. Staatsanwalt Frank Heller glaubt nicht an Reue und sagte, mindestens drei der Männer würden sich als Stars fühlen und hätten nichts gelernt - außer, dass man es das nächste Mal besser machen müsse. Ein Verteidiger betonte hingegen, die Männer seien "von deutlich überlegenen Hintermännern funktionalisiert" worden.

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